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    Blood Red Sky
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Blood Red Sky

    Motherfucking Vampires on this Motherfucking Plane!

    Von Christoph Petersen
    Flugzeuge eignen sich ganz hervorragend, um einen Film zu pitchen: „Stirb langsam“, aber an Bord eines Flugzeugs… bäm, „Air Force One“ mit Harrison Ford! „Eine Dame verschwindet“, aber an Bord eines Flugzeugs… bäm, „Flightplan“ mit Jodie Foster. Und dann ist da natürlich noch Samuel L. Jacksons ultimativer Meme-Pitch, der nur das Problem hatte, dass der gewaltige Instant-Hype bis zum Kinostart von „Snakes On A Plane“ schon wieder weitestgehend abgeflaut war:

    „Motherfucking Snakes on this Motherfucking Plane!“


    Kein Wunder also, dass sich nun, wo so ziemlich jede Produktionsfirma des Planeten zeitgleich Filme für Netflix drehen will, auch ein klassischer Flugzeug-Pitch durchsetzen konnte. Schon eher überraschend: „Red Blood Sky“ stammt aus Deutschland! „Bang Boom Bang“-Regisseur Peter Thorwarth und sein Co-Autor Stefan Holtz verlassen sich bei ihrem Terrorismus-Thriller mit Blutsauger-Twist nur leider zu sehr darauf, dass sich der Umgang mit den beiden Genres schon irgendwie frisch anfühlen wird, wenn man sie nur an Bord einer vollbesetzten Passagiermaschine zusammenschmeißt. Doch so einfach ist das leider nicht.

    In ihrer Not lässt Nadja (Peri Baumeister) die gefürchtete Verwandlung in einen Vampir irgendwann einfach zu...


    Eine Passagiermaschine setzt, begleitet von zwei Kampfjets, ziemlich wacklig auf einer Landebahn in Schottland auf. Der verantwortliche Militär-Oberst Alan Drummond (Graham McTavish) lässt sofort Scharfschützen aufziehen. Allerdings kann man von außen nicht erkennen, was genau an Bord des Flugzeugs eigentlich los ist. Vieles spricht für einen terroristischen Zwischenfall. Aber der einzige Passagier, der sich durch eine Laderampe retten kann, ist ein kleiner verstörter Junge (Carl Anton Koch) mit seinem Teddybären, der den Soldaten nur irgendwelchen unzusammenhängenden Unsinn über Blutsauger erzählt.

    In einem Rückblick wird die wahre Geschichte erzählt: Der kleine Junge heißt Elias und ist mit seiner schwerkranken Mutter Nadja (Peri Baumeister) auf dem Weg aus Deutschland nach New York, wo ihr eine experimentelle Therapie womöglich doch noch helfen könnte. Aber dann wird die Maschine von einer Gruppe von Terroristen gekapert. Als klar wird, dass die Verbrecher offenbar nicht vorhaben, die Passagiere am Leben zu lassen, zeigt Nadja notgedrungen, welche abgründigen Kräfte tatsächlich in ihr schlummern…

    Terroristen aus der Retorte


    Die erste echte Vampirattacke gibt es nach 55 Minuten. Man muss sich also erst einmal eine ganze Weile mit einem herkömmlichen Terrorismus-Thriller begnügen – und der bietet wirklich nur die absoluten Basics: Klar, es gibt einige auffällige Kamerafahrten durch den engen Kabinengang sowie eine Handvoll überraschend heftiger Gewaltspitzen. Aber die False-Flag-Operation mit Aktiengewinnen als wahrem Motiv ist nun wirklich alles andere als neu – und die Terroristen-Darsteller um „Prison Break“-Star Dominic Purcell als Anführer Berg bleiben auch erschreckend blass.

    Die einzige Ausnahme: Alexander Scheer („Gundermann“) dreht schon zu Beginn als Klischee eines schwulen Stewards voll auf – um dann als blutverschmierter Total-Psycho mit wahnsinnsverzerrtem Gesicht endgültig völlig freizudrehen. Klar, das kann man doof und nervig finden – aber zumindest macht der Bühnensuperstar im Gegensatz zu seinen internationalen Kollegen etwas aus dem Wenigen, das ihm das Drehbuch bietet. Also: Lieber so als noch einen Langweiler!

    Dominic Purcell ist zwar der größte Name im Cast von "Blood Red Sky" - hat als Terroristen-Anführer aber trotzdem enttäuschend wenig beizutragen.


    Die Vampirseite der Geschichte ist da schon deutlich interessanter: Die in weiteren Rückblenden angedeutet, aber nicht überstrapazierte Mythologie macht durchaus neugierig – und Peri Baumeister („Unsere Zeit ist jetzt“) rockt ihren Part gleich doppelt: Ihre Beziehung als alleinerziehende Mutter zu ihrem eingeweihten Sohn, auf den sie sich in vielen Bereichen einfach verlassen muss (etwa beim Check In, der noch vor Sonnenuntergang stattfindet), ist das schlagende Herz von „Blood Red Sky“. Und sogar noch eindrucksvoller ist ihre Leistung, sobald die Verwandlung einsetzt:

    Auf der einen Seite muss Nadja ihre Vampirkräfte zulassen, um eine Chance gegen die Terroristen zu haben, aber dann muss sie sie auch so weit unter Kontrolle behalten, dass sie nicht im Blutrausch unbeteiligte Passagiere oder gar ihren eigenen Sohn anfällt. Dieser innere Widerstreit kommt in Baumeisters instinktgetriebener Performance grandios gut zur Geltung: Wie ein in die enge getriebenes wildes Tier zuckt sie mit dem Kopf, fokussiert ständig ihre Augen neu. Die Qualität ihres Spiels wird vor allem deutlich, wenn sich im weiteren Verlauf noch weitere frischgebissene Vampire dazugesellen – aber dann so gar keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

    Fazit: Ein schwacher Terrorismus-Thriller wird durch solide und in den besten Momenten sogar ehrlich tragische Vampir-Action aufgewertet. Bedingungslos begeistern kann aber nur die fantastische Peri Baumeister.

     

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