Die Unfassbaren 3 - Now You See Me
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Die Unfassbaren 3 - Now You See Me

Mit Magie statt Muckis

Von Christoph Petersen

Nach dem Ende ihrer drei größten Kinoreihen – „Twilight“, „Die Tribute von Panem“ und „Die Bestimmung“ – standen die Verantwortlichen des US-Studios Lionsgate 2016 unter besonders großem Druck: Es mussten möglichst schnell neue Franchises an den Start gebracht werden, um den für einen Independent-Player gigantisch hohen Marktanteil der Vorjahre nicht komplett herzuschenken. Besonders vielversprechend erschien dabei die augenzwinkernde Heist-Reihe „Die Unfassbaren“ um das Magier*innen-Quartett „Vier Reiter“, das seine Illusions-Künste Robin-Hood-gleich für das Wohle der Menschheit einsetzt. Schließlich hatten die ersten beiden Teile bereits große Erfolge am weltweiten Box Office erzielt.

Nach „Die Unfassbaren“ (ca. 350 Millionen Dollar Kinoeinnahmen Vs. 75 Millionen Dollar Budget) und „Die Unfassbaren 2“ (ca. 330 Millionen Vs. 90 Millionen) sollte deshalb nicht nur direkt „Die Unfassbaren 3“, sondern parallel auch noch ein chinesisches Spin-off (dort kam Teil 2 besonders gut an) folgen. Dazu wurde die Magie-Geheimorganisation „Das Auge“ in „Die Unfassbaren“ bereits so ausgedeutet, dass es ein Leichtes gewesen wäre, das Franchise nach dem Vorbild des Marvel Cinematic Universe weiter auszubauen – mit Mark Ruffalo als „Das Auge“-Agent Dylan Rhodes in einer verbindenden Mentoren-Rolle, die in etwa der von Samuel L. Jackson im MCU entsprochen hätte.

Seit dem zweiten Teil hat sich das Magier*innen-Ensemble nochmal erweitert – und dann kommen sogar noch einige Rückkehr-Cameos hinzu, die wir an dieser Stelle aber noch nicht vorwegnehmen wollen… LEONINE
Seit dem zweiten Teil hat sich das Magier*innen-Ensemble nochmal erweitert – und dann kommen sogar noch einige Rückkehr-Cameos hinzu, die wir an dieser Stelle aber noch nicht vorwegnehmen wollen…

Aber Pustekuchen! Statt eines schnellen Sequels folgten Probleme mit den ersten Drehbuchfassungen, der Ausstieg von Regisseur Jon M. Chu (der stattdessen die Hits „Crazy Rich“ und „Wicked“ drehte) sowie die Herausforderung, die gut gefüllten Terminkalender des namhaften Ensembles unter einen Hut zu bekommen. Die Folge: Trotz der Ankündigung, dass auch „Die Unfassbaren 4“ noch kommen soll, haftet dem von „Venom“-Regisseur Ruben Fleischer inszenierten „Die Unfassbaren 3 – Now You See Me“ nach neunjährigem Schmoren in der Produktionshölle der Eindruck eines nicht gerade zwingenden Nachklapps an. Aber das Wichtigste: Der gut aufgelegte Cast sorgt auch diesmal wieder für launige Comedy-Thriller-Unterhaltung.

Ebenfalls erfreulich: Drehbuchautor Michael Lesslie, der mit seinem Skript zu „The Ballad Of Songbirds & Snakes“ zuletzt auch schon das „Tribute von Panem“-Franchise für Lionsgate neugestartet hat, verzichtet weitgehend darauf, die in Teil 2 vorangetriebene Vertiefung der Mythologie direkt aufzugreifen – das wäre auch schwierig, weil man sich nach der langen Pause ohne Re-Watch ohnehin an vieles aus den Vorgängern nicht mehr so genau erinnert. Stattdessen steht „Die Unfassbaren 3“ auch gut für sich allein: Natürlich hilft es, die Figuren schon zu kennen, aber dem Plot kann man auch ohne Vorwissen problemlos folgen. Dafür nutzt Lesslie allerdings einen anderen Kunstgriff, der im Genre der Legacy-Sequels (bestes Beispiel: „Ghostbusters: Afterlife“) besonders „in“ ist: die Einführung einer nächsten Generation.

Das Ensemble wächst noch einmal an

Statt den Vier Reitern sind es die Nachwuchs-Illusionist*innen June (Ariana Greenblatt), Charlie (Justice Smith) und Bosco (Dominic Sessa), die zu Beginn des Films mit einer Underground-Magieshow dafür sorgen, dass die von Crypto Bros ins Ausland transferierten Millionen zurück ans Publikum und einen New Yorker Sozialfonds gehen. Allerdings zieht der Auftritt auch die Aufmerksamkeit ihrer großen Vorbilder auf sich. Noch am selben Abend steht plötzlich die Illusions-Ikone J. Daniel Atlas (Jesse Eisenberg) bei den dreien in der Küche und eröffnet ihnen, dass Das Auge sie für eine wichtige Mission vorgesehen hat: Diesmal geht es um das Niederringen des Blutdiamanten-Imperiums von Veronika Vanderberg (im Original mit einem grandios-schmierigen niederländischen Akzent: Rosamund Pike)!

Dafür soll im ersten Schritt der Heart Diamond, der größte jemals gefundene Diamant, der aktuell erstmals seit Jahrzehnten in Amsterdam wieder öffentlich ausgestellt wird, unter den Augen seiner Besitzerin und ihrer aus Waffenhändlern und Diktatoren bestehenden Gästeschar entwendet werden. Aber natürlich ist nichts so, wie es zunächst scheint! Und bald stoßen auch noch die drei verbliebenen, inzwischen allesamt nicht mehr sonderlich gut aufeinander zu sprechenden Vier-Reiter-Mitglieder – der Mentalist Merritt McKinney (Woody Harrelson), die Entfesselungskünstlerin Henley Reeves (Isla Fisher) und der Kartenzauberer Jack Wilder (Dave Franco) – zum neu formierten Team dazu…

Der Raum mit der verzerrten Perspektive wurde tatsächlich am Set so gebaut – auch jede einzelne Requisite musste dafür als „verzerrte“ Version extra angefertigt werden.  LEONINE
Der Raum mit der verzerrten Perspektive wurde tatsächlich am Set so gebaut – auch jede einzelne Requisite musste dafür als „verzerrte“ Version extra angefertigt werden.

Die Crypto Bros zu Beginn protzen dermaßen plump mit ihren Luxusuhren herum, dass man gar nicht anders kann, als sie augenblicklich aus tiefstem Herzen zu verachten – und als ob das mit den unter ausbeuterischen Umständen geschürften Blutdiamanten nicht eh schon schlimm genug wäre, wird Veronika Vanderberg auch noch ein Mord und ihrer Familie eine Nazivergangenheit angedichtet. Das ist alles schon reichlich platt, aber es erfüllt seinen Zweck: Man drückt den Magier*innen die Daumen, dass sie es den Business-Bösewicht*innen mal so richtig zeigen. Wobei es schon ein besonders auffälliger Fall von kognitiver Dissonanz ist, dass das große Finale von „Die Unfassbaren 3“ ausgerechnet im Umfeld des Formel-1-Parkours auf der Luxusinsel Yas Island stattfindet.

Sicherlich ist das auch deshalb so, weil da die Tourismusbehörde von Abu Dhabi die eine oder andere Million für die Produktion zugeschossen hat (im Gegenzug wird sogar der Werbeslogan „Das Orlando der arabischen Welt“ prominent erwähnt). Aber obwohl solche (fragwürdigen) Kooperationen für Hollywood-Produktionen längst normal sind, wirkt es speziell in diesem Fall trotzdem sehr merkwürdig, wenn die Vier Reiter ausgerechnet vor diesem Publikum für die Rechte der ausgebeuteten afrikanischen Minenarbeiter eintreten. Bis es in die werbewirksam inszenierte Wüste geht, folgen die wendungsreichen Heists und trockenen Sprüche aber in bester „Die Unfassbaren“-Manier Schlag auf Schlag – Kurzweil ist also garantiert.

Magie ist im Kino nicht automatisch magisch

Dabei geben sich die Verantwortlichen alle Mühe, aus den Zauberkünsten ihrer Protagonist*innen alles herauszuholen – das ist nämlich gar nicht so leicht: Weil man im Kino im Gegensatz zu einer realen Bühnenshow im Zweifel einfach mit CGI-Effekten nachhelfen kann, wirken Illusionstricks auf der Leinwand oft gar nicht sonderlich beeindruckend – da fühlt man sich schnell eher in einer Comic-Verfilmung mit übermenschlich begabten Held*innen statt in einem Heist-Film à la „Ocean‘s Eleven“, wo es vor allem auf die Intelligenz und das Geschick der Beteiligten ankommt. Aber in dieser Hinsicht macht „Die Unfassbaren 3“ vor allem zwei Dinge richtig: Zum einen wird bei den Heists hinterher genau erklärt, warum die Vier Reiter und ihre jüngeren Mitstreiter*innen was wie gemacht haben. So wirkt etwa der Diebstahl des Heart Diamond im ersten Durchgang wie eine typische Comic-Blockbuster-Sequenz.

Aber dann wird nachträglich noch einmal in Rückblenden ganz genau aufgedröselt, welche Tricks und Gadgets tatsächlich hinter den vermeintlich unmöglichen Geschehnissen stecken. Und zum anderen wurde – vor allem bei den Szenen in einem französischen Magier-Anwesen – viel mit realen Bauten gelöst: Darin gibt es einen Raum, der sich wie in „Inception“ um die eigene Achse dreht, einen Raum mit einer völlig verzerrten Perspektive sowie einem Raum mit „unendlichen Treppen“ wie in einer optischen Täuschung von M. C. Escher. Das sieht alles auf Anhieb schon cool aus – entfaltet sein ganzes Potenzial aber erst so richtig, wenn plötzlich eine Polizeieinheit auf der Matte steht und eine fast schon Cartoon-artige Verfolgungsjagd durch die magischen Zimmer vom Zaun bricht…

Fazit: Hat es nach neun Jahren Pause wirklich noch einen dritten „Die Unfassbaren – Now You See Me“-Film gebraucht? Nein! Macht’s trotzdem Laune? Ja!

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