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    Bright
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Bright
    Von Tobias Tissen
    Buddy-Cop-Filme gibt es wie Sand am Meer. Meist muss sich darin ein ungleiches Polizisten-Duo irgendwie zusammenraufen, um einen kniffligen Kriminalfall aufzuklären. Schon 1949 brachte Akira Kurosawa in „Ein herrenloser Hund“ einen unerfahrenen und einen alternden Ermittler zusammen und schuf so einen Vorläufer für all das, was da in den nächsten Jahrzehnten noch folgen sollte: In „Nur 48 Stunden“ geht Cop Nick Nolte mit Knasti Eddie Murphy auf Ganovenjagd; in „Red Heat“ sind es Schmuddel-Ami James Belushi und Stereotyp-Russe Arnold Schwarzenegger; und in „Scott & Huutsch“ bekommt Tom Hanks sogar einen Hund als Partner zugeteilt. Der neueste Beitrag zum Genre ist nun der rund 100 Millionen Dollar teure Netflix-Blockbuster „Bright“ von „Suicide Squad“-Regisseur David Ayer und Drehbuchautor Max Landis („Chronicle“), die Will Smith als Streifenpolizist in einem mit allerhand Fabelwesen bevölkerten alternativen Los Angeles ausgerechnet einen Ork (gespielt von Joel Edgerton) als Partner zur Seite stellen. Die Dynamik innerhalb dieser gemischtrassigen Zwangspaarung ist dann schließlich auch der größte Pluspunkt des ansonsten nur mittelmäßig unterhaltsamen und seine eigenen Allegorien nicht wirklich im Griff habenden Fantasy-Thrillers.

    Vor rund 2.000 Jahren tobte auf der Erde ein erbitterter Krieg zwischen den Orks, die einem mächtigen dunklen Lord dienten, und den Wesen der hellen Seite, zu denen neben den Menschen auch die Elfen zählten. Seitdem herrscht zwar Frieden zwischen den Völkern, aber trotzdem werden die Orks noch immer von vielen als minderwertig, dumm und kriminell verachtet. So ist es auch eine kleine Sensation, dass mit Nick Jacoby (Joel Edgerton) das erste Mal ein Ork zum Polizisten ernannt wird – und dass er in Los Angeles gemeinsam mit dem Menschen Daryl Ward (Will Smith) auf Streife geht. Allerdings trägt Nick eine gewisse Mitschuld daran, dass Daryl vor einiger Zeit von einem anderen Ork mit einer Schrotflinte über den Haufen geschossen wurde. Nun, da Daryl frisch genesen gerade erst in den Dienst zurückgekehrt ist, besteht zwischen den Partnern also noch eine gewisse Spannung, als ihnen auf einer vermeintlichen Routinepatrouille plötzlich ein mächtiger Zauberstab unterkommt, der in den falschen Händen für gewaltiges Chaos und pure Zerstörung sorgen könnte. Gemeinsam mit der jungen Elfe Tikka (Lucy Fry) muss sich das Duo fortan durch das nächtliche L.A. schlagen – und dabei gilt es, nicht nur ihre persönlichen Differenzen zu überwinden, sie können auch sonst niemandem trauen, denn neben der brutalen Elfe Leilah (Noomi Rapace) haben es noch allerlei Cops und Gangster auf den machtverheißenden Zauberstab abgesehen…


    Cop-Film-Spezialist David Ayer (von „Training Day“ über „Street Kings“ bis „End Of Watch“) entwirft seine Fantasy-Welt, die sich abgesehen von einigen mythischen Bewohnern erstaunlich wenig vom urbanen L.A. unterscheidet, mit einer erfrischenden Selbstverständlichkeit: Wenn Daryl von seiner Frau Sherri (Dawn Olivieri) gleich zu Beginn des Films gebeten wird, sich doch endlich um die lästige Fee zu kümmern, die sich ständig in ihrem Vorgarten herumtreibt, dann wirkt das wie das normalste Alltagsproblem der Welt (selbst wenn dieses Feenklatschen erstaunlich blutig und brutal endet). Das nächtliche Treiben in einem von Wesen aller Art bevölkerten Tanzschuppen erinnert später zudem an eine derbe R-Rated-Version der klassischen Cantina-Sequenz aus dem ersten „Star Wars“-Film. Dabei gefallen vor allem die meist trockenhumorigen Querverweise auf die Realität: So besteht fast die gesamte Defense der NFL nur noch aus breitschultrigen Orks und selbst der härteste Death Metal klingt für orkische Ohren nun mal wie die allerschönste Liebesmusik.

    Leider nutzt David Ayer das vielversprechende Setting – wie zuletzt auch schon in „Suicide Squad“ – nicht wirklich: Sobald der eigentliche Plot mit der Einführung des Zauberstabs losgeht, verkommt „Bright“ in Rekordzeit zu einem durch und durch generischen Actionstreifen ohne echte Höhepunkte. Sowohl die grimmigen Cop-Thriller-Momente als auch die Fantasy-Einschübe kennt man längst aus dem Effeff, wobei auch keine der allesamt in einer Nacht angesiedelten Episoden wirkliches Gewicht bekommt. Nichts hat nachhaltige Konsequenzen, obwohl echt heftiger Scheiß passiert, der die Figuren und den Zuschauer eigentlich ordentlich durchrütteln sollte. So entsteht lediglich ein ziemlich zäher Brei aus stoisch aneinandergereihten, allseits bekannten Versatzstücken. Besonders ärgerlich ist zudem, dass der eigentlich ja superteure Film nach dem ersten Viertel plötzlich so dunkel ist, dass man in vielen Actionszenen kaum noch erkennt, was da eigentlich gerade auf dem TV-Schirm vor sich geht. „Bright“ ist die bis jetzt mit Abstand teuerste Netflix-Eigenproduktion überhaupt – und dank Ayers Vorliebe für die Finsternis kann man allenfalls erraten, wo die 100 Millionen Dollar wohl hingeflossen sind.

    Abgesehen von Daryl und Nick bleiben wirklich sämtliche Figuren absolut blass: Vor allem bei Noomi Rapace („Verblendung“) als Elfe Leilah, die mit gezwungen und deplatziert wirkenden Gewaltexzessen zur großen Bedrohung aufgebauscht werden soll, bleiben Motive und Hintergründe völlig unklar. Total aus dem Rahmen fällt zudem Edgar Ramirez („Point Break“), der nicht nur optisch eine Fehlbesetzung ist, sondern als lilahaariger FBI-Elf der Erzählung bis zum Ende auch nichts Substantielles hinzufügt. Und Lucy Fry als Tikka, die als zunächst unfreiwillige Begleiterin des Cop-Duos zwar durch ihre bloße Anwesenheit den Plot vorantreibt, aber sonst außer einem verschreckten Rehblick nicht viel beizutragen hat, ist nicht mehr als ein müder Abklatsch von Milla Jovovichs Leeloo aus „Das fünfte Element“. So punktet vom Cast letztlich allein das Hauptdarsteller-Duo: Während Will Smith sichtlich Laune daran hat, zur Abwechslung auch mal eine moralisch nicht so eindeutige Figur zu spielen (immerhin war selbst sein Auftragskiller in „Sucide Squad“ ein offensichtlicher Guter), verleiht Joel Edgerton („Loving“) dem weder von Menschen noch von Orks akzeptierten Nick eine unerwartete Tiefe – und das trotz kiloweise Gummi und Make-up im Gesicht. Die trockenen Wortgefechte der beiden Cops, die zumeist auf Vorurteilen gegen die Rasse des jeweils anderen basieren, lockern die sonst so betont grimmige Atmosphäre immer wieder auf, weisen zugleich aber auch so auffällige Parallelen zum allzu realen Nicht-Fantasy-Rassismus auf, dass einem das Lachen auch immer mal wieder im Halse steckenbleibt.

    Schon wenn die im Vorspann präsentierten Ork-Graffiti wenig subtil an die Wandmalereien in vorwiegend schwarzen Wohnvierteln erinnern, steht fest: Fantasy hin oder her, „Bright“ ist auch als offenherzige Rassismus-Kritik und Kommentar zur aktuellen #BlackLivesMatter-Debatte angelegt. Gleich in einem der ersten Dialoge stellt Daryl dann auch gegenüber seiner Tochter noch einmal nachdrücklich klar, dass keine Rasse besser oder klüger sei als die andere – wobei sich diese aufgeklärte Einstellung in seinem anschließenden Verhalten gegenüber Nick nicht wirklich widerspiegelt. Dass Saubermann Will Smith hier einen (alltags-)rassistischen schwarzen Cop spielt (im Gegensatz zu seinen geradeheraus rassistischen Kollegen), zählt zu den wenigen tatsächlich ambivalenten Elementen von „Bright“. Ansonsten trägt der Film seine Botschaft nämlich so offen auf der Zunge, etwa durch Dialogzeilen wie „Warum müssen Orks immer die Bösen sein?“, dass er in dieser Hinsicht irgendwann zu einer überdeutlichen Lehrstunde mit dem allegorischen Holzhammer verkommt. Zugleich werden die auftauchenden Ork-Banden aber in ein längst überholt geglaubtes Korsett aus Ghetto-Stereotypen gezwängt, wenn sie mit ihren Baggie-Jeans, Hockey-Trikots und auffälligen Goldketten herumpöbeln – da fragt man sich dann doch ernsthaft, ob die Macher ihre eigene Botschaft überhaupt verstanden haben.

    Fazit: „Bright“ ist ein grimmiger Fantasy-Thriller in einem erzählerisch eigentlich vielversprechenden Parallel-Universum, der schlussendlich jedoch fast ausschließlich von der Dynamik seines Hauptdarsteller-Duos lebt. Während sämtliche Nebenfiguren vollkommen gesichtslos und austauschbar bleiben, geht vor allem aufgrund der generischen Story schnell jegliche Spannung verloren.
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