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    Ostwind 3 - Aufbruch nach Ora
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Ostwind 3 - Aufbruch nach Ora
    Von Gregor Torinus

    2013 fing Katja von Garnier („Abgeschminkt“, „Bandits“) in ihrem Pferdefilm „Ostwind - Gemeinsam sind wir frei“ ungeachtet einiger erzählerischer Schwächen auf fulminante Weise die Magie des Reitens ein und punktete vor allem durch die überzeugende Darstellung der starken emotionalen Bindung zwischen dem rebellischen Teenager Mika und dem titelgebenden Hengst Ostwind. Zwei Jahre später ließ die Regisseurin „Ostwind 2“ ein Sequel folgen, dem allerdings weitgehend der Zauber des ursprünglichen Films fehlte. Nun bringt sie mit „Ostwind 3 - Aufbruch nach Ora“ einen dritten Ostwind-Film in die Kinos und rundet die Geschichte gemeinsam mit der inzwischen volljährigen Hauptdarstellerin Hanna Binke („Kriegerin“) als Mika zu einer gelungenen Trilogie ab.

    Das Pferdegestüt Kaltenbach ist mittlerweile ein Therapiezentrum, in dem Mika (Hanna Binke) als Pferdeflüsterin zu einem regelrechten Star avanciert ist. Doch die junge Frau fühlt sich in dieser Rolle zu sehr eingeengt. Nach einem heftigen Streit mit ihrer Großmutter Maria (Cornelia Froboess) bricht sie mit Ostwind nach Andalusien auf, wo sie die Wurzeln des Hengstes vermutet. Ihr Weg führt sie zur Hacienda von Pedro (Thomas Sarbacher) und zu einer traumhaft schön gelegenen Wasserquelle namens Ora. Dort lebt Pedros Schwester Tara (Nicolette Krebitz) zurückgezogen mit einer Wildpferdherde. Doch dieses Idyll ist bedroht, nachdem Pedro das Land mit der für die Pferde lebenswichtigen Trinkquelle an die örtliche Gemeinde verkauft hat, die es aber nun gegen alle Absprachen an ein ausbeuterisches Unternehmen verpachten will. Zusammen mit Pedros Tochter Samantha (Lea van Acken, „Das Tagebuch der Anne Frank“) und ihrer aus Frankreich nachgereisten Freundin Fanny (Amber Bongard) schmiedet Mika einen Rettungsplan…

    Die Verlegung des Schauplatzes vom oftmals trüben Deutschland in das sonnendurchflutete Andalusien bringt nicht nur ein neues Leuchten in die Pferdefilm-Reihe, sondern gibt auch der Handlung frische Impulse. In der Wildnis Südspaniens kommt das übergreifende Freiheitsthema der  Filme besonders gut zur Geltung und so wird es in „Ostwind 3 - Aufbruch nach Ora“ noch einmal auf eine ganz neue Ebene gehoben. Das liegt auch daran, dass Regisseurin Katja von Garnier in dem neuen Setting voll ihre Stärken ausspielen kann. Noch mehr als in den Vorgängern stehen im dritten Teil die Pferde und die Natur im Mittelpunkt. Dabei geht es erstmalig nicht nur um das Erlebnis des Reitens, sondern auch um die Beziehung der Wildpferde untereinander. Die hinreißenden Aufnahmen (Kamera: Florian Emmerich, „Smaragdgrün“) der über die weite Hochebene in den Bergen galoppierenden Wildpferdherde sind die reine Poesie. Und das Bad, das Mika, Samantha und Ostwind in der idyllischen Quelle von Ora nehmen wird in von Garniers schwelgerischer Inszenierung zu einem wahren Fest des Einklangs zwischen Mensch, Tier und Natur.

    Während die traumhaft schönen Bilder für sich genommen oft sehr gefühlvoll und zuweilen auch am Rande des Kitsches eine fast schon kosmische Harmonie beschwören, wird ihre Wirkung immer wieder spürbar geschmälert, wenn Worte ins Spiel kommen. Selbst eine so versierte Schauspielerin wie Nicolette Krebitz („Unter dir die Stadt“) vermag den häufig arg hölzernen Dialogen nicht immer überzeugend Leben einzuhauchen. Letztlich fällt diese deutliche Schwäche hier aber weniger ins Gewicht als bei anderen Filmen, denn in „Aufbruch nach Ora“ spielen die Menschen genau genommen nur noch Nebenrollen. Dies passt zur zentralen Botschaft des Films: Die Menschen sollen sich zurücknehmen, die Natur bewahren und die Pferde in ihrer Freiheitsliebe respektieren. All dies wird auf hochemotionale Weise präsentiert und man kann intensiv mit den Helden mitfiebern, die sich für dieses Ziel einsetzen.

    Fazit: „Ostwind 3: Aufbruch nach Ora“ bringt die Trilogie mit neuem Schwung zu einem guten Abschluss. Allerdings schmälern die oft sehr künstlich und gewollt klingenden Dialoge das Vergnügen an den atemberaubend schönen Bildern wilder Pferde in der andalusischen Landschaft.

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