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    Hidden Strike
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Hidden Strike

    Nach Jahren im Giftschrank jetzt bei Netflix – aber hat sich das Warten gelohnt?

    Von Christoph Petersen

    In den vergangenen Monaten war an den chinesischen Kinokassen für US-Filme kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Selbst effektgetriebene Action-Blockbuster wie „Fast & Furious 10“, vor einigen Jahren noch eine sichere Bank, bleiben inzwischen meilenweit hinter den Erwartungen zurück. Aber 2018 war das ganz anders, da schien die Zukunft von Hollywood noch im zukünftig größten Kinomarkt der Welt zu liegen: In diesem Umfeld ergab es für den „Need For Speed“-Regisseur Scott Waugh also wirtschaftlich total Sinn, seinen 80 Millionen Dollar teuren Actioner „Hidden Strike“ direkt als Co-Produktion in China zu drehen sowie die chinesischen Spezialkräfte im Kampf um eine irakische Ölraffinerie als die uneingeschränkt Guten zu porträtieren. Dazu dann noch Superstar Jackie Chan – und fertig ist der fernöstliche Kinohit!

    Aber Pustekuchen! Zunächst kam der Handelskrieg zwischen den USA und China, dann die Covid-Pandemie und schließlich sprach Hauptdarsteller John Cena in einem Interview während der Promo-Tour zu „Fast & Furious 9“ von Taiwan als „Land“ – für nationalistisch eingestellte Chines*innen (und vor allem das staatliche Regime) ein absolutes No-Go! Sprich: Fünf Jahre, nachdem „Hidden Strike“ passgenau auf ein chinesisches Publikum zugeschnitten wurde, will ihn dort eigentlich niemand mehr sehen – und so gammelte der Film eine ganze Zeit im Giftschrank rum, bis er nun in den USA und Europa direkt bei Netflix erscheint. Und warum schreibe ich hier zu Beginn der Kritik so viel über die bewegte Veröffentlichungsgeschichte? Ganz einfach: Über die gibt es mehr Spannendes zu berichten als über das 08/15-B-Movie selbst…

    Jackie Chan und John Cena harmonieren in „Hidden Strike“ erstaunlich gut miteinander…

    Weil eine von einem chinesischen Konzern betriebene Ölraffinerie im Irak seit Tagen von rebellischen Söldnern attackiert wird, erhalten der legendäre Security-Spezialist „Dragon“ Luo Feng (Jackie Chan, „Ride On“) und sein Team den Auftrag, die Angestellten der Anlage zu evakuieren. Das kann allerdings nur über den berüchtigten Highway Of Death in Richtung Bagdad passieren, wo auch prompt ein raffiniert geplanter Anschlag auf den eigentlich gut geschützten Bus-Konvoi verübt wird.

    Luo Feng bleibt nur eine Chance: Er muss sich mit dem US-Söldner Chris Van Horne (John Cena, „Freelance“) zusammentun, um die chinesischen Geiseln aus den Fängen des geldgierig-ruchlosen Ganoven Owen Paddock („Operation: Overlord“-Bösewicht Pilou Asbæk) zu befreien. Dafür müssen sich die beiden topausgebildeten, aber grundverschiedenen Supersoldaten allerdings erst einmal zusammenreißen – zu Beginn können sie sich nämlich nicht wirklich leiden…

    Mit guter Chemie gegen schlechte Jokes

    Der Plot von „Hidden Strike“ macht wenig bis keinen Sinn: Warum wird überhaupt so viel Aufhebens darum gemacht, den Bösewicht zu stoppen? Wenn er das zu stehlende Öl erst mal in seinen schwer manövrierbaren Riesentanker geladen hat, dann wäre es doch ohnehin ein Leichtes, ihn dort draußen auf hoher See festzusetzen! Aber egal, niemand schaut B-Movie-Actioner wegen der Handlung. Schwerer wiegt deshalb, dass Drehbuchautor Arash Amel („Grace Of Monaco“) auch den Humor größtenteils vergeigt. So gibt es zwar eine wunderbar-absurde Szene, in der Jackie Chan und John Cena vor einer Gruppe irakischer Kinder auftreten und sich darüber in die Haare bekommen, wie man die verschiedenen Tiere aus dem Song „Old MacDonald Had a Farm“ pantomimisch korrekt darstellt …

    … ansonsten wirken die Running Gags um fehlinterpretierte Handzeichen und die richtige Art sich anzuschnallen allerdings furchtbar angestrengt. Von den sexuell konnotierten Kommentaren von John Cena in Richtung von Jackie Chans Filmtochter (Chunrui Ma) mal ganz zu schweigen – die sind nämlich einfach nur volle Kanne cringe! Und trotzdem: Obwohl man bei den Outtakes im Abspann sieht, wie wenig Jackie Chan mit den Unter-der-Gürtellinie-Improvisationen seines US-Kollegen anfangen kann, stimmt die Chemie zwischen den beiden Action-Superstars – und die rettet den Film nicht nur über so manche Länge, sondern vor allem auch über etliche bereits im Skript verpatzte Pointen hinweg.

    „Hidden Strike“ enthält zwar Spurenelemente von „Mad Max: Fury Road“ – kommt aber natürlich nicht mal ansatzweise an das Vorbild heran.

    Das gute Harmonieren setzt sich auch in einigen der Actionszenen fort – vor allem in einer Sequenz, in der John Cena mit einem ziemlich langen Eisenrohr um sich wirbelt und Jackie Chan ein Stockwerk höher immer wieder mit diesem interagiert. Sowieso ist der Stunt-Superstar verglichen mit einigen seiner jüngeren Auftritte diesmal richtig gut drauf (aber „Hidden Strike“ wurde eben auch schon vor fünf Jahren gedreht): Gerade das finale Duell mit dem halbkörpertätowierten Handlanger des Oberbösewichts macht echt was her! Jackie Chan ist dabei an zwei elastischen Seilen befestigt und schwingt daran durch den Raum, dessen Boden komplett mit Schaum gefüllt ist – irgendwo zwischen Cirque-de-Soleil-Performance und Hipster-Schaumparty sticht der Moment doch deutlich aus dem sonstigen Action-Einerlei heraus.

    Der Rest von „Hidden Strike“ erweist sich zwar als Mix aus bleihaltiger Wüstenhatz á la „Mad Max: Fury Road“ und ihre eigene Doofheit feiernden Übertreibungen á la „Fast & Furious“ (inklusive einem düsenjetbetriebenen Lastwagen, der auf seinen metallenen Stützen wie ein Schneemobil rasend schnell über den Wüstensand gleitet). Aber das liest sich jetzt alles spektakulärer, als es im Netflix-Stream dann wirklich ist – denn selbst wenn 80 Millionen Dollar nicht wenig sind für eine Produktion dieser Art, reicht es eben doch nicht, um „Hidden Strike“ nicht immer mal wieder wie die Zwischensequenz eines Videospiels aussehen zu lassen. Zumindest gibt es nach dem an Road-Runner-Cartoons gemahnenden Schlussakkord des Finales aber noch einen letzten Gag – und diese augenzwinkernde Variation der legendären letzten Einstellung des Actionfilm-Klassikers „Charlie staubt Millionen ab“ ist dann zum Schluss tatsächlich noch mal echt sympathisch.

    Fazit: Solide unterhaltendes B-Movie mit launigen Stars und miesem Skript, das mit seinem Budget von 80 Millionen Dollar zwar besser aussieht als viele andere Action-Kracher aus der zweiten oder dritten Reihe, aber in Sachen Effekte immer noch weit von Hollywoods A-Ware entfernt ist.

     

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