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    The Majestic
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    The Majestic
    Von David Bergmann
    Auch an Hollywood ging die McCarthy-Ära, die Zeit der Kommunistenverfolgung in den Vereinigten Staaten, nicht spurlos vorbei. An sozialkritische Stoffe war nicht zu denken und enthielt ein Script Elemente, die auch nur annähernd nach politischer Propaganda aussahen, so landeten die verantwortlichen Autoren schnell auf der sogenannten „Schwarzen Liste“ der vermeintlichen Traumfabrik. Eben diese Erfahrung muss auch der idealistische Autor Peter Appleton (Jim Carrey) machen, dessen Name gerade zum ersten Mal auf einem Filmplakat zu finden ist: Sein B-Movie „Sand Pirates Of The Sahara“ kommt in die Kinos und könnte ihm den Weg für größere Budgets ebnen. Sein nächstes Drehbuch „Ashes To Ashes“ ist bereits fertiggestellt und kommt seiner Vorstellung von sozialkritischen Stoffen wesentlich näher, doch urplötzlich wird er vor den gefürchteten Untersuchungsausschuss geladen, da er von anderen „Roten“ denunziert wurde.

    Sofort bricht das Studio alle Arbeiten an „Ashes To Ashes“ ab und Peter landet auf der offiziell nicht existenten „Schwarzen Liste“; er sieht seine Karriere und sein Leben zerstört. Nachdem er seinen Kummer heruntergespült hat, entschließt er sich zu einer nächtlichen Autofahrt; wie sich herausstellen soll eine schicksalsträchtige Entscheidung, denn Peter hat einen schweren Unfall, wacht an einer ihm gänzlich unbekannten Küste auf und hat keine Ahnung, wer er ist. Der greise Stan Keller (James Whitmore) findet ihn und bringt ihn in das kleine Städtchen Lawson. Hier bescheinigen ihm mehrere Einwohner, dass er ihnen bekannt vorkäme und schließlich tritt Harry Trimble (Martin Landau) an ihn heran und behauptet, Peter wäre sein im Krieg verschollener Sohn Luke. Da Lawson während des Krieges viele seiner Kinder verloren hat und seither alle Einwohner wie gelähmt in tiefster Trauer leben, glauben die Menschen bereitwillig an die Rückkehr eines ihrer Helden und Peter hat keine andere Wahl, als ihnen zu glauben und sich wie der Messias feiern zu lassen, der die Stadt aus der tief-verwurzelten Trauer führen soll. Harry und Luke bauen das städtische Kino „The Majestic“ wieder auf, das sie bereits früher betrieben. Doch als sie den Film „Sand Pirates Of The Sahara“ mieten, erinnert sich Peter plötzlich wieder an sein Leben in Hollywood ...

    Einen ernstzunehmenden Film über ein derart dunkles Stück amerikanischer Vergangenheit wie die McCarthy-Ära mit einer Laufzeit von 152 Minuten und Jim Carrey in der Hauptrolle zu drehen ... das sind drei gewaltige Wünsche auf einmal. Und erwartungsgemäß geht der Schuss dann auch eher nach hinten los. Erstaunlicherweise ist es aber nicht die Laufzeit, die den Film zu Fall bringt; Regisseur Frank Darabont schafft es tatsächlich, „The Majestic“ über die gesamte Länge hinweg interessant genug und stellenweise sogar spannend zu inszenieren. Nein, der erste und größte Knackpunkt ist Hauptdarsteller Jim Carrey. Nicht nur, dass man seinem Gesicht bereits im starren Zustand und schließlich erst recht bei einem auch noch so kleinen Grinsen ansieht, wie die durchtrainierten Muskeln zur nächsten lachmuskel-stimulierenden Grimasse ansetzen wollen ... er schafft es einfach nicht, die Rolle von Peter Appleton glaubhaft zu spielen. Woran das nun genau liegt, ist nur schwer zu sagen, doch einem Vollblut-Clown wie Carrey kann man es eigentlich auch nicht übel nehmen, dass er in diesem Bereich der Schauspielerei nicht fußfassen kann. Jedenfalls spielt sogar eine was große Produktionen angeht gänzlich unerfahrene Laurie Holden Grinsebacke Carrey mühelos an die Wand; tritt er dann in vielen Szenen zusammen mit einem Martin Landau vor die Kamera, rühren Kritiker wie Zuschauer gleichermaßen seine Versuche gegen eine derartige Leinwandpräsenz zu bestehen beinahe mehr als die eigentliche Geschichte des Peter Appleton.

    Womit wir beim nächsten Punkt angelangt wären, denn der arme Carrey wird nur schwerlich selbst von seiner Leistung überzeugt gewesen sein. Die Geschichte von „The Majestic“ ist interessant, wird jedoch leider gänzlich losgelöst vom eigentlichen Setting erzählt. Darabonts Film fokussiert - der unwissende Zuschauer könnte auf diese törichte Idee kommen - nämlich nicht die politischen Hintergründe der McCarthy-Ära und auch die damit verbundene Einschränkung der geistigen Freiheit spielt nur eine schwer untergeordnete Rolle. Vielmehr zeigt der Film in schönen Bildern, wie sich Peter als zurückgekehrter Luke eine neue Existenz in Lawson aufbaut. Und das, obwohl der Film mit der Besprechung zwischen den Verantwortlichen für Peters Film „Ashes To Ashes“ so vielversprechend beginnt, in welcher der Auto keine andere Wahl hat, als platte Änderungen am Script stupide abzunicken.

    Doch analog zu Peters Amnesie scheint eben auch Darabont vergessen zu haben, worum es ihm bei diesem Film nach eigenen Aussagen in diversen Interviews eigentlich ging. Plötzlich ist das Motiv der Freiheit verschwunden und der Darstellung einer durch den Krieg traumatisierten amerikanischen Kleinstadt gewichen. Bevor jetzt jedoch vielerorts die Alarmsirenen schrillen: Der Film artet in keinen patriotischen Kleinkrieg aus; angesichts der McCarthy-Thematik kann er sich das auch überhaupt nicht leisten und zumindest dies behielten Darabont und sein Drehbuchautor Michael Sloane im Hinterkopf.

    Schließlich wirkt es aber doch störend, wenn der Zuschauer eine im Idealfall kritische Auseinandersetzung mit den politischen Verhältnissen erwartet, dann aber ein nettes Kleinod über eine nette Kleinstadt geboten bekommt. Da trifft Peter auf Lukes alte Flamme Adele Stanton (Laurie Holden), alte Rivalen und noch viele andere. Da tun sich Gemeinsamkeiten zwischen Peter und Luke auf und Lücken klaffen. Und an eben diesen Lücken knüpft Darabont schließlich wieder an und schlägt den Bogen zurück zur Kommunistenverfolgung. Er wägt den nationalistischen Luke, der bereit war, für seine Überzeugungen zu sterben, gegen den enttäuschten Peter ab, der seinerseits bereit ist, dem Ausschuss genau das zu erzählen, was von ihm erwartet wird; egal, ob Wahrheit oder Lüge. Dies alles wirkt zu plakativ und damit ähnlich gekünstelt wie die Tatsache, dass Adele offenbar jeglichen Kontakt zum männlichen Geschlecht gemieden hat, seitdem Luke verschwunden war (immerhin neuneinhalb Jahre), denn anders ist es kaum zu erklären, dass die schöne Blonde nicht liiert ist. Wenn Peter dann schlussendlich vor dem Ausschuss sitzt und sich erklären muss, verliert sich das Script in einem realitätsfremden „Heile Welt“-Bild.

    Sieht man vom zerhackstückelten politischen Hintergrund einmal ab, so bietet „The Majestic“ eine schöne Geschichte; ein Märchen, das den Zuschauer durch seine begnadete Erzählweise in den Bann zieht und in dem kleinen Küstenstädtchen Lawson aufgehen lässt. Darabont legte sehr viel wert auf eine adäquate Umsetzung und so nimmt man sowohl den Kulissen als auch den Schauspielern die Herkunft aus den 50er Jahren sofort ab; allen voran das „The Majestic“ ist wunderschön gestaltet. Ebenfalls ein kleines Highlight ist „Armee der Finsternis“-Star Bruce Campbell, der in Peters B-Movie „Sand Pirates Of The Sahara“ die Hauptrolle spielen darf. Drehbuchautor Michael Sloane hätte beim Schreiben des Drehbuchs zu „The Majestic“ eigentlich merken müssen, dass er auf halber Strecke den politischen Hintergrund verloren hat. Nach einer interessanten, amüsanten und schön erzählten Episode über einen Mann, der nicht weiß, wer er ist, muss Sloane dann schließlich wohl oder übel den Bogen zum Ausgangspunkt schlagen und verliert sich dabei in viel hohlem Geschwafel über Grundrechte und Freiheit. Jim Carrey tut sein Übriges, der Geschichte jegliche grundlegende Ernsthaftigkeit zu nehmen. Lässt man das McCarthy-Thema jedoch außen vor, bietet der Film 152 Minuten gute jedoch kurzweilige Unterhaltung.

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