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    Monsieur Claude und sein großes Fest
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Monsieur Claude und sein großes Fest

    Zumindest der E-Zigaretten-Gag ist pures Comedy-Gold

    Von Jörg Brandes
    2014 gelang Philippe de Chauveron mit seiner Multikulti-Komödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ ein Megaerfolg. Das launige Spiel mit ethnischen Klischees und kulturellen Vorurteilen traf offenbar einen Nerv. In Frankreich wurden 12,3 Millionen Kinotickets verkauft, bei uns waren es ebenfalls beachtliche 3,9 Millionen. Zwar ging das weltweite Einspielergebnis von 176 Millionen Dollar beim unvermeidlichen „Monsieur Claude 2“ um etwa die Hälfte zurück. Aber es war immer noch hoch genug, um einen dritten Teil folgen zu lassen. Für „Monsieur Claude und sein großes Fest“ wurde das ohnehin umfangreiche Figurenarsenal nun noch mal um sieben weitere Charaktere aufgestockt. Die Quote der zündenden Gags hat das allerdings nicht erhöht. Stattdessen hat sich das Spiel mit den Klischees inzwischen ziemlich totgelaufen.

    Wenn er durch seinen Heimatort Chinon streift, versucht Claude Verneuil (Christian Clavier) dem Juden David (Ary Abittan), dem Muslim Rachid (Medi Sadoun), dem chinesisch-stämmigen Chao (Frédéric Chau) und dem Afrikaner Charles (Noom Diawara) so gut es geht auszuweichen. Denn noch immer hat sich der katholisch-konservative Monsieur nicht so recht mit seinen vier Schwiegersöhnen arrangiert. Anders als seine Frau Marie (Chantal Lauby), mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist. Um die anstehende Rubinhochzeit will Claude kein großes Aufhebens machen. Ihm schwebt allenfalls ein Dinner zu zweit vor. Doch da hat er die Rechnung ohne seine Töchter Odile (Alice David), Isabelle (Frédérique Bel), Ségolène (Émilie Caen) und Laure (Élodie Fontan) gemacht. Die planen eine größere Überraschungsparty und laden dazu all ihre Schwiegereltern ein. Da ist Ungemach vorprogrammiert…

    Nach drei Filmen und 40 Ehejahren ist es kein Geheimnis mehr, wer in Beziehung von Claude (Christian Clavier) und Marie (Chantal Lauby) wirklich die Hosen anhat…


    Mit der erneuten Erweiterung seines Ensembles erweist sich Regisseur und Autor Philippe de Chauveron selbst einen Bärendienst. Denn die Einführung weiterer Charaktere führt auch unweigerlich zu einer weiteren Zerfaserung der Handlung. Was durchaus zu verschmerzen wäre. Schließlich leben Ensemblekomödien nicht unbedingt von einer stringent erzählten Story. Doch leider taugen die „Neuen“ auch als Gag-Lieferanten nur bedingt.

    Davids Eltern Isaac (Daniel Russo) und Sarah (Nanou Garcia) streiten sich nur unaufhörlich, Rachids rockmusizierender Vater Mohamed (Abbes Zahmani) wird fast zur reinen Witzfigur degradiert. Und geradezu ärgerlich ist der Umgang mit dem übermäßigen Alkoholkonsum von Chaos Mutter Xhu (Li Heling), der nicht weiter vertieft wird, sondern nur für schale Scherze herhalten muss. Neben den Genannten sowie Farida Ouchani als Rachids Mutter Moktaria und Bing Yin als Chaos Vater Dhong ist Jochen Hägele als deutscher Kunstsammler Helmut Schäfer der siebte im Bund der Neulinge. Hägele ist in seinem recht durchsichtig angelegten Part schärfer auf Ségolène als auf ihre morbiden Bilder – und treibt damit sehr zur Freude von Monsieur Claude einen Keil zwischen sie und ihren Mann Chao.

    Ein Schwarzer Jesus


    Charles’ ewig besserwisserischer Vater André (Pascal N’Zonzi) und dessen Gattin Madeleine (Salimata Kamate) sind indes bereits aus den beiden Vorgängerfilmen vertraut. Diesmal weckt das Paar aus der Elfenbeinküste, das sich bereits vor den Planungen zur Rubinhochzeitsfeier zu einem Besuch unbestimmter Dauer angekündigt hatte, Ängste in Claude, es könnte sich in seiner Nähe niederlassen wollen. Pascal N’Zonzi ist es denn auch, der sich neben Hauptdarsteller Christian Clavier komödiantisch noch am schärfsten profilieren kann. Wichtige Rollen spielen freilich auch die beiden Frauen an ihrer Seite. Denn eigentlich haben sie in ihren Ehen die Hosen an. Hätten sie nicht das Sagen, würde die Familie wohl auseinanderfliegen.

    Der erwartete große Culture Clash bleibt weitgehend aus. Weil ausgerechnet der Schwarze George zu Claudes Verwunderung in einem Theaterstück Jesus Christus geben soll, flammt das alte Spiel mit Klischees und Vorurteilen aber trotzdem noch einmal auf. Aber das war schon in Teil zwei ziemlich ausgereizt. Einen Ersatz dafür hat de Chauveron bislang nicht wirklich gefunden. Falls etwa mit Ségolènes gewöhnungsbedürftigen Eingeweide-Bildern („Was haben wir falsch gemacht, damit sie sowas Scheußliches malt, Marie?“) der Kunstbetrieb auf die Schippe genommen werden sollte, ist die Schippe doch recht klein ausgefallen.

    Mit der Besetzung von André (Pascal N’Zonzi) als Schwarzer Jesus gibt es auch diesmal wieder Culture-Clash-Potenzial.


    Der Rest ist mehr oder weniger Klamauk. Ob es um einen ausartenden Nachbarschaftszwist zwischen David und Rachid geht oder darum, welches Gastpaar die aufblasbare Jurte im Garten der Verneuils beziehen soll: Wirklich Zündendes ist de Chauveron nicht eingefallen. Zumindest hin und wieder kommt der Film trotzdem über Schmunzel-Niveau hinaus. Etwa in der Szene, in der David seine Eltern einmal einträchtig beieinander sieht und darüber so verblüfft ist, dass er seine E-Zigarette aus alter Rauchergewohnheit auf den Boden wirft und auszutreten versucht. Selten so gelacht im bisherigen Kinojahr.

    Fazit: Die Familiensaga um die Verneuils ging nach dem etwas enttäuschenden zweiten Teil bereits ein wenig angeschlagen in die dritte Runde. Der endgültige K.O. bleibt auch diesmal aus, obwohl der im Originalfilm bissig-schmissige Umgang mit ethnischen Stereotypen weitestgehend harmlosem Klamauk gewichen ist. Was bleibt ist eine leidlich amüsante Multikulti-Familienkomödie – nicht mehr und nicht weniger.

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