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    Einfach mal was Schönes
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Einfach mal was Schönes

    Vollgekotzt vorm Märchenschloss

    Von Christoph Petersen
    Mit herausragenden 1,66 Millionen Zuschauer*innen für „Wunderschön“ hat Karoline Herfurth erst vor wenigen Monaten einen Leinwandhit gelandet – und zwar einen, der auch durch eine überragende Mundpropaganda zustande gekommen ist. Das lässt sich schon daran ablesen, wie lange sich die Ensemble-Tragikomödie in der Spitzenregion der Kinocharts halten konnte. Nur ein gutes halbes Jahr später gibt es mit „Einfach mal was Schönes“ nun direkt Nachschub – und der Titel, das Poster und der Trailer deuteten allesamt an, dass Herfurth es mit ihrer Künstliche-Befruchtung-Vs.-große-Liebe-Komödie nach dem erfreulich ambitionierten „Wunderschön“ diesmal womöglich etwas lockerer angehen lässt. Einfach mal was Schönes für zwischendurch halt …

    … aber Pustekuchen! Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Herfurth noch vor ein paar Jahren mit ihrem Regiedebüt „SMS für dich“ selbst die beste deutsche romantische Komödie seit Ewigkeiten abgeliefert hat. Mit „Einfach mal was Schönes“ entlarvt sie das Genre nun nämlich als lebensfremden Quatsch – nur um im selben Moment über einem offenbar direkt aus dem Disney-Vorspann entliehenen Märchenschloss ein hochromantisches Feuerwerk emporsteigen zu lassen. Herfurths vierte Regiearbeit ist eine Absage und eine Liebeserklärung an das Genre zugleich – ein schmaler Grat, auf dem es auch mal ein bisschen rumpelig zugeht, bei dem man am Schluss aber glücklich das Kino verlässt, selbst wenn sich die Probleme nicht wie gewohnt allesamt in den letzten 15 Minuten wie von Geisterhand in Luft auflösen.

    In der Beschreibung der Beziehung von Karla (Karoline Herfurth) und ihrer alkoholkranken Mutter (Ulrike Kriener) ist „Einfach mal was Schönes“ geradezu schmerzhaft ehrlich.


    Karla (Karoline Herfurth) ist 39, Single und Moderatorin einer nächtlichen Radiosendung, die sowieso so gut wie niemand hört. Als sie bei der Hochzeit ihres Vaters Robert (Herbert Knaup) ihren Ex mit einer schwangeren Frau erspäht, fängt es auch bei ihr im Kopf an zu ticken. Karla will auch ein Kind, möchte und kann aber nicht mehr warten – also soll es eine Co-Elternschaft oder notfalls auch eine künstliche Befruchtung sein. Aber ist wirklich gerade der richtige Moment, um eine (alleinerziehende) Mutter zu werden?

    Schließlich muss sich Karla auch noch um ihre alkoholkranke Mutter Marion (Ulrike Kriener) kümmern – und ihre Schwestern Jule (Nora Tschirner), die den Vater ihrer drei Kinder betrügt, und Johanna (Milena Tscharntke), die gerade mitten in den Vorbereitungen für ihre Traumhochzeit mit einer Profi-Fußballerin steckt, sind nun auch nicht gerade pflegeleicht. Und dann ist da zu allem Überfluss auch noch dieser supersüße Krankenpfleger Ole (Aaron Altaras) – der ist nur dummerweise erst 28 und deshalb nicht so erpicht darauf, direkt nach dem ersten Date ein gemeinsames Kind zu bekommen…

    Es darf ruhig auch mal wehtun


    „Einfach mal was Schönes“ beginnt mit einer Trennung – und wenn Karla ihrem Typen, für den sie sogar gerade erst ein Kind abgetrieben hat, verzweifelt auf den Rücken springt, um ihn vom Gehen abzuhalten, dann fehlt eigentlich nur noch die Eiscreme-Fressanfall-Collage. Auch die Schnelldurchläufe der Treffen mit potenziellen Rebound-Dates und Co-Elternschafts-Kandidaten, die sich in Sachen skurriler Totalausfall gegenseitig konsequent überbieten, sind typische RomCom-Elemente, bei denen Herfurth das Rad nun wahrlich nicht neu erfindet. Aber man merkt schon hier, dass in „Einfach mal was Schönes“ irgendwas anders ist:

    Wenn Karlas Mutter volltrunken die Hochzeit des Vaters mit seiner neuen Frau crasht, dann ist das längst nicht so witzig, wie man es eigentlich erwarten würde – sondern cringe bis zum Geht-nicht-mehr und tatsächlich ziemlich schmerzhaft. Kurz fragt man sich, ob sich Herfurth hier tatsächlich dermaßen im Ton vergriffen haben sollte – nur um dann zu realisieren, dass das der schmale, rutschige Balken ist, auf dem sie hier balanciert. Das fängt mit kleinen Entscheidungen an wie der, dass Nora Tschirners Haare weder perfekt gestylt noch süß auf wild hergerichtet sind, sondern einfach normal aussehen, was in einer solchen Hochglanzproduktion aber natürlich sofort auffällt – und weniger gegen die Frisur als vielmehr gegen die Gepflogenheiten des Genres spricht.

    Die RomCom-Lovestory zwischen Karla und Ole (Aaron Altaras) ist in Wahrheit nur ein Nebenkriegsschauplatz des Films – aber dank der überragenden Chemie der Schauspieler*innen macht das gar nichts.


    Aber vor allem ist es der Umstand, dass „Einfach mal was Schönes“ als (romantische) Komödie echte Schmerzen zulässt - so auch in der stärksten Szene des Films: einer Fehlgeburt auf der Schultoilette mit so viel Blut, wie da nun mal hingehört, die schließlich in einem mitreißenden Beispiel schwesterlicher Solidarität kulminiert. Sowieso ist der Kinderkriegen-in-letzter-Sekunde-und-sich-dummerweise-genau-dann-in-einen-jungen-Typen-verknallen-Plot wohl eher der Drei-Minuten-Pitch für die Studioverantwortlichen und später den Trailer: Karoline Herfurth und Aaron Altaras haben erstaunlich wenige Szenen miteinander – aber dafür zum Glück eine überragende Chemie, weshalb es auch gar nicht mehr braucht, um sich das Märchen-Happy-End (wenn auch mit einem Kleid voll Kinderkotze) für die beiden herbeizuwünschen.

    Tatsächlich im Zentrum steht aber vielmehr eine Generationengeschichte samt Abnabelungsprozess, bei dem sich eben nicht einfach alles in Wohlgefallen auflöst, sondern Herfurth erstaunlich konsequent, hart und ehrlich bleibt. Happy Ends gäbe es eben nur im Kino, sagt Karla einmal zu Ole – und „Einfach mal was Schönes“ ist genau so ein Kinofilm samt Ponykutsche, Märchenschloss und Feuerwerk, aber eben nur zur Hälfte. Man könnte das böswillig als Unentschlossenheit auslegen. Aber man spürt einfach, dass das alles schon sehr bewusst geschieht – und so wird daraus in den fähigen Händen der Regisseurin eine nicht 100-prozentig runde, aber dafür immer aufregende, berührende und ja, manchmal auch urkomische Kinoerfahrung.

    Fazit: „Einfach mal was Schönes“ ist weder „einfach“ noch „nur schön“ – und gerade deshalb nach „Wunderschön“ der zweite Kino-Volltreffer für Karoline Herfurth innerhalb weniger Monate.

     

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