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    Eraser: Reborn
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Eraser: Reborn

    Das lange Warten auf das CGI-Nashorn

    Von Christoph Petersen
    Wenn man an die Karriere von Arnold Schwarzenegger in den 1990ern zurückdenkt, dann fallen einem wahrscheinlich als erstes die ikonischen Klassiker „Terminator 2“ und „True Lies“ oder die legendären Fehlschläge „Last Action Hero“ und „Batman & Robin“ ein. Aber auch wenn die Erinnerung an den 1996 erschienenen „Eraser“ inzwischen ein wenig verblasst ist, war der Action-Thriller über einen Zeugenschutz-Spezialisten, der die komplette Existenz seiner Klient*innen auslöscht (= „erased“), um so für ihre Sicherheit zu garantieren, damals ein beachtlicher Erfolg. Allein in Deutschland standen am Ende mehr als zwei Millionen Kinobesucher*innen zu Buche.

    Trotz des starken Einspielergebnisses war es dann aber doch eine ziemliche Überraschung, als im September 2021 mit 25-jähriger Verspätung plötzlich ein bereits heimlich abgedrehtes „Eraser“-Sequel angekündigt wurde – zumal „Eraser: Reborn“ in Deutschland nicht etwa direkt als VoD-Angebot erscheint, sondern bereits wenige Monate später in den deutschen Kinos startet. Aber ein Blick auf die Filmographie des Regisseurs John Pogue hätte einem schon damals deutliche Hinweise darauf geben können, wo die Reise wirklich hingeht. Schließlich hat dieser mit „Quarantäne 2: Terminal“ und „Deep Blue Sea 3“ bereits zwei weitere generische Heimkino-Fortsetzungen verantwortet.

    Mason Pollard (Dominic Sherwood) ist als Eraser darauf geschult, die komplette Identität seiner Schutzpersonen auszulöschen.


    U.S. Marshal Mason Pollard (Dominic Sherwood) und sein Kollege Paul Whitlock (McKinley Belcher III) sind auf hochkarätige Personenschutz-Fälle spezialisiert, bei denen sie öfter auch mal den Tod der eigenen Klient*innen vortäuschen, damit die Gangster gar nicht erst auf die Idee kommen, vor Prozessbeginn noch weiter Jagd auf die potenziellen Zeug*innen zu machen. Aber dann geht etwas ganz gehörig schief. Offenbar gibt es Verräter in den eigenen Reihen – und so ist Mason mit seiner aktuellen Schutzperson (Jacky Lai) in Westkap in Südafrika plötzlich ganz auf sich allein gestellt...

    Das gleich vorweg: Nein, John Pogue wurde nicht vom VoD-Sequel-Lieferant zum veritablen Actionkino-Regisseur befördert. Stattdessen erscheint „Eraser: Reborn“ in den USA standesgemäß direkt auf DVD & Blu-ray – und es ist auch nicht ganz klar, warum der offensichtlich als Heimkino-Sequel konzeptionierte und vor allem budgetierte Film ausgerechnet in Deutschland einen Kinostart erhält. Aber so versteht man zumindest, warum die US-Behörden in „Eraser: Reborn“ ihre wichtigsten Zeug*innen ausgerechnet in wenig vertrauenerweckenden Vierteln in Westkap verstecken. Das geschieht nämlich ganz bestimmt nicht, weil sie dort sicherer wären, sondern weil die Produktionskosten in Südafrika einfach sehr viel niedriger sind als in den Vereinigten Staaten.

    Viel wichtiger als die Explosionen: In dem rostigen Container verbirgt sich das absolute Highlight des Films!


    Doch Sinn ergibt in diesem generischen Action-Thriller ohnehin nur wenig. Die Pläne der Verräter, die selbst genreunerfahrene Zuschauer*innen in den ersten zehn Minuten identifiziert haben dürften, sind der totale Humbug – und werden trotzdem in unnötig langen, schmerzhaft hölzernen Dialogen ausgebreitet. Dabei trifft das unkontrolliert-übertriebene Spiel von McKinley Belcher III („Ozark“) auf das absolute Charme-Vakuum von Schwarzenegger-Ersatz Dominic Sherwood („Shadowhunters“) – kein schöner Anblick. Zumal einem da auch die meist nur kurzen und weder sonderlich einfallsreichen noch spektakulären Action-Einschübe nachhaltig Linderung verschaffen.

    „Eraser“ ist vor allem für zwei Dinge bekannt – die Railguns der Bösewichte und die Action-Szene im Zoo von New York, wo Arnie seinen Verfolgern eine Herde freigelassener Alligatoren auf den Hals hetzt. In „Eraser: Reborn“ gibt es nun zwar keine experimentellen Sci-Fi-Waffen – aber zumindest wurde ein (natürlich Null Sinn ergebender) Subplot um einen Tierschmugglerring hinzuerfunden! So gibt es immerhin den Auftritt eines Killer-Flusspferds, das sich selbst offensichtlich für einen Alligator hält. Und wenn gen Ende dann auch noch ein wütendes Nashorn in seinem Schiffscontainer auftaucht, wartet man den Rest des Showdowns hindurch eh nur darauf, dass sich endlich die Tür öffnet...

    Fazit: „Eraser“ zählt ganz sicher nicht zu den Höhepunkten in der Filmographie von Arnold Schwarzenegger – aber eine so lieblose und spannungsfreie Fortsetzung wie „Eraser: Reborn“ hat er trotzdem nicht verdient. So bleibt nur das geduldige Warten auf den leider viel zu kurzen, aber angemessen mies animierten Auftritt des mega-angepissten CGI-Nashorns!

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