Five Nights At Freddy’s 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Five Nights At Freddy’s 2

Gruselkino mit Stützrädern

Von Christoph Petersen

Die US-Filmbewertungsstelle findet Nacktheit und Flüche zwar ganz schlimm, drückt dafür in Sachen Grusel und Gewalt aber gern mal ein Auge zu. Damit ist die MPAA so ziemlich das genaue Gegenteil der FSK, was immer wieder zu – zumindest aus deutscher Sicht – absurden Ergebnissen führt: So ist das vierfach oscarprämierte Drama „The King’s Speech“ (FSK: ab 0 Jahren) in den USA nur wegen ein paar gestotterter Schimpfwörter erst für Erwachsene freigegeben. Auch im Fall der „Five Nights At Freddy’s“-Videospielverfilmungen führen die unterschiedlichen Bewertungskriterien zu einem paradoxen Ergebnis: Die PG-13-Produktionen sind mit ihrer betont blutarmen Inszenierung nämlich explizit auf den Horrornachwuchs zwischen 10 und 14 Jahren ausgelegt …

… und sind bei diesem auch unfassbar erfolgreich: Obwohl in den USA am selben Tag im Kino und im Streaming-Abo erschienen, brachte es „Five Nights At Freddy’s“ auf ein Einspielergebnis von mehr als 80 Millionen Dollar allein am ersten Wochenende. Der beste Start eines Horrorfilms im gesamten Jahr 2023 – und gerade angesichts des schmalen 20-Millionen-Dollar-Budgets ein rundherum gigantischer Erfolg. In Deutschland hingegen ist jetzt auch die erneut von Regisseurin Emma Tammi inszenierte Fortsetzung „Five Nights At Freddy’s 2“ wieder erst ab 16 Jahren freigegeben. Damit dürfen die einzigen, die sich trotz der ausgestellten Harmlosigkeit des Pizzaketten-Maskottchen-Horrors womöglich wirklich gruseln würden, dummerweise gar nicht erst ins Kino.

Mike (Josh Hutcherson), seine jüngere Schwester Abby (Piper Rubio) sowie die Polizistin Vanessa (Elizabeth Lail) sind eigentlich noch damit beschäftigt, sich von den Schrecken des ersten Teils zu erholen… Universal Pictures
Mike (Josh Hutcherson), seine jüngere Schwester Abby (Piper Rubio) sowie die Polizistin Vanessa (Elizabeth Lail) sind eigentlich noch damit beschäftigt, sich von den Schrecken des ersten Teils zu erholen…

Ein Jahr nach den Geschehnissen des ersten Teils haben sich die tödlichen Vorkommnisse im stillgelegten Restaurant Freddy Fazbear’s Pizza zu einer lokalen Legende entwickelt. Anlässlich des einjährigen Jubiläums soll sogar ein großes Fazfest stattfinden – mit Buden und Kostümen. Aber ist der animatronische Schrecken wirklich vorbei? Schließlich will nicht nur die elfjährige Abby (Piper Rubio) ihre stillgelegten „Freunde“ Freddy, Bonnie, Chica und Foxy unbedingt wiederbeleben. Die Spektrale-Phänomene-YouTuberin Lisa (Mckenna Grace) steigt gemeinsam mit ihrer Crew parallel auch in der allerersten Fazbear’s-Filiale ein – und beschwört damit eine ganz besonders rachsüchtige Marionette herauf…

Ganz am Schluss gibt’s eine große Überraschung (oder auch nicht)

Ganz zu Beginn selbst vor den obligatorischen Logos der produzierenden Filmstudios taucht noch einmal William Afton (Matthew Lillard) auf, dessen malträtierter Körper im Finale des Vorgängers von den Animatronics zur weiteren Verarbeitung in ein Hinterzimmer der Pizzeria geschleift wurde (gezeigt werden kann wegen des PG-13-Ratings ja leider eh nichts, dafür müssen Figuren grundsätzlich erst außer Sichtweite des Publikums geschafft werden). Mit angemessenem Wahnsinn fordert der bereits besiegte Psychokiller und Kindermörder dazu auf, unbedingt bis ganz zum Schluss sitzen zu bleiben, denn dann gäbe es noch mal eine große Überraschung.

Aber falls er sich damit auf die Mid- und Post-Credit-Szene bezieht, wäre das wirklich eine maßlose Übertreibung. Denn die beiden nachgereichten Sequenzen versprechen vor allem, dass „Five Nights At Freddy’s 3“ noch einmal genauso werden wird wie „Five Nights At Freddy’s 2“ – und das klingt nach 105 strunzlangweiligen Minuten dann doch eher nach einem Klumpen Kohle im Strumpf. Dabei wurde das Budget für das Sequel nach dem Riesenerfolg des Vorgängers mehr als verdoppelt – und das sieht man gerade den animatronischen Puppen, die nicht nur zahlreicher, sondern auch vielseitiger agieren, definitiv an. Da stecken mit den Effektkünstler*innen von Jim Hensons Creature Shop schließlich auch die Muppets-Masterminds dahinter.

Die animatronischen Figuren sind das größte Pfund des Films – kommen aber auch im zweiten Teil längst nicht so oft vor, wie man es sich wünschen würde. Universal Pictures
Die animatronischen Figuren sind das größte Pfund des Films – kommen aber auch im zweiten Teil längst nicht so oft vor, wie man es sich wünschen würde.

Aber das Skript stammt auch diesmal wieder von Scott Cawthon – und dessen zentrale Beteiligung entwickelt sich immer mehr zum Problem: Zweifelsohne hat der Spieleentwickler einen Megaerfolg damit gelandet, in den „Five Nights“-Games mit eingestreuten Easter Eggs eine umfassende Mythologie lediglich anzudeuten, die dann von den Spielenden selbst aus den einzelnen Fragmenten in umfassenden Foren-Threads und Game Wikis zusammengesetzt wurde. Aber in seiner Zweitkarriere scheitert er nun katastrophal daran, eine zumindest einigermaßen kohärente Filmgeschichte zu erzählen – die Sprünge zwischen den Szenen wirken wirr, Spannung kommt nie auf, der Humor ist allenfalls unfreiwillig komisch.

Zudem sprechen die menschlichen Charaktere grundsätzlich auf eine Weise miteinander, die sie sogar noch roboterartiger als die Animatronic-Puppen wirken lässt: Wenn der Nachwächter Mike (Josh Hutcherson) und die Polizistin Vanessa (Elizabeth Lail) über ihre Traumata diskutieren, sind die Dialoge der pure Cringe – und damit sogar noch schwerer erträglich als die hingerotzten Expositions-Brocken, die der Horror-Kultstar Skeet Ulrich in einer Mini-Nebenrolle beisteuern darf, bevor er seinem Gast noch vollkommen motivationslos einen wichtigen Quest-Gegenstand mit auf den Weg gibt (einer der wenigen, aber dafür besonders lauten Lacher im Kinosaal).

Jump Scares zum Achselzucken

Schon im ersten Teil waren wirkliche Schocks Fehlanzeige. Stattdessen gab es Jump Scares der mildesten Sorte, bei denen das Hauptanliegen offenbar darin bestand, nur niemanden unnötig zu erschrecken. In der Fortsetzung flacht das Spannungsniveau jetzt sogar noch weiter ab: Das liegt zum einen an der noch zusammenhangloseren Erzählung – zugleich aber auch daran, dass diesmal mehr Spielmechaniken aus den Games direkt in die Filmhandlung übernommen werden. Das ist zwar gerade für Fans an sich ’ne super Sache und kann ja auch gut funktionieren, wie wir zuletzt etwa bei „Der Super Mario Bros. Film“ und „Ein Minecraft Film“ gesehen haben.

Aber die Art, wie Mike zurück an den Pizzeria-Überwachungs-Schreibtisch verbannt wird, wirkt vor allem unbeholfen forciert. Wenn er jedes Mal einfach ein Animatronic-Gesichtsteil hochhält, sobald ihm eines der Pizzeria-Maskottchen zu nah kommt, entspricht das zwar der zentralen Verteidigungsstrategie im zweiten Videospiel (nur nicht einsetzbar bei Foxy und der Marionette), ist aber auf der Kinoleinwand wenig Suspense-fördernd. Und wenn das so toll designte Freddy-Animatronic mit stampfenden Schritten in Richtung des gut besuchten Stadtfestes losstampft, dann … passiert natürlich auch wieder rein gar nichts, sonst könnte ja womöglich jemand nach dem Kinobesuch schlecht schlafen.

Fazit: Der erste „Five Nights At Freddy’s“-Film hat schon schwer enttäuscht, aber der zweite Teil ist – trotz der sogar noch tolleren und vielfältigeren Animatronic-Modelle – endgültig nur noch schnarchnasig, wirr und unfreiwillig komisch.

PS: Ich verrate jetzt aus Spoiler-Gründen nicht, warum es für Horrorfans meiner Generation ein solches Ereignis ist, dass Matthew Lillard und Skeet Ulrich im selben Film mitspielen – und warum ich so enttäuscht bin, dass sich die beiden niemals tatsächlich die Leinwand teilen. Doch immerhin besteht die Hoffnung, dass junge Kinogänger*innen „Five Nights At Freddys“ als Horror-Einstiegsdroge nehmen – um dann in ein paar Jahren möglichst auch zu solchen Meisterwerken wie diesem hier vorzustoßen.

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