Mein Konto
    Heute Abend streamen: Diesen bildgewaltigen Kriegsfilm von Steven Spielberg müsst ihr gesehen haben – intensiv, berührend & völlig unterschätzt!
    Michael Bendix
    Michael Bendix
    -Redakteur
    Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

    Klar, „Der Soldat James Ryan“ ist ein absoluter Kriegsfilm-Meilenstein. Doch auch einen anderen Weltkriegsfilm von Steven Spielberg solltet ihr unbedingt gesehen haben.

    Wer Steven Spielbergs bis dato letzten Film – das autobiografische Drama „Die Fabelmans“ – gesehen hat, erinnert sich mit Sicherheit an die Schlussszene. Darin trifft Spielbergs filmisches Alter Ego Sammy (Gabriel LaBelle) auf den von David Lynch als kettenrauchenden Grantler gespielten Meisterregisseur John Ford, der ihm einen guten Rat mit auf den Weg gibt, bevor er ihn aus seinem Büro wirft: „Wenn der Horizont unten ist, ist es interessant. Wenn der Horizont oben ist, ist es interessant. Wenn der Horizont in der Mitte ist, ist es verdammt langweilig.“

    Spielberg hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er John Ford zu seinen größten Regie-Vorbildern zählt – und wenn man darauf achtet, hat er die Lehren des vor allem für Western wie „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ bekannten Filmemachers akribisch befolgt. Doch in kaum einem seiner Werke steckt so viel John Ford wie in Gefährten“ (2011): Das bildgewaltige Erster-Weltkriegs-Epos konnte zwar sechs Oscar-Nominierungen abgreifen, geht zwischen Spielbergs Klassikern aber bis heute ein bisschen unter – zu Unrecht!

    Wenn ihr den Film noch nicht kennt, habt ihr die Möglichkeit, ihn für kleines Geld als VoD bei Amazon Prime Video zu leihen oder zu kaufen:

    Das ist "Gefährten"

    Nicht nur John Ford, auch ein französischer Film aus dem Jahr 1966 stand Pate bei „Gefährten“: „Zum Beispiel Balthasar“. Darin lädt Regisseur Robert Bresson das gesamte Leid der Menschheit auf den Rücken eines kleinen Esels, dem wir von Station zu Station, von Besitzer zu Besitzer folgen. In „War Horse“, so der Originaltitel des Spielberg-Films, ist es ein Pferd, das sich seinen Weg durch die Wirren des Ersten Weltkriegs bahnt:

    Der Farmerssohn Albert Narracott (Jeremy Irvine) und das Halbblut Joey sind unzertrennlich, doch dann ziehen dunkle Wolken über dem Bauernhof auf – erst wortwörtlich, schließlich im übertragenen Sinne: Nachdem ein Unwetter das Feld überschwemmt und die Narracotts um ihre Ernte gebracht hat, tritt Großbritannien in den Krieg ein. In seiner Not verkauft Familienoberhaupt Ted (Peter Mullan) seinen Sohn ans Militär, während Joey als Kriegspferd an Captain James Nicholls (Tom Hiddleston) geht, der verspricht, es nach Kriegsende an Albert zurückzugeben.

    Doch der Krieg hat andere Pläne: Bei einem Gefecht in Frankreich flüchtet Joey in den Wald und wird von deutschen Soldaten eingefangen. Das ist nur der Beginn einer regelrechten Odyssee sowohl für das Pferd als auch seinen Besitzer: Während Albert an der Front kämpft, findet Joey vorübergehend Unterschlupf in einem kleinen Dorf in Frankreich, muss als Lastpferd für die deutsche Armee aber auch höllische Qualen erleiden. Werden die beiden sich je wiederfinden?

    Mit einem Einspielergebnis von 177,6 Millionen US-Dollar (bei einem Budget von rund 70 Millionen) war „Gefährten“ kein Flop, zählt aber auch nicht zu den großen Hits in Spielbergs Karriere. Auch die Kritiken fielen seinerzeit zwar überwiegend positiv, insgesamt aber vergleichsweise verhalten aus. Die mit 4,5 von 5 Sternen ziemlich euphorische FILMSTARTS-Kritik gibt aber einen Hinweis darauf, dass „Gefährten“ ein Film ist, der dringend wiederentdeckt gehört. Der Autor dieser Zeilen schätzt ihn sogar mehr als „Der Soldat James Ryan“ (1998), der unter Spielbergs Kriegsfilmen noch immer wie ein Monolith herausragt.

    „Gefährten“ ist große Hollywood-Handwerkskunst, wie sie eben nur ein John Ford oder Steven Spielberg beherrschen. Zwar hat sich der „E.T.“-Regisseur dem uramerikanischen Genre nie direkt gewidmet, doch wenn die prächtigen Technicolor-Western von Ford in einem seiner Filme ihre Spuren hinterlassen haben, dann in „Gefährten“: Die Landschaften weiten sich im extremen Breitbild zu majestätischen Panoramen, und wenn – Achtung, Spoiler! – Albert am Ende des Films nach Hause reitet, er und seine Eltern vor einem glühenden Sonnenuntergang nurmehr als schwarze Silhouetten erkennbar sind, dann hallt mehr als nur ein Echo von „Der Teufelshauptmann“ oder „Der schwarze Falke“ durch den Film. Und natürlich befindet sich der Horizont am oberen Bildrand!

    Doch „Gefährten“ ist weit mehr als eine Sammelgrube für filmgeschichtliche Querverweise. Auch ohne Kenntnis der erwähnten Referenzwerke ist der in Nebenrollen u.a. mit Benedict Cumberbatch oder David Kross besetzte Film ungemein packend und bewegend, denn auch in Sachen ungefilterter Sentimentalität macht Spielberg keine Gefangenen: Die Szene, in der sich Joey inmitten des Schlachtgetümmels im Stacheldraht verfängt, woraufhin die verfeindeten Armeen den Kampf beenden, um das Pferd gemeinschaftlich zu befreien, mag man rettungslos naiv nennen – aber sie ist auch dermaßen ehrlich beseelt vom Glauben an das Gute (oder zumindest die Möglichkeit davon), dass man wohl kaum anders kann, als mindestens eine kleine Träne zu verdrücken.

    Im Kino noch ein totaler Flop: Der für mich beste Kriegsfilm 2023 erscheint heute endlich fürs Heimkino!

    *Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

    facebook Tweet
    Ähnliche Nachrichten
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top