Es kommt immer wieder mal vor, dass sich ein Filmemacher – oder wie im Fall von „Æon Flux“ eine Filmemacherin – mit einer besonderen Vision im Kopf in die Dreharbeiten stürzt, die aus verschiedensten Gründen (etwa weil das Studio dafür am Ende doch kein Go gibt) nie das Licht der Filmwelt erblickt. Neben Paul W.S. Andersons albtraumhafter Version von „Event Horizon“ ist auch „Æon Flux“ ein berühmtes Beispiel hierfür.
Denn in dem auf der gleichnamigen Zeichentrickserie aus den 90ern basierenden Science-Fiction-Film stecken nur noch Fragmente dessen, was sich Regisseurin Karyn Kusama („The Invitation“, „Yellowstone“) unter ihrer „Æon Flux“-Adaption vorstellte. Was am Ende dabei rum kam gibt es heute Abend im TV – genauer ab 21.50 Uhr bei Nitro – zu sehen.
Am Ende besteht „Æon Flux“ nicht nur aus Versatzstücken aus einigen der größten Meilensteine des Science-Fiction-Kinos, sondern bringt auch genügend eigene originelle Ideen an den Tisch. So richtig wie aus einem Guss wirkt der gerade in seinen Actionszenen aber immer wieder kreativ werdende Film am Ende jedoch nicht – und das hat durchaus gute Gründe…
"Æon Flux": Eine interessante Sci-Fi-Dystopie, die hinter ihren Möglichkeiten bleibt
Ein Virus hat 99 Prozent der Menschheit dahingerafft. Die letzten Überlebenden fristen ein abgeschottetes Dasein im totalitären Stadtstaat Bregna unter der Führung der Brüder Trevor (Marton Csokas) und Oren Goodchild (Jonny Lee Miller) – die es schon bald mit ihrer härtesten Widersacherin zu tun bekommen. Denn Aeon Flux (Charlize Theron) schwört nach dem Mord an ihrer Schwester Rache – und kommt so einer finsteren Wahrheit auf die Spur…
„Ein bisschen ‚Matrix‘ und ‚Die Insel‘ hier, eine Prise Jennifer-Garner-Elektra dort, dazu Elemente aus ‚Blade Runner‘ und ‚Das fünfte Element‘, Ideen von George Orwell und Aldous Huxley und fertig ist der futurische Action-Thriller“, heißt es unter anderem in der FILMSTARTS-Kritik zu „Æon Flux“ – und der Autor dieses Artikels würde sogar noch einen Schritt weitergehen.
Denn „Æon Flux“ ist mit jeder Faser auch unweigerlich ein Kind seiner Zeit – und erinnert mit seinem unterkühlt-artifiziellen Look etwa auch an die „Resident Evil“-Filme aus jener Zeit sowie natürlich auch an den Gun-Fu-Klassiker „Equilibrium“, mit dem er neben optischen Gemeinsamkeiten auch die totalitäre Zukunftsvision teilt.
Dass der Film am Ende auch ein wenig Frankenstein-mäßig zusammengeschustert wirkt, kommt dabei nicht von ungefähr. Die Original-Version von „Æon Flux“ wurde laut Regisseurin Karyn Kusama nach Fertigstellung des Films auf nur 71 (!) Minuten gekürzt und komplett neu geschnitten.
Jene Fassung fiel beim Testpublikum allerdings derart gnadenlos durch, sodass das Studio einen Entschluss fasste: Kusama wurde erneut an Bord geholt, um noch einmal Hand anzulegen – allerdings nicht, um ihre eigene, bereits abgedrehte Vision zu finalisieren, die übrigens knapp 30 Minuten länger ging.
Von der ursprünglichen Idee, den Film unter anderem auch wesentlich brutaler und freizügiger zu machen, wodurch dieser allerdings auch weniger massentauglich geworden wäre, gibt es heute leider fast nichts mehr zu sehen. „Fast“, weil im Original-Trailer durchaus einige Aufnahmen zu sehen sind, die es am Ende nicht in die veröffentlichte Filmfassung geschafft haben. Ob wir Kusamas Director's Cut von „Æon Flux“ jemals zu Gesicht bekommen werden, darf indes angezweifelt werden.
Ein Prunkstück des dystopischen Kinos und zugleich eine Comic-Adaption fernab der von Marvel und Co. festgesetzten Norm wird indes demnächst mit einer besonderen Neuauflage im Heimkino gewürdigt. Mehr dazu erfahrt ihr hier:
Sci-Fi-Dystopie trifft brachiale Action: Grandiose Comic-Verfilmung fernab von Marvel & Co. kommt als Limited Edition ins Heimkino*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.
Dieser Artikel basiert auf einem bereits auf FILMSTARTS erschienen Beitrag.