Seit über 50 Jahren gehört „Saturday Night Live“ (kurz SNL) zu den bekanntesten Comedy-Formaten im US-Fernsehen. Die wöchentliche Live-Show gilt als Sprungbrett für unzählige Comedians und Schauspieler*innen – von Bill Murray („Ghostbusters“) über Amy Poehler („Parks & Recreation“) bis hin zu „Happy Gilmore“-Star Adam Sandler. Direkt zum Start etablierte die Show Comedy-Größen wie Chevy Chase („Caddyshack“) und John Belushi („Blues Brothers“). Davon erzählt übrigens der Film „Saturday Night“ von „Juno“-Regisseur Jason Reitman:
Ein Witz sorgte dafür, dass Eddie Murphy "SNL" fast 30 Jahre (!) fern blieb
Auch Eddie Murphy startete hier Anfang der 1980er-Jahre seine Karriere – und wurde in kürzester Zeit zum Star. Zwischen 1980 und 1984 prägte Murphy die Sendung mit ikonischen Figuren wie Buckwheat oder Gumby. Seine Energie, sein Timing und seine Bühnenpräsenz retteten das damals schwächelnde Format regelrecht vor der Absetzung. Doch nach seinem Abgang wandte sich Murphy dem Kino zu und eroberte Hollywood im Sturm. Filme wie „Beverly Hills Cop“ (1984) oder „Der Prinz aus Zamunda“ (1988) machten ihn zu einem der erfolgreichsten Schauspieler seiner Zeit.
Mitte der 1990er-Jahre jedoch befand sich Murphys Karriere in einer schwierigen Phase. Mehrere Projekte enttäuschten an den Kinokassen: „Und wieder 48 Stunden“ (1990) blieb hinter dem Original zurück, „Boomerang“ (1992) spaltete die Kritik, „Beverly Hills Cop III“ (1994) beendete die Reihe vorerst ohne Glanz, und „Vampire in Brooklyn“ (1995) floppte komplett. In dieser Phase, in der Murphys Stern zu verblassen schien, kam ein Witz, der ihn nachhaltig treffen sollte – und zwar ausgerechnet aus seiner alten TV-Heimat.
David Spade („Tommy Boy“), von 1990 bis 1996 selbst Teil des SNL-Ensembles, hatte sich in seiner Rubrik „Hollywood Minute“ darauf spezialisiert, Prominente mit kurzen, pointierten Kommentaren aufs Korn zu nehmen. Als er ein Foto von Eddie Murphy zeigte, sagte er nur: „Hey, Kinder, schaut mal – ein fallender Stern!“ Ein harmloser Gag, könnte man denken – doch für Murphy war es ein Affront. Hier könnt ihr euch den extrem kurzen Witz (bei 2 Minuten und 45 Sekunden) selbst ansehen:
Für Murphy war es nicht bloß ein Witz – sondern Rassismus
In einem späteren Interview mit der New York Times erklärte Murphy, er habe sich zutiefst verletzt gefühlt: „Ich war der größte Star, der je aus dieser Show hervorgegangen ist. Ohne mich wäre sie vielleicht abgesetzt worden – und jetzt macht jemand aus dem eigenen Haus einen Witz über meine Karriere?“ Besonders verärgert war er darüber, dass ein solcher Witz bei „Saturday Night Live“ nicht spontan, sondern durch mehrere Redaktionsstufen freigegeben werde. Für ihn war klar: „Das war abgesegnet. Also fanden sie es alle in Ordnung, sich über mich lustig zu machen.“
Murphy empfand die Attacke nicht nur als respektlos, sondern auch als persönlich und – wie er später sagte – in gewisser Weise rassistisch. Denn er sah den Spott im Zusammenhang mit einer generellen, teils unfairen Presseberichterstattung über ihn in jener Zeit. Das Zerwürfnis mit Spade dauerte Jahrzehnte an; die beiden Männer sprachen lange kein Wort miteinander.
Erst 2019 kehrte Murphy nach über 30 Jahren wieder zu „Saturday Night Live“ zurück – diesmal als gefeierter Gastgeber, vom Publikum frenetisch begrüßt. Die Rückkehr galt vielen als symbolische Versöhnung mit der Show, die seine Karriere einst begründet und dann, zumindest in seinen Augen, verspottet hatte.
Dass Murphy der Sendung gegenüber lange Zeit wenig wohlgesonnen war, überrascht allerdings kaum. Schon früher hatte er öffentlich darüber gesprochen, dass die Verantwortlichen von „Saturday Night Live“ ihn einst mit moralischem Druck dazu brachten, länger bei der Show zu bleiben, als er ursprünglich wollte. Mehr dazu lest ihr in diesem FILMSTARTS-Artikel.
"Ich hasse es": Eddie Murphy spricht offen über die schlimmste Rolle seines Lebens*Bei diesem Link handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.