"Der beste Kriegsfilm seit 'Im Westen nichts Neues'": Orson Welles verneigte sich vor diesem Monument des Genres, das 48 Jahre später noch immer erschüttert
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Im Jahr 1977 sorgte ein kompromisslos brutaler Kriegsfilm für hitzige Diskussionen – heute gilt er längst als Klassiker. Um welches Werk es sich handelt, erfahrt ihr hier.

Als Steven Spielberg im Jahr 1998 sein Weltkriegs-Meisterwerk „Der Soldat James Ryan“ ins Kino brachte, wurde nicht zuletzt der Realismus des Films gelobt. Die rund 20-minütige Eröffnungssequenz, die den sogenannten D-Day, also die Landung der Alliierten am Strand der Normandie am 6. Juni 1944 schildert, geriet sogar dermaßen immersiv und wirklichkeitsnah, dass eine Notfall-Hotline für Veteranen eingerichtet werden musste.

Doch bereits 21 Jahre zuvor ist ein Film erschienen, der die Brutalität und Sinnlosigkeit des Krieges nicht minder schonungslos auf die Leinwand brachte: Die Rede ist von „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ (1977) von Sam Peckinpah.

Steiner - Das Eiserne Kreuz
Steiner - Das Eiserne Kreuz
Starttermin 28. Januar 1977 | 2 Std. 13 Min.
Von Sam Peckinpah
Mit James Coburn, Maximilian Schell, James Mason
User-Wertung
3,7
Filmstarts
4,5
Im Stream

Peckinpah war für kompromissloses Genre-Kino bekannt, etwa den Thriller „Getaway“ (1972) mit Steve McQueen oder den dreckigen Western-Klassiker „The Wild Bunch“ (1969). Doch mit „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ wagte ich der Filmemacher zum ersten – und einzigen Mal – an einen Kriegsfilm. Das Ergebnis war, typisch für den Regisseur, alles andere als heroisch: Der Film zeigt den Krieg nicht als Bühne für Ruhm und Opfermut, sondern als zermürbendes, schmutziges und zutiefst unmoralisches Überlebensspiel. Und er tut dies aus einer Perspektive, die in den 1970er-Jahren nahezu undenkbar war: aus der Sicht deutscher Soldaten.

Die Handlung spielt 1943 an der Ostfront, auf der Halbinsel Taman. Die deutschen Truppen befinden sich auf dem Rückzug. Inmitten des Chaos trifft ein neuer Bataillonskommandeur ein: Hauptmann von Stransky (Maximilian Schell), ein preußischer Aristokrat, der sich freiwillig meldet, um das titelgebende Eiserne Kreuz zu erringen – eine der höchsten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Reiches, verliehen für besondere Tapferkeit im Gefecht.

Sein Gegenstück ist Feldwebel Steiner (James Coburn), ein so erfahrener wie zynischer Frontkämpfer, der seine Männer schützt, aber jegliche Autorität verachtet. Zwischen den beiden Männern entbrennt ein erbitterter Machtkampf, während ringsum der Krieg jede Form von Menschlichkeit verschlingt.

"Steiner – Das Eiserne Kreuz" wurde hitzig diskutiert

Zu seinem Erscheinen entfachte „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ kontroverse Debatten: Während manche einen außergewöhnlich harten und radikalen Antikriegsfilm sahen, der keinerlei moralische Entlastung bietet, musste sich Peckinpah auch Vorwürfe der Gewaltverherrlichung gefallen lassen. Vor allem in Deutschland wiederum wurde hitzig über die Perspektive des Films diskutiert: Vermenschlicht der Film die Wehrmacht?

„Steiner – Das eiserne Kreuz“ war kein riesiger Publikumserfolg, doch vor allem in Großbritannien, Deutschland und Frankreich stieß er auf große Resonanz. Heute gilt er als einer der wichtigsten (Anti-)Kriegsfilme der 1970er-Jahre – eine Meinung, die damals mindestens schon Orson Welles vertrat. Der legendäre Schauspieler und Meisterregisseur („Citizen Kane“) bezeichnete ihn als „den besten Kriegsfilm über den einfachen Soldaten seit ‚Im Westen nichts Neues‘.“ Zwei Jahre später kam übrigens eine Fortsetzung in die Kinos, an der aber weder Peckinpah noch die Originalbesetzung beteiligt waren.

Um einen anderen ganz besonders realistischen 70er-Jahre-Kriegsfilm geht es übrigens im nachfolgenden Artikel:

Einer der realistischsten Kriegsfilme aller Zeiten: Er gewann einen Oscar und wurde von gleich vier (!) Regisseuren realisiert!

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels. Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Sensacine.com erschienen.

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