Am 7. Dezember 1941 überfielen die Japaner den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii. Die Konsequenz: Die Weltmacht USA trat in den Krieg ein. Damit war die endgültige Ausweitung des Konflikts zum Zweiten Weltkrieg besiegelt.
Filme über „Pearl Harbor“ oder solche, die auf dieses historische Datum zumindest in Teilen Bezug nehmen, gibt es etliche. Darunter Michael Bays ebenso bildgewaltiger wie hochkarätig besetzter Hollywood-Blockbuster gleichen Namens, Steven Spielbergs „1941“ (der seiner Karriere damals einen gehörigen Dämpfer verpasste!) oder der Kriegsfilm „Schlacht um Midway“. Der 70er-Jahre-Kultfilm spielt nur wenige Monate nach dem verheerenden Angriff und thematisiert dessen Auswirkungen auf die weitere Kriegsführung im Pazifik.
Sechs Jahre vor „Schlacht um Midway“ kam mit „Tora! Tora! Tora!“ ein Film in die Kinos, der den Anspruch verfolgte, die Ereignisse rund um den Angriff korrekt und wertneutral wiederzugeben – und dies gelang eindrucksvoll. Verantwortlich dafür war die Zusammenarbeit eines US-amerikanischen und eines japanischen Drehteams, die die Geschehnisse jeweils aus der Sicht der eigenen Nation schilderten. Doch ganz ohne Unabwägbarkeiten und unerwartete Vorkommnisse verlief die Arbeit am Film dennoch nicht.
Das amerikanische Trauma – das ist "Tora! Tora! Tora!"
Den Amerikanern ist es mithilfe der Dechiffriermaschine „Purple“ gelungen, die Funksprüche der Japaner zu knacken. Doch die US-Pazifikflotte auf Hawaii verfügt nicht über das Gerät – weshalb sie der vernichtende Angriff der Japaner am 7. Dezember 1941 völlig überraschend und schutzlos trifft. Trotz klarer Vorzeichen wurde die Gefahr an höchster politischer und militärischer Stelle nicht erkannt, außerdem verzögerte sich der Informationsfluss zuvor rapide.
Mit dem Funkspruch "Tora! Tora! Tora!" melden die japanischen Fliegerpiloten schließlich den Erfolg des Angriffs. Die Folgen von „Pearl Harbor“ sind verheerend: Mehrere US-Schlachtschiffe sind versenkt, fast 2500 Amerikaner haben ihr Leben verloren. Es war eine Attacke ohne vorherige Warnung, ohne Kriegserklärung. Ein Trauma für die USA über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte.
„Tora! Tora! Tora!“ gilt als einer jener Kriegsfilme, die die zu Grunde liegenden, wahren Ereignisse historisch genau und mit größtmöglicher Authentizität schildern. Und das bezieht sich sowohl auf die Szenen des Angriffs als auch auf das Wettrüsten auf beiden Seiten sowie die diplomatischen Verhandlungen, denen sich der Film in der ersten Hälfte widmet. „Tora! Tora! Tora!“ umschifft, im Gegensatz zu vielen anderen Kriegsfilmen, die Gefahr, Partei für eine Seite zu ergreifen. Und so zeigt der an Originalschauplätzen auf Hawaii gedrehte Klassiker die Vorkommnisse gegeneinander geschnitten konsequent aus zwei Perspektiven: aus der japanischen und aus der amerikanischen.
Japanischer Star-Filmemacher für Regie vorgesehen
Die Szenen auf japanischer Seite inszenierten die Filmemacher Toshio Masuda und Kinji Fukasaku („Battle Royale“). Die Szenen des Aufrüstens und der militärischen Beratungen aufseiten der USA drehten Richard Fleischer („Soylent Green“) und sein Team. Durch diese Aufteilung war ein möglichst hohes Maß an Objektivität und Neutralität gewährleistet.
Spannender Fakt: Eigentlich sollte der legendäre Filmemacher Akira Kurosawa („Die sieben Samurai“) als Regisseur für die japanische Seite fungieren. Zwei Jahre war Kurosawa mit der Arbeit an einem Skript und der Vorproduktion beschäftigt. Unzufrieden mit dem schleppenden Vorankommen und dem bis dato gedrehten Material, ersetzte das Produktionsstudio 20th Century Fox Kurosowa schließlich zwei Wochen nach Drehstart durch Masuda und Fukasaku.
Die Dreharbeiten zogen sich insgesamt über acht Monate, die Produktionskosten summierten sich in dieser Zeit auf rund 25 Millionen US-Dollar. Zwar blieb der erhoffte Erfolg an den (vor allem US-amerikanischen) Kassen aus, doch die Kritiker und vor allem die Academy waren voll des Lobes. 1970 erhielt „Tora! Tora! Tora!“ den Oscar für die besten Spezialeffekte, hinzu kamen vier weitere Nominierungen (unter anderem für die „Beste Ausstattung“ und die „Beste Kamera“).
Vor 54 Jahren erhielt John Schlesingers Drama „Sunday Bloody Sunday“ ebenfalls vier Oscar-Nominierungen. Seine ersten Schritte vor der Kamera machte darin ein 14-Jähriger, der heute als einer der besten und renommiertesten Schauspieler Welt gilt. Um wen es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel: