In der Nacht hat 3Sat ein deutsches Sozialdrama ins Programm, das aktueller kaum sein könnte: Am heutigen 15. November 2025 um 23:30 Uhr läuft „Zwischen uns der Fluss“ erstmals im linearen Fernsehen. Regisseur Michael Klier („Ostkreuz“) verwebt in seinem Film die Themen Umweltaktivismus, rassistische Gewalt und das Helfersyndrom zu einem emotionalen und bewegenden Drama.
Die Hauptrolle spielt Lena Urzendowsky– die erst kürzlich als Teil des Ensembles des deutschen Oscar-Beitrags „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski große Aufmerksamkeit erlangte. Urzendowsky gilt als eines der profiliertesten Nachwuchstalente im deutschsprachigen Raum und hat bereits einige Auszeichnungen erhalten (u. a. den Deutschen Fernsehpreis als Beste Nebendarstellerin für „Der große Rudolph“).
Das ist "Zwischen uns der Fluss"
Das Sozialdrama fokussiert sich auf die ungleiche Begegnung zweier junger Frauen in Dresden. Alice (Lena Urzendowsky) wurde aufgrund ihrer Beteiligung an einer Umweltaktion zu Sozialstunden verurteilt. Im Rahmen dieser Auflage soll sie sich um Cam (Kotti Yun) kümmern, die nach einem rassistischen Überfall schwer traumatisiert ist. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft – Alice stammt aus einem gutbürgerlichen Villenviertel, Cam ist Opfer von Gewalt geworden – entwickelt sich rasch eine tiefe Verbindung zwischen ihnen.
In weiteren Rollen sind unter anderem Laura Tonke, Henriette Heinze und Jeremias Meyer zu sehen.
Michael Klier Film / Peter Zach
Hommage an Dresden und die Elbe
Der Film von Regisseur Michael Klier ist mehr als ein reines Sozialdrama: Er ist auch eine Hommage an die Stadt Dresden und die Elbe. Klier nutzt die Stadt und ihre architektonischen sowie gesellschaftlichen Konflikte als subtile Folie für die Geschichte. So werden in der Handlung die damaligen Auseinandersetzungen um den Bau der Waldschlößchenbrücke thematisiert, wobei Alice als Umweltaktivistin gegen eine Zerstörung des Elbpanoramas kämpft, das Dresden den Status als Weltkulturerbe kostete.
Dieser reale Konflikt spiegelt sich in Alices Kampf gegen ihren eigenen Vater wider, der als Architekt für den Bau verantwortlich ist. Die beiden Hauptdarstellerinnen haben intensiv am Drehbuch mitgewirkt, was zur Lebendigkeit und Natürlichkeit des Generationenporträts beiträgt.
Reaktionen zum Film
Die Reaktionen auf Kliers „Zwischen uns der Fluss“ waren überwiegend positiv. Gelobt wurde vor allem das intensive Zusammenspiel der beiden Hauptdarstellerinnen Lena Urzendowsky und Kotti Yun, die eine „fabelhafte Harmonie“ entfalten. Der Film wurde als „sympathisch bescheidener, naturalistischer Film“ und „poetisches Freundschaftsdrama“ bezeichnet. Gleichzeitig wurde die Erzählweise als „kontemplativ“ und „zurückhaltend“ beschrieben.
Michael Klier Film / Peter Zach
Diskutiert wurde in den Kritiken besonders das Thema des „White Savior“-Komplexes, da die privilegierte Alice die traumatisierte Cam unterstützt, was teilweise dem Film auch negativ vorgeworfen wurde. „Zwischen uns der Fluss“ beleuchtet diese Problematik jedoch bewusst und zeigt, wie Cam die Fürsorge von Alice im weiteren Verlauf kritisch hinterfragt. Unser FILMSTARTS-Autor Jochen Werner vergab in seiner Filmkritik so 3,5 von 5 Sterne.
Übrigens: Wie oben schon erwähnt, ist „In die Sonne schauen“ der deutsche Beitrag für die Oscars 2026 in der Kategorie „Best International Feature Film“. Mehr über den Film und Urzendowskys Figur erfahrt ihr im nachfolgenden Interview:
"Schon beim Lesen hatte ich durchgängig Gänsehaut": Das große FILMSTARTS-Interview mit "In die Sonne schauen"- Star Lena Urzendowsky