Wir haben schon mal in einem anderen Artikel darüber berichtet: Nicht nur Personen wie Bill Cosby oder Harvey Weinstein wurden aus äußerst naheliegenden Gründeen mit einem Oscar-Verbot belegt – auch Richard Gere, der eigentlich als einer der respektiertesten Schauspieler Hollywoods gilt und obendrein für sein humanitäres Engagement bekann ist, war 20 (!) Jahre lang Persona Non Grata beim noch immer wichtigsten Filmpreis der Welt. Wohl nicht zuletzt deshalb gehört der heute 76-Jährige neben zahlreichen anderen A-Listern zu jenen Stars, die noch nie für einen Academy Award nominiert waren.
Grund für seinen Ausschluss war, dass Gere bei der Oscar-Verleihung 1993 unerwartet vom offiziellen Moderationsskript abwich. Eigentlich sollte er lediglich die Auszeichnung für das Beste Szenenbild ankündigen – doch anstatt sich an die vorformulierten Zeilen zu halten, nutzte er den Moment auf der weltweiten Bühne, um die chinesische Regierung wegen ihrer Behandlung der Tibeter scharf zu kritisieren.
Daraufhin wurde Gere für die folgenden zwei Jahrzehnte auf die schwarze Liste gesetzt – auch wenn er sich letztlich nicht an das Verbot hielt: Als das Musical „Chicago“ im Jahr 2003 für mehrere Preise nominiert war, lief er neben seinen Co-Stars Renée Zellweger und Catherine Zeta-Jones ebenfalls über den roten Teppich. Sein Kommentar dazu: „Wenn man lange genug bleibt, vergessen sie offenbar, dass man verbannt wurde.“ 2013 – also genau 20 Jahre nach dem vermeintlichen Eklat – wurde er dann wieder offiziell als Präsentator eingeladen.
So denkt Richard Gere über sein Oscar-Verbot
Nun hat sich der „Pretty Woman“-Darsteller in einem Interview mit Variety zu dem Sachverhalt geäußert – und das überraschend versöhnlich: „Ich habe es nicht besonders persönlich genommen. Ich denke nicht, dass es in dieser Situation irgendwelche schlechten Menschen gab. Ich tue, was ich tue, und ich habe gewiss nicht die Absicht, jemandem zu schaden. Ich will der Wut schaden. Ich will der Ausgrenzung schaden. Ich will Menschenrechtsverletzungen schaden. Aber ich versuche, dabei so nah wie möglich bei dem zu bleiben, wofür auch Seine Heiligkeit [Anm.: Er meint den Dalai Lama] steht: dass jeder erlöst werden kann und am Ende jeder erlöst werden muss – oder keiner von uns.“
Gere ist nicht nur ein Unterstützer des Dalai Lama, sondern auch mit dem Oberhaupt des tibetischen Buddhismus befreundet. Den Oscar-Bann haben die beiden nach Aussagen des „Internal Affairs“-Darstellers aber nie thematisiert. „Es kam nie zur Sprache“, so Gere. „Man sagt ihm hin und wieder Bescheid, wenn ich einen Preis bekomme, und er schickt dann einen Brief, in dem er mir gratuliert und sich freut. Aber das ist so ziemlich alles, was dem nahekommt, tatsächlich über Filme zu reden.“
Übrigens: Auch Popstar und Schauspielerin Madonna wurde zur Persona Non Grata erklärt – allerdings nicht bei der Oscar-Verleihung, sondern von einer ganzen Kinokette! Den Grund dafür erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Sie muss sich entschuldigen und ihr Verhalten ändern": Popstar Madonna hat seit 12 Jahren in mehreren Kinos Hausverbot