In ihrer Hochphase schienen die Pixar Animation Studios unaufhaltsam: Keine Prämisse war zu eigenartig, um ein zahlreiches, breit gefächertes Publikum zu begeistern! In „Ratatouille“ von 2007 etwa will eine Ratte einem Pariser Restaurant zu altem Glanz verhelfen – es wurde ein moderner Klassiker draus! In „WALL·E“ aus dem Folgejahr räumt ein sich nach Liebe sehnender Müllroboter die bis zum Klimakollaps ausgebeutete Erde auf. Das kam so gut an, dass es als Skandal galt, dass dafür keine Oscar-Nominierung als bester Film heraussprang!
Und in „Oben“ von 2009 fliegt ein grantiger Witwer mit seinem Haus in den südamerikanischen Dschungel, um seiner verstorbenen Frau zu gedenken. Zu schwer für ein Familienpublikum? Mit Anleihen an Werner Herzogs „Fitzcarraldo“ und den philosophisch angehauchten, britischen Historienfilm „Mission“ zu eigen für die Masse? Nach seinem traurigen Auftakt zu schräg, um als Gesamtwerk zu überzeugen? Weit gefehlt: „Oben“ war ein voller Erfolg und läuft am 16. Januar 2026 ab 20.15 Uhr im Disney Channel. Zeitlich flexibel lässt sich die Regiearbeit des amtierenden Pixar-Kreativchefs Pete Docter bei Disney+ abrufen:
Neben einem Einspielergebnis von 735,1 Millionen Dollar und einem begeisterten Presseecho (inklusive vier Sternen von FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen) heimste „Oben“ den Oscar für den besten Animationsfilm sowie für die beste Filmmusik ein. Weitere Academy-Award-Nominierungen gab es für den Tonschnitt, das Original-Drehbuch und (anders als bei „WALL·E“) in der Königskategorie: Bester Film!
Darum geht es in "Oben"
Einst war Carl (Stimme im Original: Edward Asner / Stimme in der deutschen Fassung: Fred Maire) ein abenteuerlustiger Knirps, dann wurde er mit seiner geliebten Träumerin Ellie sesshaft. Der Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen kam ihnen dazwischen, und so wurde die geplante Übersiedlung nach Südamerika kontinuierlich verschoben. Nun ist Carl ein knurriger Witwer, der Ellie und all den nicht gewagten Abenteuern nachtrauert. Nur sein farbenfrohes, mit Ellie errichtetes Haus entlockt ihm noch Freude.
Als er per Gerichtsbeschluss umgesiedelt werden soll, um einem seelenlosen Bauprojekt zu weichen, bindet der frühere Ballonverkäufer Tausende Ballons zusammen und fliegt mitsamt seinem Haus gen Südamerika. Dumm nur, dass sich versehentlich der junge Pfadfinder Russell (Jordan Nagai / Maximilian Belle) dieser Eskapade angeschlossen hat. Den würde Carl am liebsten rasch los werden – stattdessen wird die Abenteuertruppe aber durch den Paradiesvogel Kevin und den treudoofen Hund Dug immer größer!
Dieses Abenteuer ist bildschön, herzzerreißend und tröstend
Schon die von „Zoomania“-Komponist Michael Giacchino geschriebene Filmmusik ist ein bewegendes Kunststück: Jede einzelne relevante Figur hat ein eigenes Leitmotiv, das sich im Laufe der Handlung behutsam sowie bedeutungsvoll verändert – und der altmodisch-beschwingt beginnende, herzzerreißend ausklingende Liebes- und Lebenswalzer zwischen Ellie und Carl sorgt immer wieder aufs Neue für einen Kloß im Hals.
Bösere Zungen reduzieren „Oben“ zwar gerne auf die dazugehörige Montage kurz nach Filmbeginn und behaupten, dieses detailreich gestaltete, farbenfroh animierte, eindrucksvoll inszenierte Abenteuer sollte direkt danach enden. Doch wie freudlos wäre das? Verlust gehört zum Leben dazu – und „Oben“ macht daraus in seiner Gesamtheit gar keinen Hehl! Aber ebenso gehören Trauerverarbeitung und Neuanfänge zu Verlusten dazu, was essentieller Bestandteil dieses Pixar-Klassikers ist. Ihn abzukappen und „Oben“ mit einem geknickt Ellies Trauerfeier verlassenden Carl abzuschließen, wäre zwar gewagt, aber inkomplett.
Docter verzettelt sich zwar in manchen Actionszenen – trotzdem ist es nicht so, als würde sich das Abenteuer mit jeder Filmminute mehr und mehr in Klamauk verlieren. Wie Carl im Laufe dieser Geschichte auftaut, sich Dug, Kevin und Russell gegenüber öffnet, wie er lernt, sich (vermeintlich und tatsächlich) versäumte Abenteuer zu verzeihen, und wie er im Epilog seinen jungen Pfadfinder-Kumpel würdigt: All das ergänzt den ikonischen „Oben“-Auftakt punktgenau!
Und wenn ihr nach „Oben“ erfahren möchtet, welchen Pixar-Film der Verfasser dieses TV-Tipps mehr liebt als alle anderen Arbeiten des Disney-Tochterstudios, dann springt zu unserem folgenden Streaming-Tipp!
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