Jahr für Jahr geht es bei den Oscars nicht nur um die großen Gewinner, sondern auch um die Enttäuschten, Übersehenen, Zu-kurz-Gekommenen. In diesem Jahr wurde so zwar eingehend über den Rekord diskutiert, den „Blood & Sinners“ mit seinen 16 Oscar-Nominierungen aufgestellt hat, aber mindestens ebenso viele Filmfans machten ihrem Ärger darüber Luft, dass Park Chan-wooks Thriller „No Other Choice“ von der Academy ignoriert wurde.
Im Jahr 2013 stand die Oscar-Verleihung ganz im Zeichen von Ben Affleck – im Positiven wie im Negativen. Denn zum einen ging sein Politthriller „Argo“, die insgesamt dritte Regiearbeit des „The Rip“-Stars, als großer Sieger aus der Verleihung hervor, wurde er in der Hauptkategorie prämiert. Zum anderen wurde Affleck – für einen „Bester Film“-Gewinner eher ungewöhnlich – als Regisseur nicht einmal nominiert.
Und das, obwohl er zuvor schon zahlreiche Preise für seine Leistung gewonnen hatte – so wurde er bei den Golden Globes nicht nur mit einer Nominierung bedacht, sondern setzte sich am Ende gar gegen etablierte Größen wie Quentin Tarantino, Steven Spielberg, Ang Lee und Kathryn Bigelow durch.
Praktisch alle sahen es als sicher an, dass Affleck auch bei den Oscars abräumt. Dass das nicht geschah, ging auch an dem Drehbuch-Oscar-Gewinner („Good Will Hunting“) nicht spurlos vorbei. Erst kürzlich hat der 53-Jährige im Rahmen eines Auftritts bei „Jimmy Kimmel Live!“ offen darüber gesprochen, wie enttäuscht er tatsächlich war:
„[...] Es war schrecklich, weil alles zu dir sagten: ‚Du wirst nominiert, du wirst als Bester Regisseur nominiert!‘ Und dann wache ich an diesem Morgen auf... Wobei sich diese Erfahrung nicht unbedingt von all den anderen Morgen unterschieden hat, an denen ich ebenfalls nicht als Bester Regisseur nominiert war, aber plötzlich wurde es zur riesigen Demütigung. Ich wachte auf und die Leute sagten: ‚Du wurdest nicht nominiert!‘“
Ben Affleck bemitleidet nicht nur sich, sondern auch Leonardo DiCaprio
Diese Anekdote erinnerte Kimmel an den Fall von Leonardo DiCaprio, der erst kürzlich bei den Critics Choice Awards leer ausging, obwohl „One Battle After Another“ in den Kategrien Bester Film, Beste Regie und Bestes adaptiertes Drehbuch einen Dreifachsieg errang (es gewann Timothée Chalamet für „Marty Supreme“). „Ich dachte mir: Mein Gott, es gäbe tausend bessere Orte, an denen er jetzt sein könnte“, kommentiert Affleck, wie er die Niederlage seines Kollegen erlebt hat.
„Der Film gewinnt den Preis für den Besten Film. Der Regisseur, Paul Thomas Anderson, gewinnt den Preis für die Beste Regie – und dann gewinnt er selbst nicht. Und ich denke mir, der muss wahnsinnig sauer sein, weil man ihn von irgendwoher – wahrscheinlich von einer Yacht – per Hubschrauber weggeholt hat, nur damit er dann nicht gewinnt. Er kam, um zu verlieren.“
Man mag sich eventuell Schlimmeres vorstellen, als in der Haut eines millionenschweren Hollywood-Stars zu stecken, der seinen Yacht-Urlaub kurz für eine Preisverleihung unterbrechen muss – zumal DiCaprio vor zehn Jahren ja sogar bereits einen Oscar gewonnen hat (für „The Revenant“) und sich auch sonst ganz bestimmt nicht über mangelnde Anerkennung beschweren kann. Doch die Ernüchterung darüber, von der Academy ignoriert worden zu sein, sitzt zumindest bei Affleck auch 13 Jahre später noch tief.
So fühlte sich Ben Affleck nach seiner Niederlage
„Das ist vermutlich die schlimmstmögliche Situation bei einer Preisverleihung“, so Moderator Jimmy Kimmel an den „The Accountant“-Darsteller gerichtet. „Ich glaube, du untertreibst das sogar. Denn ‚Argo‘ war nicht nur als Bester Film nominiert, sondern hat auch gewonnen. Du hast die Hauptrolle gespielt und Regie geführt, und wurdest in keiner der beiden Kategorien nominiert – es ist, als hätte sich der Film von selbst inszeniert"
Affleck stimmt den Einschätzung von Kimmel zu: „Genau so habe ich mich gefühlt. An dem Tag, an dem ich übergangen wurde, der sich also plötzlich in ein negatives und schreckliches Ereignis verwandelte, musste ich zu den Critics Choice Awards gehen. Ich erinnere mich, dort anzukommen und einen roten Teppich mit, keine Ahnung, 500 Leuten zu sehen, die unbedingt mit mir sprechen wollten – und jeder einzelne sagte: ‚Hallo! Also, wegen der fehlenden Nominierung...‘
Was soll man darauf antworten? ‚Es ist scheiße!‘ Am Ende habe ich immerhin den Critics Choice Award gewonnen. Ehrlich gesagt war es einfach nur peinlich. Ich war ja nicht derjenige, der herumgelaufen ist und gesagt hat: ‚Ich werde auf jeden Fall nominiert!‘ Es ist dieses Ritual, erklären zu müssen, warum man nicht nominiert wurde. Ich selbst habe nie gesagt, dass das passieren würde.“
Eine weitere Chance ergab sich für Affleck jedenfalls nicht mehr. Seither hat er bei zwei weiteren Filmen Regie geführt, dem Gangsterthriller „Live By Night“ sowie dem Business-Drama „Air: Der große Wurf“ – keiner der beiden Filme wurde überhaupt für einen Oscar nominiert. Aktuell steht mit dem Thriller „Animals“ sein nächster Spielfilm als Regisseur in den Startlöchern – wir drücken vorsichtshalber schon mal die Daumen!
Wie sich angesichts der Ausführungen von Ben Affleck wohl die Macher der beiden Filme gefühlt haben müssen, von denen der nachfolgende Artikel handelt? Darüber kann man heute nur noch spekulieren:
11 (!) Oscar-Nominierungen, aber kein Gewinn: Dieses Epos von Steven Spielberg hält einen traurigen Rekord!Ein ähnlicher Artikel ist zuvor bereits auf unserer spanischen Schwesternseite Espinof.com erschienen.
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