Die meisten Kriegsfilme handeln von den beiden Weltkriegen, darüber hinaus gibt es etliche Streifen, die zur Zeit des Vietnamkriegs spielen. Vor allem in den 80er-Jahren erlebten wir einen regelrechten Boom von Vietnam-Kriegsfilmen („Platoon“, Hamburger Hill“, „Geboren am 4. Juli“ u.a.). Die Verarbeitung des national-kollektiven Traumas vom verlorenen Krieg im Dschungel setzte mit Verzögerung ein. In den 80ern, mit einigen Jahren Abstand zum Kriegsende (1975), schien die Zeit dafür reif.
1988 erschienen mit „Rambo 3“ und „Bestie Krieg“ zwei weitere Kriegsfilme, die sich von allen anderen thematisch deutlich unterschieden. Denn: Sie zeigen den Krieg in Afghanistan, der 1979 begann und dem südasiatischen Wüstenstaat zehn Jahre lang Gewalt, Chaos und Tod brachte. Die Sowjets kämpften darin gegen die islamischen Widerstandsgruppen der Mudschaheddin, die von den USA unterstützt wurden. Während der dritte Teil der von Sylvester Stallone verantworteten „Rambo“-Reihe nicht mehr ist als ein martialisches Actionspektakel ist, das ganz auf spektakuläre Schauwerte vertraut, verfolgte Regisseur Kevin Reynolds („Waterworld“) mit „Bestie Krieg“ einen anderen Ansatz.
Sein Film erinnert bisweilen eher an einen staubigen, entschleunigten Western, dessen psychologische Tiefe und Komplexität bis heute beeindrucken. „Bestie Krieg“ ist einer der besten Kriegsfilme der 80er und so ganz anders als andere Genre-Beiträge. Genau deshalb lohnt er unbedingt eine Wiederentdeckung!
Grausamer Wüstenkrieg – Das ist "Bestie Krieg"
Der auf dem Theaterstück „Nanawatai“ des US-Dramatikers William Mastrosimone basierende Film erzählt von einer sowjetischen T-55-Panzerbesatzung, die Anfang der 80er in Afghanistan stationiert ist. Unter der Befehlsgewalt des tyrannischen Daskal (George Dzundza) verursacht die Truppe, darunter der junge Steuermann Koverchenko (Jason Patric), in einem paschtunisches Dorf ein Massaker. Wenig später geraten Koverchenko und seine Leute in einen Hinterhalt der Rebellen. Der Überlebenskampf im feindlichen Hinterland beginnt.
Obwohl Schusswechsel und Gefechte in „Beste Krieg“ im Gegensatz zu „Rambo 3“ – und vielen anderen Kriegsfilmen – weit weniger Raum einnehmen, ist die Botschaft unmissverständlich: Im Krieg gibt es keine Gewinner. Die Aussichtslosigkeit des militärischen Unterfangens sowie die pessimistische Grundhaltung werden bereits in den ersten 15 Minuten deutlich.
Zu Beginn erscheint ein Zitat des britischen Schriftstellers Rudyard Kipling, der die brutale Realität kriegerischer Auseinandersetzungen auf den Punkt bringt – und darauf verweist, dass ein gefangener oder verwundeter Kämpfer nicht auf Gnade hoffen kann. Ebenso wenig wie der unbewaffnete Dorfbewohner, der beim Massaker am Anfang des Films vom Panzer überrollt wird. Es ist eine der niederschmetterndsten Szenen, auch wenn sich das Grauen „nur“ auf der Tonspur manifestiert – Reynolds erspart uns den Anblick des zermalmten Körpers. Wobei die Besatzung später noch die Hand des Mannes zwischen den Ketten findet (oder zumindest das, was von ihr übrig ist).
Western…mit Panzern statt Pferden
Die Grausamkeit, mit der die Besatzung das Dorf überrollt, unbewaffnete Bewohner und Tiere niederschießt sowie am Ende alles in Brand setzt, ist erschütternd. Doch zeigen diese Szenen, was die „Bestie Krieg“ aus manchen Menschen macht: emotionslose Schlächter, innerlich abgestorben und verdorben, zu jeder Gräueltat bereit. Eine Ausnahme bildet Koverchenko, der sich als einziger Kommandeur Daskal entgegenstellt.
Die unerbittliche Härte und Weite der Natur steht für die Verlorenheit der Soldaten. Jene kargen, trockenen Landschaften der Handlungsorte in „Beste Krieg“ (gedreht wurde in der Judäische Wüste in Israel) wecken zudem Erinnerungen an die staubigen Landstriche der spanischen Tabernas-Wüste, Drehort vieler Italo-Western. Wie in den Western eines Sergio Leone ("Für eine Handvoll Dollar") fällt auch in „Bestie Krieg“ der Natur (sprich: der Wüste) eine ganz eigene Rolle zu – als unerbittliches, lebensfeindliches Grenzland („Frontier“). Die Wüste als ein, im übertragenen Sinn, eigener Antagonist, dem das Schicksal des Einzelnen, ob Cowboy oder Soldat, egal ist.
Über 13 (!) Millionen Kinobesucher in Deutschland: Darum solltet ihr den besten Western aller Zeiten spätestens jetzt nachholenIn der Rolle des Soldaten Koverchenko liefert der damals 21-jährige Jungstar Jason Patric („The Lost Boys“) eine phantastische Performance. Die Auseinandersetzung zwischen ihm und dem brutalen Daskal ist der emotionale Kernkonflikt des Films. Während Dzundzas bizarres Schauspiel so entrückt wirkt, dass es unmöglich ist eine emotionale Bindung zu seiner Figur aufzubauen, hält Patric das Charisma und die Nahbarkeit seines Charakters konsequent bis zum Ende aufrecht.
Trotz seiner herausragenden Qualität floppte „Beste Krieg“ 1988 radikal an den Kassen. Drei Jahre später gelang Reynolds mit dem Abenteuerfilm „Robin Hood – König der Diebe“ dann einer der größten Kassenhits der frühen 90er – mit einer Schauspielikone in einer Mini-Rolle, die nur zu Gesicht bekommt, wer den Film bis zum Ende schaut:
Er ist nur für 30 Sekunden im Bild zu sehen! Doch niemand wird diesen legendären Schauspieler am Ende von "Robin Hood – König der Diebe" vergessen*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.