Sean Baker zählt aktuell zu den großen Namen der Filmbranche. Verantwortlich dafür ist der gewaltige Erfolg seiner romantischen Tragikomödie „Anora“ (2024), die dem Filmemacher mehrere Oscars (darunter jene für den Besten Film und die Beste Regie) und die Goldene Palme in Cannes einbrachte.
Das von der Kritik hochgelobte Meisterwerk erzählt von der atemlosen Jagd einer New Yorker Sexarbeiterin nach Geld und Liebe und begeisterte auch unseren Chefkritiker Christoph Petersen, wie ihr in seiner Lobeshymne auf den Indie-Hit nachlesen könnt. Am Ende standen hervorragende 4,5 von 5 möglichen Sternen und das Fazit: „‚Anora‘ ist ein unglaublich energiegeladenes und gnadenlos unterhaltsames Cinderella-Update.“ Seither fragen sich viele Baker-Fans: Was wird wohl das kommende Projekt des 54-Jährigen und wird der neue Film eine ähnliche Richtung wie „Anora“ einschlagen?
Schon im letzten Jahr verriet der Oscar-Preisträger, dass er als nächstes eine „Komödie mit dramatischen oder tragischen Elementen“ plane. Auf der Berlinale konkretisierte er jetzt seine Pläne – die gerade Indie- und Arthouse-Fans freudig stimmen dürften.
"Liebesbrief an Sexkomödien"
Baker sprachkürzlich mit Variety über sein kommendes noch unbetiteltes Werk. Er plane demnach eine Hommage an ein ganz bestimmtes (und vor allem von so manch einem Cineasten geschätztes) Genre. „Es ist mein Liebesbrief an die italienischen Sexkomödien der 60er und 70er Jahre, darauf konzentriere ich mich“, so Baker. Wie er außerdem gegenüber dem Branchenmagazin bestätigte, gehört die italienische Schauspielerin Vera Gemma zum Cast, die bislang durch ihre unorthodoxen Rollen in Doku-Dramen („Vera“) und experimentellen Filmen („Scarlet Diva“) auffiel.
Weitere Details zur Besetzung oder zur konkreten Handlung gab der gefeierte Filmemacher, dessen Kurzfilm „Sandiwara“ mit Michelle Yeoh kürzlich Weltpremiere auf der Berlinale feierte, noch nicht bekannt. Doch allzu viel Zeit dürfte nicht mehr vergehen, bis die erste Klappe fällt. „Wir wollen noch in diesem Jahr drehen“, sagte Baker. Die Vorbereitungen zum Film, für den es noch keinen festen Kino-Starttermin gibt, scheinen ohnehin schon länger zu laufen. So gab der Regisseur bereits im Frühjahr 2025 auf dem Ivy Film Festival bekannt, das er sich auf die Suche nach passenden Drehorten begeben habe.
Der Autorenfilmer, der bei fast allen seiner Filme als (Co-)Autor auftritt, möchte auch künftig die Zügel in der Hand behalten. So wolle er seinen neuen, noch titellosen Film erneut ohne großes Studio realisieren – wie es schon bei „Anora“ der Fall war. Baker drehte seinen Oscar-Hit mit der Unterstützung einiger unabhängiger Filmunternehmen, das Budget lag bei lediglich sechs Millionen Dollar (dafür gab US-Verleiher Neon sechsmal so viel fürs Werbebudget aus).
18 (!) Millionen Dollar: "Anora"-Macher steckten 3x so viel Geld in die Oscar-Kampagne wie in den Film – warum der Oscar trotzdem nicht "erkauft" ist!Die Rahmenbedingungen scheinen demzufolge ganz ähnliche zu sein wie jene bei „Anora“. Damit stehen die Chancen für ein erneutes Meisterwerk gar nicht schlecht. Denn mit seinem letztjährigen Oscar-Abräumer hat Baker eindrucksvoll bewiesen, was er kann – wenn er seine eigenen filmischen Visionen befreit von äußeren Einflüssen (und ohne großen finanziellen Druck) realisieren darf.
Den diesjährigen Oscar für den Besten Film könnten sich derweil ein wahres Action-Meisterstück oder DER Horror-Hit des letzten Jahres sichern. Gut möglich, dass sich die beiden Filme auch in anderen Kategorien ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen liefern:
Die Oscar-Nominierungen 2026: Action-Meisterwerk vs. Horror-Highlight – mit einem sensationellen Rekord!