"Ich verstehe es nicht": "Der Herr der Ringe"-Star schimpft über für 8 (!) Oscars nominierten Kritiker-Liebling
Annemarie Havran
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Film- und Serien-Fan mit Leib und Seele. Immer, wenn im Kinosaal das Licht ausgeht oder der Vorspann einer starken Serie beginnt, kommt die Gänsehaut.

Es gehört zu den aussichtsreichsten Kandidaten bei der diesjährigen Oscar-Verleihung: Das Drama „Hamnet“ ist in acht Kategorien nominiert, wird von der Kritik gefeiert. Schauspiel-Ikone Ian Mckellen kann den Hype jedoch ganz und gar nicht verstehen.

Ian McKellen ist nicht nur eine lebende Legende auf der Leinwand und Star der gefeierten „Der Herr der Ringe“-Trilogie, sondern auch auf der Theaterbühne, wo er regelmäßig in Shakespeare-Stücken auftritt. Mitunter so leidenschaftlich, dass er auch mal Blessuren davonträgt: 2024 stürzte er während einer Aufführung von „Player Kings“, einer Adaption von William Shakespeares „Heinrich IV.“, von der Bühne und brach sich das Handgelenk. Der gepolsterte Anzug, der er in seiner Rolle als John Falstaff getragen hatte, soll Schlimmeres verhindert haben. Wenn jemand also ein Wörtchen beim Thema Shakespeare mitzureden hat, dann der Edel-Mime, der in seiner Karriere schon über 300 Mal König Lear verkörpert hat. Ian McKellens Urteil zum neuesten Shakespeare-Kinofilm „Hamnet“? Vernichtend!

In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Maggie O’Farrell geht es um den Tod von William Shakespeares kleinem Sohn Hamnet und wie dieser Schicksalsschlag ihn zu der Tragödie „Hamlet“ inspiriert haben soll. Kritiker*innen rund um den Globus zeigen sich begeistert – dafür sprechen fabelhafte 84/100 Punkte im Durchschnitts-Score der Kritiken-Sammelseite Metacritic. 54 Reviews wurden dafür bisher ausgewertet. Und auch unser Autor Michael Meyns schließt sich mit 4 von 5 Sternen in der FILMSTARTS-Kritik dem überaus positiven Tenor an. Ian McKellen kann mit der Geschichte des Films jedoch nichts anfangen:

"Interessiert mich nicht besonders"

„Ich verstehe es nicht. Es interessiert mich nicht besonders, darüber zu spekulieren, woher Shakespeares Ideen kamen, aber sie entsprangen ganz bestimmt nicht nur aus dem Familienleben“, so McKellen gegenüber The Times über die Idee, dass William Shakespeare eines seiner größten Werke aus Trauer um seinen Sohn geschrieben haben könnte.

Mit acht Nominierungen glänzend aufgestellt, geht „Hamnet“ als einer der Favoriten bei der Oscarverleihung 2026 ins Rennen – was McKellen zu einem Vergleich mit einem anderen preisgekrönten Film verleitet, der thematisch in eine ähnliche Kerbe geschlagen hatte: „Er wird wahrscheinlich den Erfolg von ‚Shakespeare In Love‘ wiederholen, der recht merkwürdige Vorstellungen davon hatte, wie Theaterstücke zustande kommen.“

"Hamnet": Absurde Vorstellungen über Shakespeares Familienleben?

Dass das Thema Shakespeare die Massen fasziniere, könne er zwar verstehen. Aber wie „Hamnet“ die Familie des Künstlers darstelle, halte er für nahezu absurd, erläuterte McKellen seine Unzufriedenheit mit Chloé Zhaos Literaturverfilmung weiter:

„Shakespeare ist vielleicht die berühmteste Person, die je gelebt hat, es gibt also natürlich einiges Interesse daran, wie er ausgesehen hat, wie sein Verhältnis zu seiner Familie war. Und wir können es nicht wissen – aber die Vorstellung, dass [Shakespeares Ehefrau] Anne Hathaway nie zuvor ein Theaterstück gesehen hat? Das ist unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, womit ihr Mann seinen Lebensunterhalt verdient hat. Und sie scheint nicht einmal zu wissen, was ein Theaterstück ist! Ich denke, da gibt es einige Zweifel an der Plausibilität.“

Anne Hathaway, im Film „Agnes“ genannt, wie einer ihrer Rufnamen lautete, wird von Jessie Buckley gespielt. Sie und ihr Mann William (Paul Mescal) entfremden sich, nachdem eines ihrer drei Kinder an der Pest stirbt. Während Agnes mit der älteren Tochter Susanna und Hamnets Zwillingsschwester Judith zurückbleibt, stürzt sich William noch besessener in seine Arbeit als zuvor schon. Als Agnes in London eine Aufführung seines neuen Stückes „Hamlet“ besucht, begreift sie auch, warum…

Hamnet
Hamnet
Starttermin 22. Januar 2026 | 2 Std. 05 Min.
Von Chloé Zhao
Mit Paul Mescal, Jessie Buckley, Emily Watson
User-Wertung
4,0
Filmstarts
4,0
Vorführungen (210)

Wenn in der Nacht vom 15. auf den 16. März 2026 die Oscars verliehen werden, sehen wir, ob „Hamnet“ den Erfolg von John Maddens „Shakespeare In Love“ mit Gwyneth Paltrow und Joseph Fiennes wiederholen kann, der mit sieben Oscars ausgezeichnet wurde. Die Konkurrenz ist dieses Jahr aber sehr stark: Das Vampir-Drama „Blood & Sinners“ geht mit grandiosen 16 Nominierungen ins Rennen, Paul Thomas Andersons „One Battle After Another“ ist für 13 Goldjungen nominiert, und das Tischtennis-Spektakel „Marty Supreme“ und die Vater-Tochter-Tragikomödie „Sentimental Value“ können jeweils neun Nominierungen vorweisen.

Übrigens: Was Ian McKellen beschimpft, wird von FILMSTARTS-Redakteur Julius Vietzen gefeiert. Für ihn wurde „Hamnet“ zu einer absolut intensiven Kinoerfahrung. Warum ihn das Historien-Drama so bewegt hat, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen:

2026 hat gerade erst begonnen – und trotzdem habe ich bereits eine der intensiven und bewegendsten Kino-Erfahrungen seit Jahren erlebt!

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