"Dieser Typ ist riesig": Matt Damon musste für eine seiner härtesten Rollen fast 15 Zentimeter "wachsen"
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Matt Damon zeigte 2009 in „Invictus“ eine der stärksten Leistungen seiner Karriere. Zuvor galt es jedoch ein Problem zu „überbrücken“, denn: Damon spielt darin einen 13 Zentimeter größeren Sportler. Welche Tricks dabei halfen, den Star zu vergrößern.

Seit der Geschichte des Kinos bedienen sich die Macher bestimmter Tricks, um Schauspieler auf der Leinwand größer wirken zu lassen als sie in Wirklichkeit sind. Schon bei einem der der „größten“ Filme aller Zeiten griffen die Ausstatter und Produktionsdesigner auf solche (legitimen) Schummeleien zurück. Um Humphrey Bogart in Michael Curtiz' Klassiker „Casablanca“ (1942) größer erscheinen zu lassen (er war zwei Zentimeter kleiner als seine Filmpartnerin Ingrid Bergman), trug dieser ganz besondere Schuhe.

In sogenannten „Lifts“ (auch „Elevator Shoes“ genannt) sind von außen nicht sichtbare Absätze im Schuh integriert, um Darsteller*innen künstlich zu vergrößern. Auch Bogart wirkte in seiner Rolle als Richard Blaine dank dieses speziellen Schuhwerks schließlich deutlich größer als Ilsa Lund (Bergman). Über 65 Jahre nach „Casablanca“ nutzten auch Regisseur Clint Eastwood und sein Team Methoden, um Matt Damons Körpergröße für das auf wahren Begebenheiten basierende Sport-Drama „Invictus“ anzupassen. Das Problem: Der Größenunterschied zwischen dem Oscar-Preisträger („Good Will Hunting“) und der Person, die er im Film verkörpert, betrug stattliche 13 Zentimeter.

Politik und Sport: Darum geht’s in "Invictus"

Hollywood-Legende Eastwood behandelt in „Invictus“ ein weitgehend unbekanntes Kapitel der demokratischen Wende in Südafrika. Vier Jahre sind seit seiner Haftentlassung vergangenen, als Nelson Mandela (Morgan Freeman) 1994 zum Präsidenten Südafrikas gewählt wird. Doch seither hat sich nicht viel verändert: Die Kluft zwischen den Schichten und Rassen spaltet das Land noch immer, der gegenseitige Hass ist gewaltig. Mandela sieht die Lösung im Sport. Er bringt den charismatischen (weißen) Rugby-Spieler Francois Pienaar (Matt Damon) hinter sich, der als Kapitän einer Mannschaft vorsteht, die fast nur aus Weißen besteht. Piennars Aufgabe: Die kommende Rugby-WM im eigenen Land zu gewinnen und damit das Land – symbolisch – zu einen.

Invictus - Unbezwungen
Invictus - Unbezwungen
Starttermin 18. Februar 2010 | 2 Std. 12 Min.
Von Clint Eastwood
Mit Morgan Freeman, Matt Damon, Tony Kgoroge
Pressekritiken
3,6
User-Wertung
3,7
Filmstarts
3,5

Damon sorgte schon vor dem Dreh aufgrund seiner akribischen Vorbereitung für Schlagzeilen. So arbeitete der Star monatelang mit einem Dialekt-Coach, um den südafrikanischen Akzent Pienaars glaubhaft nachahmen zu können. Um auch physisch als professioneller Rugby-Spieler durchzugehen, trainierte Damon zudem sechs Monate lang täglich im Fitnessstudio. Er nahm 15 Kilo an Muskelmasse zu, dennoch blieb das Problem des Größenunterschieds (Damon misst 1,78 Meter, Pienaar 1,91 Meter).

So wurde Matt Damon "vergrößert"

In einem Interview mit Collider erinnerte sich Damon an den Moment, als er mit Eastwood über dieses Problem sprach. Ein Umstand, der dem Schauspieler durchaus Kopfzerbrechen bereitete. „Ich hatte mich über Pienaar informiert und zu Clint gesagt: ‚Dieser Typ ist riesig.“ Er fing an zu lachen und sagte: ‚Ach was, darum musst du dir keine Sorgen machen. Kümmere dich um alles andere.’ Und ich sagte: ‚In Ordnung. Und du kümmerst dich darum, dass ich für diese Rolle 15 Zentimeter wachse’.“

Der erfahrene Eastwood, der zum Zeitpunkt von „Invictus“ bereits 29 Filme als Regisseur verantwortet hatte, machte sich wegen der Größendifferenz überhaupt keine Sorgen. Er wusste, mit welchen Tricks man Darsteller größer wirken lässt. „Durch bestimmte Set-Aufbauten und Kamerawinkel kann man eine Person so erscheinen lassen, wie man sie braucht“, sagte er in einem Interview mit dem Filmkritiker Emanuel Levy.

Neben den geschickt genutzten Kameraperspektiven kam allerdings noch ein anderer Trick zum Einsatz. Dieser erinnert an die zu Beginn erwähnten, speziell konstruierten Schuhe für Bogart. Damon trug zwar keine „Elevator Shoes“, dafür hatte er während des Drehs individuell angefertigte Einlegesohlen in seinen Schuhen, um den Größenunterschied optisch zusätzlich zu kaschieren.

Monatelanges Krafttraining und ein glaubhafter südafrikanischer Akzent: Damon bewies bei den harten Vorbereitungen Beharrlichkeit, die sich letztlich auszahlte. „Invictus“ spielte das Doppelte seiner Kosten ein und viele Kritiker*innen lobten vor allem die beeindruckende Performance Damons, der eine Oscar- und Golden-Globe-Nominierung als Bester Nebendarsteller erhielt.

Clint Eastwood wurde Mitte der 60er-Jahre dank Sergio Leones Italo-Western-Meisterwerk „Für eine Handvoll Dollar“ zum weltweiten Star. Beinahe wäre die Rolle des ikonischen wortkargen Revolverhelden an einen anderen Schauspieler gegangen – doch der war schlicht zu teuer:

Clint Eastwood bekam eine seiner ikonischsten Rollen nur deshalb, weil der ursprüngliche Star "zu teuer" war

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