"Der beste Horrorfilm des neuen Jahrhunderts": Stephen King liebt das brutale Remake eines der berüchtigtsten Schocker aller Zeiten
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Ob psychologischer Horror, Slasher-Film oder obskures Kleinod: Michael liebt das Horrorkino, seit er nach dem Schauen von „Blair Witch Projekt“ eine halbe Stunde lang wie versteinert auf dem Sofa saß.

Vor 17 Jahren kam das Remake eines 70er-Jahre-Schockers in die Kinos, der in Deutschland lange indiziert war. In den Augen der meisten Fans konnte es nicht mit dem Original mithalten – doch Stephen King sieht das völlig anders!

Stephen King ist einer der populärsten und produktivsten Schriftsteller aller Zeiten, und als Schöpfer von Werken wie „Carrie“ oder „Es“ trägt er zu Recht den Ruf eines ausgewiesenen Horror-Experten – seine Meinung hat also durchaus Gewicht. Das bedeutet allerdings nicht, dass der 78-Jährige unfehlbar wäre. Denn einige Positionen, die er vertritt, sind durchaus streitbar – längst berühmt geworden ist beispielsweise seine Abneigung gegen Stanley KubricksShining“-Adaption mit Jack Nicholson, die gemeinhin als absolutes Genre-Meisterwerk gilt (welchen Regisseur er sich stattdessen für den Film gewünscht hätte, erfahrt ihr hier).

Dazu passt, dass er auch mit einem anderen Horror-Klassiker wenig anfangen kann – und stattdessen ausgerechnet dessen mäßiges Remake auf eine Stufe mit dem Alfred-Hitchcock-Meilenstein „Psycho“ stellt, bei dem es sich laut den Bewertungen der FILMSTARTS-Community immerhin um den besten Horrorfilm aller Zeiten handelt. Die Rede ist von Wes CravensDas letzte Haus links“ (1972) bzw. der Neuverfilmung aus dem Jahr 2009.

Das letzte Haus links
Das letzte Haus links
Starttermin 19. Oktober 1973 | 1 Std. 21 Min.
Von Wes Craven
Mit Sandra Cassel, Lucy Grantham, David Hess
Pressekritiken
3,8
User-Wertung
3,0

Craven schuf mit dem (in Deutschland übrigens jahrzehntelang indizierten) Original eine zutiefst ambivalente, zeitlos verstörende Gewaltstudie, die ihr Publikum mit moralischen Grauzonen und unangenehmen Fragen konfrontiert. „The Last House On The Left“ von Dennis Iliadis hingegen reduziert die Prämisse – ein Ehepaar übt nach der Vergewaltigung seiner Tochter brutale Vergeltung – auf einen vergleichsweise generischen Rache-Thriller.

Das macht ihn nicht unbedingt zu einem schlechten Film, aber – zumal in Kombination mit seinem digitalen Hochglanz-Look – zu einem deutlich weniger erinnerungswürdigen. Während mir der Craven-Film sehr präsent ist, könnte ich mir keinen einzigen Moment aus dem Remake ins Gedächtnis rufen – obwohl ich es zu einem deutlich späteren Zeitpunkt gesehen habe.

The Last House on the Left
The Last House on the Left
Starttermin 14. Mai 2009 | 1 Std. 40 Min.
Von Dennis Iliadis
Mit Garret Dillahunt, Michael Bowen, Joshua Cox
Pressekritiken
3,1
User-Wertung
3,4
Filmstarts
3,0

Darum liebt Stephen King das "The Last House On The Left"-Remake

King ist da völlig anderer Meinung. Im Vorwort seines Buches „Danse Macabre*“ kommt er aus dem Schwärmen über „The Last House On The Left“ kaum heraus – und greift dabei zu allerlei Superlativen. So handele es sich bei dem Film in seinen Augen um den „besten Horrorfilm des neuen Jahrhunderts“ sowie „den brutalsten und kompromisslosesten Film, der seit ‚Henry: Portrait Of A Serial Killer‘ in den amerikanischen Kinos gelaufen [sei].“

„Der Motor, der diesen Film antreibt, ist das Kraftvollste, was das Genre zu bieten hat: die Angst vor dem mörderischen Anderen“, fährt der Schriftsteller fort. „In der langen Geschichte des Horrorfilms gibt es Hunderte, vielleicht sogar Tausende solcher Geschichten, und die meisten beruhen auf derselben Grundidee. Man begegnet diesem mörderischen Anderen entweder als karmische Strafe für ein Fehlverhalten – oder, und das ist schlimmer, weil man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort ist. […]

Kritiker haben die Tendenz, mit Wut und Empörung auf Werke zu reagieren, die erfolgreich in die tiefsten Schichten unserer Urängste vordringen. ‚The Last House On The Left‘ tut, genau wie Hitchcocks großartiger Film über den mörderischen Anderen, genau das. Und genauso wie der Film von Iliadis wurde auch ‚Psycho‘ zunächst mit einem Chor überwiegend negativer Kritiken empfangen.“

Das lassen wir an dieser Stelle einfach mal so stehen. Dass Iliadis' Version von „The Last House On The Left“ irgendwann einmal den Status von Hitchcocks weltberühmtem Psychothriller (oder auch nur den seiner berüchtigten filmischen Vorlage) erreicht, halten wir allerdings für extrem unwahrscheinlich...

Einen weiteren Horror-Tipp von Stephen King gibt es übrigens im nachfolgenden Artikel:

Dieser Horrorfilm verfolgt Stephen King seit Jahrzehnten: "Ließ uns in unseren Sitzen erstarren"

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