Der 2018 verstorbene Brite Lewis Gilbert lernte sein Handwerk bei der Royal Air Force, für die er Dokumentationen drehte. Später inszenierte er unter anderem die gefeierte, für fünf Oscars nominierte Komödie „Der Verführer lässt schön grüßen“ mit Michael Caine und sogleich drei Teile der „James Bond“-Reihe: „Man lebt nur zweimal“ mit Sean Connery und „Der Spion, der mich liebte“ sowie „Moonraker“ mit Roger Moore.
Weniger bekannt, aber in seiner Detailversessenheit zweifelsohne von Gilberts Ursprüngen profitierend, ist derweil der Kriegsfilm „Die letzte Fahrt der Bismarck“. Der nimmt Stoff, aus dem viele Regisseure ein ausuferndes Militärepos geformt hätten, und quetscht ihn in 98 zügig erzählte, aufwendig getrickste Minuten. Und diese Woche hat „Die letzte Fahrt der Bismarck“ eine Neuauflage auf Blu-ray erhalten!
Darum geht es in "Die letzte Fahrt der Bismarck"
1941: Das deutsche Schlachtschiff Bismarck soll von Norwegen aus in den Atlantik durchbrechen, um dort einen wichtigen Versorgungsweg der Briten abzuschneiden. Die Leitung der britischen Gegenmaßnahmen wird Kapitän Jonathan Shepard (Kenneth More) übertragen, der sogleich mehrere Kriegsschiffe losschickt, um die Bismarck zu versenken.
An Bord der Bismarck planen derweil Kapitän zur See Lindemann (Carl Möhner) und Flottenchef Admiral Lütjens (Karel Stepanek) ihren Kurs. Und während Shepard noch dazu einen Weg ins Herz seiner Kollegin Anne Davis (Dana Wynter) sucht, steigern sich die Kommandanten der Bismarck in ein gnadenloses Tauziehen um das letzte Wort...
Originalaufnahmen, historische Kulissen und ambitionierte Tricks
Wer von Militärfilmen eine klare Antikriegsbotschaft erwartet, wird von „Die letzte Fahrt der Bismarck“ bitter enttäuscht: Der von „Patton“-Drehbuchautor Edmund H. North nach einer Sachbuchvorlage des britischen Journalisten und Schriftstellers C. S. Forester verfasste Film verliert die menschlich-tragische Dimension zwar nicht völlig aus dem Blick. Gemeinhin geht aber die Drastik des Krieges unter, während auf beiden Seiten mittels simpler Dialoge Heldenmut heraufbeschworen wird.
Hinsichtlich der Darstellung militärischer Apparate verschiedenster Größenordnung spielt Gilbert dagegen sein Vorwissen aus – sowie den Umstand, dass einer der Produzenten familiäre Verbindungen zum britischen Verteidigungsministerium hatte: Der Dreh von „Die letzte Fahrt der Bismarck“ fand teilweise auf der im Zweiten Weltkrieg erbauten H.M.S. Vanguard statt, außerdem wurde bei Nachbauten penibel auf historische Genauigkeit geachtet.
Darüber hinaus konnte die „Die letzte Fahrt der Bismarck“-Crew auf historische Archivaufnahmen zurückgreifen, die zwischen das neu gedrehte Material geschnitten wurden. Für Effektaufnahmen nutzte Trickfotograf L.B. Abbott obendrein ein damals noch kaum bewährtes, später oft kopiertes Verfahren: Die vom meisterhaften Miniaturbauer Howard Lydecker gebastelten Modelle wurden unter Verwendung von sphärischen Objektiven gefilmt, die Aufnahmen dann aber mit einem optischen Printer und anamorphem Objektiv ins restliche CinemaScope-Material integriert.
Kombiniert mit der zügigen Erzählweise, einem genauen Blick für die strategischen Entscheidungen, die an Bord der Schiffe gefällt wurden, und gezielten Parallelmontagen bleibt „Die letzte Fahrt der Bismarck“ daher als mit minutiösem Aufwand gedrehte, geradlinige Kriegsfilmunterhaltung in Erinnerung – unkritische Faszination für das militärische Zahnradgetriebe inklusive.
Einen Kriegsfilm mit Haltung (und zugleich mit viel mehr Witz) haben wir euch indes im folgenden Artikel näher vorgestellt:
Obwohl ihn fast 11 Millionen Menschen im Kino gesehen haben: Dieser Kriegsfilmklassiker ist heute nahezu unbekannt – jetzt nachholen!*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.