Ab dem 16. April 2026 flimmert mit „Lee Cronin's The Mummy“ eine Neuauflage des klassischen Universal-Monsters auch in Deutschland über die Leinwände. Doch statt einem Abenteuer-Ausflug wie mit Brendan Fraser oder Tom Cruise erwartet euch hier wieder echter Horror. Dafür hat man sich mit „Evil Dead Rise“-Regisseur Lee Cronin auch einen echten Fachmann an Bord geholt, der bereits in der Vergangenheit bewiesen hat, dass er weiß, wie man das Publikum so richtig schocken kann.
Passend zum Kinostart hatte FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler die Möglichkeit, mit Lee Cronin über seinen Schocker zu sprechen. Wir wollten wissen, ob es eigentlich sein erklärtes Ziel ist, alle Eltern langfristig zu traumatisieren und welche Rolle gutes Sounddesign für ihn spielt. Doch zuerst haben wir einmal nachgefragt, was es denn eigentlich mit dieser ungewöhnlichen Titelauswahl auf sich hat.
Warner Bros.
FILMSTARTS: Wie bist du auf diesen ungewöhnlichen Titel gekommen? Wolltest du klarstellen, dass es sich nicht um eine Fortsetzung des Abenteuerfilms „Die Mumie“ mit Brendan Fraser handelt?
Lee Cronin: Das war ein Prozess und geschah in Absprache mit meinen großartigen Partnern Jason Blum und James Wan bei der Produktion des Films. Sie waren der Meinung, dass dieser Film aufgrund meiner Art, Geschichten zu erzählen, und seiner Andersartigkeit eine eigene Identität verdient, um ihn von früheren „Mummy“-Versionen abzugrenzen.
FILMSTARTS: Wie bist du auf die Idee gekommen, diesem Horror-Klassiker neues Leben einzuhauchen?
Lee Cronin: Es begann also damit, dass James Wan zu mir sagte: „Was hältst du von Mumienfilmen?“ Und ich meinte: „Ich denke ehrlich gesagt nicht viel darüber nach.“ Es ist nicht so, dass ich sie nicht mag, aber sie gehören nicht zu den Dingen, die viel Platz in meinem Kopf einnehmen. Aber er sagte: „Wie wäre es, wenn wir versuchen, einen richtig gruseligen Mumienfilm zu machen?“ Und dann dachte ich so bei mir, dass wir ja gleich versuchen könnten, den gruseligsten Mumienfim zu drehen, der je produziert wurde.
Der Durchbruch für mich war, dass es in der Geschichte, die ich erzählen wollte, zwar um Mumifizierung geht – diese aber einem anderen Zweck dient. In Mumienfilmen der Vergangenheit ging es oft um Pharaonen, Könige, Königinnen und prunkvolle Sarkophage, mit Gold überzogene Särge und ähnliche Dinge. Ich wollte aber einen anderen Ansatz. Ich stellte die Frage, was wäre, wenn jemand, der dir nahesteht, mumifiziert würde. Was natürlich gleich die Frage nach dem „Warum“ aufwirft. Und so konnte ich anfangen, eine Geschichte zu erzählen. Das brachte die Idee eines vermissten Kindes und all das Geheimnisvolle mit sich, das in diesem Film eine Rolle spielt.
FILMSTARTS: In vielen deiner Filme steht die Familie im Mittelpunkt. Ist es dein Ziel, den ultimativen Traumafilm für Eltern zu schaffen?
Lee Cronin: [lacht] Ja, irgendwie schon. Ich hoffe, dass dies der Film sein wird. Mir kam mitten in den Dreharbeiten ein Gedanke, und ich fragte mich, ob ich immer nur Geschichten über Familien erzählen werde. Mir wurde dann aber klar, dass fast jeder Film auf die eine oder andere Weise von Familie handelt. „Der Soldat James Ryan“ handelt von Familie. Und selbst „Seven“ handelt von dieser kleinen Familie, die kurz davor steht, zu wachsen. In gewisser Weise dreht sich also immer alles wieder um die Familie.
Mir gefällt es, das Thema in verschiedenen Formaten zu betrachten. Die Familie in dieser Geschichte ist zum Beispiel eher traditionell. In meinem ersten Spielfilm, „The Hole In The Ground“, geht es um eine Alleinerziehenden-Familie. Ich werde Familien nicht unbedingt immer bestrafen oder sie solch extremen Situationen aussetzen, aber ich bin immer daran interessiert, das zu erforschen, was uns allen am nächsten ist: unsere Familie.
Warner Bros.
FILMSTARTS: Gab es einen Moment beim Schreiben des Drehbuchs, in dem du dachtest: „Scheiße, Eltern werden mich für diesen Moment hassen?“
Lee Cronin: Ich glaube nicht, dass es einen bestimmten Moment gab. Ich glaube eigentlich, dass Eltern diesen Film genießen werden, weil er auch reichlich Herz besitzt. Die Eltern in meinem Film befinden sich in einer ziemlich verzweifelten Lage. Das Schlimmste, was ihnen passieren konnte, ist eingetreten. Vielleicht ist die Streitszene zwischen den Eltern wirklich zu nah an der Realität. Dieser Moment könnte die Leute berühren oder sie vielleicht an Streitigkeiten erinnert, die sie mit ihren Liebsten haben.
FILMSTARTS: Mich hat die Szene auf dem VHS-Band richtig erwischt. Da musste ich wirklich schwer schlucken.
Lee Cronin: Ja, das stimmt! Danke, dass du mich daran erinnert hast. Ich sehe das so: es ist eine herausfordernde, aber wirklich notwendige Szene im Film. Ich bin sehr behutsam damit umgegangen – auch was das Sounddesign angeht. Es war auch für unsere Darsteller einer der schwierigsten Momente, was die authentische Reaktion auf das Schockierende betrifft, mit dem sie konfrontiert sind. Aber es war notwendig, weil es die Antwort liefert, nach der die Eltern die ganze Zeit gesucht haben. Wir wollen alle Antworten auf die Dinge, die uns traumatisieren. Und vielleicht gefallen uns die Antworten nicht, aber letztendlich wird uns die Konfrontation mit diesen dunklen Dingen heilen.
FILMSTARTS: Apropos Sounddesign: Täusche ich mich, oder hast du in diesem Film besonders auf den Ton geachtet? In manchen Momenten wirkt er extrem kraftvoll, zum Beispiel bei der Sandsturm-Szene.
Lee Cronin: Ja, definitiv. Ich bin für das Sounddesign zuständig und arbeite mit Peter Albrechtsen und einem brillanten Team von Kreativen zusammen – das macht für mich 50 Prozent des Prozesses aus. In meinen Drehbüchern ist auch der Ton immer festgeschrieben. Ich versuche, das von Anfang an als Teil der Geschichte aufzubauen. Ich denke immer daran, wie bei meinem Drehbuch zu „Evil Dead Rise“: Die ersten Worte auf der Seite beschreiben, was man hört, bevor man es sieht.
Es gibt sehr viele Details. Wir bauen viel anwachsenden Ton und Druck auf. Und das gilt auch für unsere Musik im Film. Wir wollten eine wirklich angespannte und unbehagliche Atmosphäre schaffen. Das Haus ist fast schon eine Figur – es knackt und knarrt. Und auch in unserer Musik haben wir viele Klänge verwendet, die sich wie Dehnung, Druck und Spannung anfühlen – als ob Fesseln gelöst werden. Aber ich denke, das spielt in einem Horrorfilm eine riesige Rolle, was das Gesamterlebnis angeht, diese Achterbahnfahrt, auf die ich euch mitnehmen möchte.