Darum ließ uns Quentin Tarantino über 20 Jahre auf "Kill Bill: The Whole Bloody Affair" warten
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Seit über 20 Jahren kursiert schon eine erste „ultimative“ Version von „Kill Bill“. Immer wieder wurde „The Whole Bloody Affair“ angekündigt, doch nie veröffentlicht. Jetzt gibt es das Epos endlich im Kino. Doch warum hat das so lange gedauert?

Für Quentin Tarantino war „Kill Bill“ immer ein einziger Film. Ein episches Rachewerk, das stilistisch zwischen Martial-Arts-Film, Western und Anime wechselt. Doch während der Produktion wurde schnell klar: Das Material war zu umfangreich. Also entschied man sich, den Film zu teilen. „Kill Bill: Vol. 1“ kam 2003 in die Kinos, „Kill Bill: Vol. 2“ folgte wenige Monate später 2004.

Und bereits da begann auch die Geschichte von „The Whole Bloody Affair“. Denn kurz nach der Veröffentlichung der beiden Einzelfilme zeigte Tarantino erstmals öffentlich einen Zusammenschnitt mit diesem Titel. Doch es ist nicht die Version, die jetzt in den Kinos läuft.

Die erste "Whole Bloody Affair" – und der Anfang der Ankündigungssaga

Bereits im Frühjahr 2004 zeigte Tarantino bei den Filmfestspielen in Cannes erstmals eine zusammenhängende Version unter dem Titel „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“. Schon damals hieß es, dass diese auch bald veröffentlicht werden würde. Doch sie kam nie.

Tarantino erklärte dazu später im Podcast „The Church Of Tarantino“, dass er nach der intensiven Arbeit an dem Rache-Epos einfach ausgebrannt war: „Ich hatte vor, zigtausend Dinge mit ‚Kill Bill‘ anzustellen, aber als ich fertig war – nun ja, das war ein verdammt harter Film. Dann dachte ich mir: ‚Okay, damit bin ich erst mal eine Weile durch.‘“

Das Warten auf die richtige Version der "Whole Bloody Affair"

Nur in Japan erschien dann ein Zusammenschnitt – hier auch mit der aus Jugendschutzgründen in Schwarz-Weiß entschärften Sequenz beim blutigem Kampf im Haus der blauen Blätter wieder in Farbe. Doch weltweit veröffentlichen wollte den Tarantino nicht. Zum einen sollte Japan einfach eine besondere Stellung bekommen, weil der Film und seine Inspirationen so eng mit dem Land verknüpft sind. Zum anderen war Tarantino noch nicht ganz zufrieden.

Er wusste, dass er noch etwas Arbeit reinstecken musste. Darüber hinaus eröffnete sich eine ungeahnt Möglichkeit am Horizont. Im ursprünglichen Drehbuch ist die Anime-Rückblende viel umfangreicher als in „Kill Bill Vol. 1“. Doch das von Tarantino mit der Umsetzung beauftragte „Ghost In The Shell“-Studio Production I.G machte dem Regisseur frühzeitig klar, dass es unmöglich sei, all das Material in der entsprechenden Zeit zu realisieren. Tarantino musste sich so auf einen kleinen Teil der Vorgeschichte von Killerin O-Ren Ishii (Lucy Liu) beschränken.

Die neue Anime-Sequenz entstand erst Jahre später. StudioCanal
Die neue Anime-Sequenz entstand erst Jahre später.

Als klar wurde, dass Tarantino irgendwann „The Whole Bloody Affair“ herausbringen wird, machte man sich bei Production I.G auf eigene Faust daran, mehr zu animieren. Die jetzt im Kino laufenden, erweiterten Anime-Szenen waren nicht Bestandteil der vorherigen Vorführung in Cannes.

Immer neue Ankündigungen sorgen für einen Mythos!

2008 kündigte Quentin Tarantino dann einen Kinostart für Mai 2009 an, verriet dann aber später, dass der verschoben werden musste. Wir gehen davon aus, dass die Anime-Szenen hier einfach noch nicht fertig waren. Im März 2011 gab es dann eine erste Vorführung dieser neuen Version von „The Whole Bloody Affair“ in Tarantinos eigenem Kino, dem New Beverly in Los Angeles.

Vorerst zeigt Tarantino den Film immer wieder mal exklusiv nur dort. Wie er im Podcast „The Church Of Tarantino“ erklärte, gefiel ihm die Tatsache, „dass man in mein Kino kommen muss, um es zu sehen, und der Film nicht einfach auf einem Stapel DVDs und Blu-rays liegt, die man sich irgendwann mal ansieht“. In dem Moment, in dem man den Film in der Hand halte und jederzeit sehen könne, bedeute er einfach weniger.

Dadurch entwickelte sich die Version zu einem Mythos unter Fans. Kaum jemand hatte sie gesehen, aber alle wussten, dass sie existiert. Und immer wieder spielte Tarantino mit der Ankündigung einer großen Veröffentlichung, die dann doch nicht kam. Denn mittlerweile hatte der „Pulp Fiction“-Kultregisseur einen Grund zu warten.

Tarantinos Warten auf die Rechte

Ein Film dieser Größe wird nicht einfach nebenbei neu ausgewertet. Es steckt eine komplizierte Rechtesituation dahinter. Die Rechte an „Kill Bill“ lagen lange bei der Weinstein Company. Tarantino hätte „The Whole Bloody Affair“ nur gemeinsam mit dem Unternehmen in die Kinos bringen können, was zumindest 2014 kurzzeitig noch der Plan war. Ein paar Jahre später war das aber keine Option mehr.

2017 kamen zahlreiche Vorwürfen von sexuellen Übergriffen bis hin zu Vergewaltigungen gegen Firmeninhaber Harvey Weinstein ans Licht. Damit war jede weitere Zusammenarbeit Geschichte – gerade weil auch „Kill Bill“-Star Uma Thurman zu den zahlreichen Frauen gehört, die dem einflussreichen Produzenten Fehlverhalten vorwarfen.

Doch Tarantino hatte eine seltene Klausel in seinem Vertrag zu „Kill Bill“: 20 Jahre nach dem Start der beiden Filme fallen alle Rechte an ihn zurück. Und das war irgendwann sein Fixpunkt: „Im Grunde wollte ich gar nichts damit machen, bis es mir gehört. Ich wollte warten, bis die Rechte komplett bei mir liegen. Jetzt gehört es mir“, sagte er so im bereits erwähnten Podcast „The Church Of Tarantino“. Wohl ab 2024 hatte Tarantino die Rechte wieder, jetzt stimmten die Rahmenbedingungen und es kam endlich Bewegung in das Projekt.

Ab sofort: Die "ultimative" Version läuft im Kino

Tarantino hat noch einmal daran gefeilt. Es gibt Farbkorrekturen und kleine Schnitte sind anders gesetzt. Diese Version feierte im Juli 2025 ihre Premiere im Vista Theatre in Los Angeles, einem weiteren Kino, das mittlerweile Quentin Tarantino selbst gehört.

Bekanntlich verfilmte er gemeinsam mit den Verantwortlichen des Videospiels „Fortnite“ danach noch ein Drehbuch-Kapitel, das er bei den ursprünglichen Dreharbeiten nicht realisieren konnte. Es ist zwar nicht in „The Whole Bloody Affair“ integriert, aber läuft nach dem Abspann. Falls ihr euch für die ganzen Änderungen interessiert, empfehlen wir euch unser Video dazu:

Im Dezember 2025 kam dann endlich der reguläre Kinostart – zuerst in Nordamerika. Jetzt und damit mehr als zwei Jahrzehnte nach der Premiere von „Kill Bill: Vol. 1“ könnt ihr „The Whole Bloody Affair“ endlich regulär auch in den deutschen Kinos schauen.

In einigen wenigen Kinos läuft das Rache-Epos dabei in der besten Fassung, die Tarantino bevorzugt. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:

Nur in diesen Kinos könnt ihr "Kill Bill: The Whole Bloody Affair" in der besten Fassung schauen

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