Ob als Fernsehserie, Kinofilmsaga oder in Comics: Geschichten aus dem „X-Men“-Kosmos setzen sich oft mit gesellschaftlicher Ausgrenzung, Schamgefühl, mangelnder Selbstakzeptanz und dem Kampf für Toleranz auseinander. Es sei denn, man stolpert über eine der Ausnahmen, die die Regel bestätigen – wie das selbstreferenzielle Nostalgiefest „Deadpool & Wolverine“, das seine Selbstbeweihräucherung durch eine extra Dosis Vulgärsprache vertuscht.
Doch selbst in Fällen wie „Logan – The Wolverine“ ist irgendwann Schluss mit Introspektive und bittersüßer Melancholie. Es muss ja auch mal wieder ein Fiesling vermöbelt werden, um den Erwartungen ans Popcornkino zu genügen! Für alle Filmfans, die die emotionale, metaphorische Seite der „X-Men“-Geschichten lieben und gerne mehr davon hätten, steht nun ein sehenswerter TV-Termin an:
In der Nacht vom 24. auf den 25. April 2026 feiert im BR „Animalia“ seine deutsche Fernsehpremiere – ein ruhiges, verletzlich-schönes und magisches Coming-Of-Age-Drama aus Frankreich. Der Film ist außerdem als Leih- und Kauf-VOD verfügbar, etwa via Amazon Prime Video.
Gut zu wissen: Wenn ihr Galactic Stream als Prime Video Channel* abonniert habt, könnt ihr „Animalia“ sogar ohne Zusatzkosten abrufen. Sparfüchse machen derweil davon Gebrauch, dass „Animalia“ für kurze Zeit in der ARD-Mediathek zur Verfügung steht!
Darum geht es in "Animalia"
Die nahe Zukunft: Immer mehr Personen verwandeln sich im Laufe eines oft verwirrenden, schmerzhaften Prozess zu Mensch-Tier-Mischwesen. In der medizinischen Forschung wird nach den Ursachen dafür und etwaigen Behandlungsmöglichkeiten gesucht. Unterdessen werden in Frankreich Zentren eingerichtet, in denen die Betroffene untergebracht werden können. Als eines Tages ein Konvoi verunglückt, fliehen zahlreiche der darin untergebrachten Wesen in die Wildnis.
Daher begeben sich François (Romain Duris) und Émile (Paul Kircher) voller Sorge auf die Suche nach ihrer Ehefrau respektive Mutter, die sich ebenfalls in dem Transport befand. Bei ihrer Mission erhalten sie heimlich Unterstützung durch die Polizistin Julia (Adèle Exarchopoulos) und Émile macht zudem Bekanntschaft mit Fix (Tom Mercier), einer der entflohenen „Kreaturen“ ...
Ein ruhiger, nachdenklicher Metaphernhybrid
Regisseur/Autor Thomas Cailley und Autorin Pauline Munier nutzen ihr Szenario, das die nahe Zukunftsvision einer erschöpften Gesellschaft, magischen Realismus und jugendliche Selbstfindungsdramatik verquickt, um ihr Publikum in ein Dickicht aus Metaphern zu locken: Die Tiermutationen stehen teils in der Tradition von die Pubertät symbolisierendem Bodyhorror – Körper und Hormone verändern sich, damit auch die Persönlichkeit und mit verunsicherndem Effekt das Selbstbild.
Zugleich stehen die Mensch-Tier-Mischwesen für ausgegrenzte Personengruppen unterschiedlicher Art: Wie die Mehrheitsgesellschaft in „Animalia“ auf Begegnungen mit ihnen reagiert, erinnert an Horror- und Fantasyfilme, in denen die zentralen Kreaturen metaphorisch-dramatisch zugespitzte Xenophobie, Rassismus und/oder Queerfeindlichkeit durchleiden. Aus solchen Filmen bekannt ist auch die hier vermittelte Erkenntnis: Weil der Masse diese Minderheiten unbekannt sind, nimmt sie sie als bedrohlich wahr – dabei sind es die Tiermenschen, die unter einem gegen sie agierenden, verständnislosen und feindlichen Umfeld leiden.
Ausbruch aus dem Gedankengefängnis
All dies wird verbunden mit einem Narrativ über unterschiedliche Formen der Rebellion: Während François zivilen Ungehorsam zelebriert und schwärmend den Dichter und Résistance-Kämpfer René Char zitiert („Was nichts in Aufruhr bringt, verdient weder Rücksicht noch Geduld“), lebt sein Sohn mit zunehmender Überzeugung eine sanftmütigere, geduldigere Mentalität vor. Diese Bedeutungsebenen harmonieren in „Animalia“ nicht durchweg. Dafür steigert sich Cailleys Inszenierung in harschen Momenten zu sehr in grotesk-schmerzlichen Bodyhorror und in ruhigen Passagen arg plötzlich in eine Arthouse-Elegie hinein.
So sehr „Animalia“ daher ächzt, wann immer Cailley die Gangart wechselt, so eindrucksvoll hallt dieses Fantasy-Drama nach, wenn es über längere Strecken in einer Stimmung verharrt. Zu verdanken ist dies der malerisch-atmosphärischen Kameraarbeit von David Cailley (dem Bruder des Regisseurs), stimmungsvoll eingefangenen Sequenzen des Freud und Leids im abgeschiedenen Provinzleben sowie den feinfühligen Performances.
So bleibt „Animalia“ als von Tragik und Poesie durchzogener, zwischendurch überraschend komischer Film über individuelle sowie gesellschaftliche Wachstums- und Wandlungsprozesse. Und wenn ihr Romain Duris in einer schrofferen Zukunftsvision sehen möchtet, solltet ihr den folgenden Heimkino-Tipp nicht versäumen:
Neu im Heimkino: Ein knallharter Sci-Fi-Thriller im Stil von "Minority Report" und "Blade Runner"FILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
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