Konkurrenz für Christopher Nolans "Die Odyssee": Auch der "Fluch der Karibik"-Macher verfilmt das Fantasy-Epos – dank eines TikTok-Hypes
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

In wenigen Monaten kommt Christopher Nolans „Die Odyssee“ in die Kinos – und dürfte das Interesse an dem legendären Epos neu befeuern. Bei TikTok ist die Geschichte aber schon groß – und das führt jetzt zu einer weiteren Kinoversion.

Universal Pictures

Jerry Bruckheimer, einer der erfolgreichsten Produzenten Hollywoods, hat mit „Epic“ eine weitere Filmversion von Homers Sage „Die Odyssee“ angekündigt. Der Verantwortliche hinter gigantischen Hollywood-Erfolgen wie „Fluch der Karibik“, „Top Gun“ und zuletzt „F1“ plant dabei aber eine Version, die sich deutlich von Christopher Nolans Unterfangen unterscheiden wird.

Wer wie der Autor dieser Zeilen die ersten Minuten von Nolans „Die Odyssee“ schon sehen konnte, hat am eigenen Körper erfahren, dass der „Oppenheimer“- und „The Dark Knight“-Regisseur auf düster-intensive Dauerspannung zu setzen scheint. Bruckheimers „Epic“ wird dagegen wohl ein knallbunt-animiertes Fantasy-Musical – und dessen Ausgangspunkt hat bereits Milliarden Aufrufe auf TikTok.

Vom TikTok-Hype zum Musical: Das ist "Epic"

Alles begann mit dem Komponisten Jorge Rivera-Herrans, der als Studienarbeit mit der Entwicklung eines Musicals basierend auf Homers Sage begann. Seine Idee war nicht nur das Schreiben neuer Songs, sondern auch ein visuell einzigartiger Ansatz: animierte Bilder, die von Videospielen und Animes beeinflusst sind. Bald begann er auf Social Media Eindrücke seiner Musik zu veröffentlichen und fand ein riesiges Publikum. Eine Million Menschen auf Instagram, 1,4 Millionen auf YouTube und 2,4 Millionen auf TikTok verfolgen die Arbeit des Künstlers.

Die Lieder kletterten sogar in den iTunes-Charts auf Spitzenränge. In der Kategorie Soundtrack hatte „Epic“ laut dem Hollywood Reporter zu einem Zeitpunkt sogar neun von zehn Plätzen in den Top-10 inne. Die Fans beteiligten sich bald auch am Projekt, teilten eigene Ideen für die visuelle Umsetzung und schufen animierte Szenen. Allein auf TikTok wurde „Epic“ zum globalen Phänomen und sammelte Milliarden Aufrufe mit zahlreichen Kurzvideos. Nun mischt also Hollywood mit.

Das gab es von Jerry Bruckheimer noch nie

Jahrelang umwarb die Musikindustrie Jorge Rivera-Herrans, bevor er 2023 mit der Atlantic Music Group von Kevin Weaver einen Deal schloss. Der Musikproduzent und Soundtrack-Spezialist verfügt über exzellente Verbindungen zu Jerry Bruckheimer, mit dem er schon häufig arbeitete, und holte den Erfolgsfilmemacher zusätzlich an Bord. Gemeinsam will das Trio jetzt „Epic“ – passend zum Titel – zum Film-Epos machen, dabei aber den Kern der Ausgangsidee wahren.

„Epic“ wird also die beschwerliche Heimreise von Sagenheld Odysseus als Animationsmusical mit der Musik von Rivera-Herrans und seiner knallbunten Ästhetik erzählen. Es ist das erste Mal in seiner Karriere, dass Jerry Bruckheimer ein animiertes Musical macht. Doch natürlich steht er wie kaum jemand sonst in der Filmbranche für Musik-Kino.

Jerry Bruckheimer revolutionierte Musik im Kino

Schließlich war es Bruckheimer, der in den 1980er-Jahren das Blockbuster-Kino akustisch neu definierte und Filme teilweise in zweistündige Musikvideos verwandelte. Er perfektionierte die Strategie, einen Film zeitgleich mit einer Single zu veröffentlichen, die im Radio und auf MTV rauf und runter lief. Der Song verkaufte den Film und der Film verkaufte den Song. „What A Feeling“ und „Flashdance“, „Take My Breath Away“ und „Top Gun“ oder „I Don't Want to Miss A Thing“ und „Armageddon“ sind einige der prominenten Beispiele.

Auch den Einsatz von Scores prägte Bruckheimer durch seine enge Zusammenarbeit mit Komponisten wie Harold Faltermeyer und Hans Zimmer nachhaltig. Daraus entstanden nicht nur ikonische, oft kopierte und wiederverwendete Klänge wie in „Top Gun“, „The Rock“ oder „Fluch der Karibik“. Mit Musik unterlegte Montagen wurden in dieser Ära fester Bestandteil des Blockbuster-Kinos.

Bis wir "Epic" sehen, wird es noch dauern

Wir dürfen also gespannt sein, wie „Epic“ ausfällt und wie sich die Zusammenarbeit zwischen Veteran Bruckheimer und Newcomer Rivera-Herrans gestaltet. Bis wir mehr sehen, müssen wir uns aber noch gedulden.

Das Projekt ist in einer frühen Entwicklungsphase. In Kürze wollen es die Verantwortlichen mit Unterstützung der Creative Artists Agency (CAA), einer der wichtigsten und größten Agenturen Hollywoods, erst einmal bei diversen Studios und Streamingdiensten vorstellen. Dabei wird man also einen weiteren Partner suchen, der dann wohl auch den Großteil der Finanzierung schultern dürfte.

Mit einem großen Interesse wird dabei gerechnet. Wie das Branchenmagazin Hollywood Reporter in seiner Berichterstattung über den Aufsehen erregenden Deal erklärte, könne „das Timing kaum besser“ sein. Schließlich erzeugte Christoper Nolans Version bereits einen „Hype, der ihn zu einem der größten Filme des Jahres machen könnte“. Dazu komme die „fieberhafte Fangemeinde, die ‚Epic‘ hervorgebracht hat“.

Der Hollywood Reporter kommt deswegen sogar zum Schluss, dass sich Homers Erzählung „vermutlich auf einem Höhepunkt der Anerkennung befindet, wie man ihn nicht mehr erlebt hat, seit der antike griechische Dichter im 8. Jahrhundert v. Chr. erstmals begann, sie in seiner Toga vorzutragen“.

Falls ihr mal in das Projekt reinhören wollt, geht das unter anderem auf Spotify. Hier ist zum Beispiel das erste von neun Alben, welches sich mit dem Auftakt der Sage, dem Kampf um Troja, beschäftigt:

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