Heute streamen: Zwei doppelte Oscargewinner in einer brillanten Literaturverfilmung, die niemand von euch je vergessen wird!
Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Oliver Kube ist seit den 1990ern als Journalist/Kritiker in Sachen Film, TV, Musik, Literatur & Technik tätig. Für FILMSTARTS schreibt er seit 2018.

Großes Schauspieler*innen-Kino ist euer Ding? Und das am liebsten in historisch-edlem Ambiente mit einer klugen Story, die auf einem Weltbestseller basiert? Dann hat FILMSTARTS-Autor Oliver Kube einen dringenden Streaming-Tipp für euch:

Filme mit so außergewöhnlich talentierten Leuten wie Anthony Hopkins (oscarprämiert für „Das Schweigen der Lämmer“ und „The Father“) oder Emma Thompson („Sinn und Sinnlichkeit“ und „Wiedersehen in Howards End“) in der Hauptrolle sind allein schon aufgrund ihrer Beteiligung fast immer ein Genuss. Treten zwei solche Großkaliber dann aber zusammen auf und werden obendrein noch von einem Regie-Giganten wie James Ivory („Zimmer mit Aussicht“, „Maurice“) inszeniert, dann stehen die Chancen mehr als gut, dass uns ein Meisterwerk offeriert wird. Und genau so kam es, als dieses Trio sich gemeinsam an die Arbeit zu „Was vom Tage übrig blieb“ (1993) machte.

Den unvergesslichen Was vom Tage übrig blieb“ könnt ihr für ein paar wenige Euro derzeit bei Anbietern wie Amazon Prime Video, Apple TV oder Rakuten TV als Video-on-Demand leihen oder kaufen:

Hopkins und Thompson brillieren

Fragt man Anthony Hopkins, in welchen Filmen er seiner Meinung nach die besten Schauspieljobs gemacht hat, nennt der walisische Edelmime überraschenderweise nicht „Das Schweigen der Lämmer“, für den er seinen ersten Oscar erhielt. Der Sir denkt hingegen, dass diese Ehrung vielmehr seinen Auftritten in „Nixon“, „Mit Herz und Hand“ oder „Was vom Tage übrig blieb“ gebührt hätte.

Ich liebe „Das Schweigen der Lämmer“ und was Hopkins darin als kannibalistischer Serienkiller Hannibal Lecter abgezogen hat. Dennoch stimme ich ihm zumindest in Bezug auf die letztere der drei von ihm genannten Performances vollumfänglich zu. Er wurde für „Was vom Tage übrig blieb“ ja auch völlig zu Recht für einen Academy-Award nominiert, zog allerdings letztlich gegenüber Tom Hanks für „Philadelphia“ den Kürzeren. Hopkins' Spiel ist hier meisterhaft präzise und kontrolliert – perfekt dem Bild eines distinguierten Butlers in einem hohen Hause entsprechend. Trotzdem gelingt es ihm mit minimalen Gesten oder kleinen Blicken immer wieder, uns einen Einblick in das bewegte Innenleben seiner Figur zu gewähren, die er nach außen hin so perfekt nüchtern und neutral darstellt.

Eine kaum weniger großartige Leistung liefert Emma Thompson ab, die ebenfalls für den Oscar nominiert wurde und wie Hopkins aber unterlag (Holly Hunter triumphierte für „Das Piano“). Ihre Figur ist deutlich lebendiger und emotionaler, kann sich als Haushälterin jedoch genauso wenig erlauben, aus den Konventionen ihrer Stellung – sowohl an ihrem Arbeitsplatz als auch in der damaligen Gesellschaft! – auszubrechen. Das Zusammenspiel des Duos ist zu gleichen Teilen herzerwärmend und herzzerreißend sowie einfach nur atemberaubend gut.

Beide Charaktere wurden vom Autor der Buchvorlage, dem Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro („Alles, was wir geben mussten“), genial konstruiert und in eine komplexe Welt hineinversetzt, die ihnen nur wenig zugesteht, aber doch alles abverlangt. Das klug deren Essenz erfassende und mit einem feinen Hauch von Humor versehende Drehbuch von Ruth Prawer Jhabvala („Jefferson in Paris“) sowie die souverän-subtile Inszenierung von James Ivory transferieren den Roman absolut stimmig auf die Leinwand beziehungsweise auf unsere heimischen Bildschirme.

Wie Rezensent René Malgo in der die rare Höchstwertung von 5 Sternen vergebenden FILMSTARTS-Kritik analysiert, sorgt die Arbeit aller Beteiligten zusammen mit der brillanten Ausstattung für eine beachtliche Atmosphäre. Diese strahlt zwar ein typisch romantisiertes Filmambiente aus. Aufgrund der realistischen Thematik und nüchternen, dabei aber niemals distanzierten Erzählweise kann trotzdem Lebensnähe erzeugt und vor allem dann auch bis zum Finale beibehalten werden.

„Was vom Tage übrig blieb“ ist eine Sternstunde des Kinos, die bis heute nichts von ihrem Glanz verloren hat. Ich kann euch dieses mit Stars wie Hugh Grant („Vier Hochzeiten und ein Todesfall“), James Fox („Die Stunde der Patrioten“), Christopher Reeve („Superman“), einer noch sehr jungen Lena Headey („Game Of Thrones“) oder Ben Chaplin („Der schmale Grat“) selbst in den Nebenparts hochkarätig besetzte Meisterwerk wirklich nur wärmstens empfehlen. Das gilt genauso für zweite oder dritte Sichtungen. Es werden euch nahezu garantiert noch Details auffallen, die ihr beim ersten Durchgang verpasst habt.

Was vom Tage übrig blieb
Was vom Tage übrig blieb
Starttermin 10. März 1994 | 2 Std. 14 Min.
Von James Ivory
Mit Anthony Hopkins, Emma Thompson, James Fox
Pressekritiken
4,3
User-Wertung
4,1
Filmstarts
5,0
Im Stream

Solltet ihr nach „Was vom Tage übrig blieb“ traurig sein, dass es schon vorbei ist, kann ich euch leider keine Fortsetzung anbieten. Nicht minder lohnenswert wäre dafür „Wiedersehen in Howard's End“, den James Ivory ein Jahr zuvor ebenfalls mit Anthony Hopkins und Emma Thompson plus unter anderem Helena Bonham Carter und Vanessa Redgrave realisiert hatte. Hier handelt es sich um eine weitere rundum gelungene Romanverfilmung (dieses Mal nach E.M. Forster) in einem wunderbaren, historischen Setting.

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"Was vom Tage übrig blieb": Das ist die Story

England, 1958: Im Rahmen einer Zwangsversteigerung erwirbt der US-amerikanische Millionär und ehemalige Kongressabgeordnete Jack Lewis (Christopher Reeve) das opulente Herrenhaus des dort kürzlich in Schande verstorbenen Lord Darlington (James Fox). Dem Adligen wurde vorgeworfen, vor dem Krieg mit den Nazis sympathisiert zu haben.

Da erhält Stevens (Anthony Hopkins), der langjährige Butler des Anwesens, einen Brief von Miss Kenton (Emma Thompson), die früher einmal Haushälterin in Darlington Hall war. Nach Jahren der Funkstille erkundigt sie sich nach Stevens Befinden und dem Zustand des Hauses. Als Stevens seiner aus Pflichtgefühl damals unterdrückten Liebe ihr gegenüber gedenkt, beschließt er, Miss Kenton aufzusuchen, um seinen Fehler nach all der Zeit nun endlich gutzumachen…

Auf jeden Fall sehenswert ist außerdem ein deutlich neuerer Film mit Anthony Hopkins, den ich euch im folgenden Artikel ans Herz legen möchte:

Heute Abend streamen: "Einer der besten Filme des 21. Jahrhunderts" mit zweifachem Oscargewinner in der Titelrolle

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