Anfang des Jahres 2026 war es eines der hitzigsten Popkultur-Streitthemen: „Saltburn“-Regisseurin Emerald Fennell schnappte sich den weltberühmten, vielschichtigen Roman „Sturmhöhe“ und formte ihn mit „Wuthering Heights“ zu einer stilisierten, sexuell aufgeladenen, tragischen Romanze. Nicht zuletzt dank der namhaften Besetzung in Form von „Barbie“-Hauptdarstellerin Margot Robbie und „Euphoria“-Star Jacob Elordi war dem Projekt enorme Aufmerksamkeit gewiss.
Währenddessen sorgte der Graben zwischen dem literarischen Stellenwert der Vorlage und der lüstern-pop(p)igen Ästhetik der Filmpromo für an- sowie aufgeregte Debatten. Am Ende sprang ein weltweites Einspielergebnis von über 240 Millionen Dollar bei einem Budget von 80 Millionen Dollar heraus – sowie eklektisches Presseecho.
Ganz gleich, ob ihr euch seit eurem Kinobesuch begierig nach einer erneuten Begegnung mit „Wuthering Heights“ sehnt oder ihr den strittigen Film nachholen möchtet – jetzt wird das denkbar einfach! Denn seit dieser Woche ist „Wuthering Heights“ im Heimkino auf DVD, Blu-ray und 4K-Blu-ray erwerblich:
Wenn ihr auch ganz ohne Haptik glücklich werdet, findet ihr „Wuthering Heights“ auf zahlreichen Plattformen als VOD, etwa bei Prime Video*. Bei HBO Max ist das erotisierte Drama über Sehnsucht und Missgunst sogar im Abo enthalten – und HBO Max könnt ihr als Prime Video Channel* beziehen.
Und wenn ihr Fennells sehr freie Interpretation der Buchvorlage mit der ursprünglichen Vision der englischen Autorin Emily Brontë vergleichen möchtet: Bei Amazon* und natürlich im gut sortierten Buchhandel ist auch der viel diskutierte, einflussreiche Roman erhältlich!
Darum geht es in "Wuthering Heights"
Der sonst grantige Mr. Earnshaw (Martin Clunes) nimmt eines Tages den Findelknaben Heathcliff (Owen Cooper) in seine Familie auf. Die Güte des Hausherren hat rasch wieder ein Ende: Heathcliff wird auf dem abgelegenen Anwesen Sturmhöhe mehr geduldet als akzeptiert. Lediglich Cathy (Charlotte Mellington), die Tochter des Hauses, baut eine intensive Nähe zu ihm auf.
Als Cathy (später verkörpert von Margot Robbie) sich allerdings aus gesellschaftlichem Kalkül dazu entschließt, den wohlhabenden Edgar Linton (Shazad Latif) zu ehelichen, bricht für Heathcliff (nun gespielt von Jacob Elordi) die Welt zusammen. Er verschwindet spurlos – und kehrt Jahre später mit dem Plan zurück, seine vermeintliche Seelenverwandte zu erniedrigen...
Lust-Fiebertraum, Umdeutung mit Durchhängern oder emotionale Kino-Wucht?
Nachdem schon die „Wicked“-Filme mit, freundlich gesagt, exzentrischen Promotouren auffielen, wollten die „Wuthering Heights“-Verantwortlichen offenbar in dieselbe Kerbe schlagen: Im Vorfeld veröffentlichte Interviews (insbesondere für US-Medien) waren reich am Drang, übertrieben tief blicken zu lassen, und am spürbaren Versuch, den Film und seine Produktion als riskant dastehen zulassen.
Unter anderem behauptete Hauptdarstellerin und Produzentin Robbie, sie habe während des Drehs eine Co-Abhängigkeit zu Elordi entwickelt (via YouTube). Und bei „Jimmy Kimmel Live“ erzählte Robbie, sie hätte „Wuthering Heights“ vorab auf einem Junggesellinnenabschied gezeigt – mit absurden Folgen: „Die Vorführung selbst, um das mal in den Kontext zu setzen, war so, als würden 20 Frauen vor Aufregung schäumen. Sie waren wie tollwütige Hunde“, so die Mimin. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:
"Sie waren wie tollwütige Hunde": Margot Robbie hat mit ihrem neuen Film eine Gruppe von Frauen völlig zum Durchdrehen gebrachtDer Autor dieses Textes würde dreist behaupten, dass in dieser Anekdote werbende Übertreibung auf vom Film losgelöste JGA-Alkohollaune trifft. Denn Fennells Romanverfilmung hat zwar einzelne Augenblicke, in denen lüsterne Blicke, Schweißperlen auf angespannter Haut, begierig gefilmter Glibber und perfekt dem unter ihr liegenden Körper schmeichelnde Kleidung eine dichte Stimmung der Begierde erzeugen. Jedoch scheiterte Fennell meiner Ansicht nach beim Versuch, diese Momente einer durch Lust-Fieberträume verfälschten Erinnerung an die Buchvorlage mit den Passagen zu vereinen, in denen sie ein provokantes Popcorn-Historiendrama über Standesunterschiede, Groll und emotionale Verausgabung zu erzählen versucht.
Die stylischen Kostüme, mit kuriosen Details vollgestopften Sets und die diesig-überhöhte Bildsprache des „Babylon“-Kameramanns Linus Sandgren geben „Wuthering Heights“ durchaus eine Daseinsberechtigung. Aber für eine fiebrige Umdeutung der Buchvorlage hängt mir Fennells Film dramaturgisch zu oft durch, wirkt mir Robbie zu verloren, wann immer sie Fennnells sehr speziellen Tonfall treffen soll, und sind mir einige der schmerzlich gemeinten Sequenzen in ihrer Provokation zu oberflächlich.
Elordi trifft in dieser Auslegung der Vorlage aber den Nagel voll auf den Kopf (für Rassismuskritik muss man halt eine andere „Sturmhöhe“-Adaption schauen). Und dass man von Fennells Version auch abseits eines JGA angetan sein kann, belegt mein Kollege Pascal Reis. In der FILMSTARTS-Kritik vergab er starke 4 von 5 Sternen und schwärmte: „Emerald Fennell zeichnet hier für ein formalästhetisch wuchtiges, stark gespieltes und von großen Emotionen regelrecht überschäumendes Melodrama verantwortlich, das nicht zuletzt die Kraft des Kinos beschwört.“
Einen ebenfalls stylischen und definitiv sündigen Film stellen wir euch übrigens im folgenden Beitrag anlässlich seiner 4K-Heimkino-Neuauflage näher vor:
Gestochen scharf im Heimkino: Der drittbeste Thriller aller Zeiten – laut dem deutschen PublikumFILMSTARTS bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Abonniere FILMSTARTS hier bei Google Discover um auch unsere Kritiken, Interviews, Streaming- und TV-Tipps sowie die besten und interessantesten Geschichten über deine Lieblingsfilme und -serien nicht zu verpassen.
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