Der KI-Albtraum ist längst Wirklichkeit: Kultklassiker kommt neu ins Kino – aber dank KI hat er jetzt ein Happy End!
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Es wird sich kaum noch verhindern lassen, dass wir in Zukunft von KI-Produktionen überschwemmt werden. Aber fast noch schlimmer: Auch heißgeliebte alte Filme sind vor der KI-Revolution keineswegs sicher! Jetzt gibt es das erste Horror-Beispiel!

Disney und seine verbundenen Unternehmen

Vor der Wiederaufführung seines Science-Fiction-Meisterwerks „E.T. – Der Außerirdische“ hatte sich Steven Spielberg dazu entschieden, Computeranimationen zu verwenden, um die Pistolen der Polizisten nachträglich durch Taschenlampen zu ersetzen. Eine Schnapsidee – wie der „Disclosure Day“-Regisseur mittlerweile auch selbst eingesehen hat …

Aber dieser Fehltritt ist nichts im Vergleich zu dem, was im KI-Zeitalter auf uns zukommen wird: Jetzt lassen sich nämlich ganze Filme einfach nachträglich noch mal umgestalten! Seit 30 Jahren ist es ein Internet-Meme, ob Leonardo DiCaprio in „Titanic“ nicht doch neben Kate Winslet Platz auf der im Atlantik schwimmenden Tür gehabt hätte. In nicht allzu ferner Zukunft könnte es aber auch direkt eine Version des Films geben, in der Jack den Schiffsuntergang überlebt und mit Rose glücklich bis ans Ende seiner Tage zusammenbleibt.

Klingt nach einer dystopischen Zukunftsvision, die eh nicht eintreten wird? Pustekuchen! Denn vor Kurzem ist quasi genau das passiert: Das romantische Drama „Raanjhanaa“ war 2013 ein beachtlicher Erfolg an den Kinokassen – entwickelte sich aber vor allem in den Folgejahren zu einem absoluten Kultklassiker des indischen Kinos. Dieser besondere Status hat dabei sicher auch mit der herzzerreißenden Story zu tun:

Der hinduistische Kundan (Superstar Dhanush) verliebt sich in die Muslimin Zoya (Sonam Kapoor), die politische Ambitionen hegt und eigentlich einen anderen Mann liebt. Kundan ist aber so verknallt, dass er sogar bereit ist, alles zu opfern – und tatsächlich endet der Film mit einer Szene, in der ein erfolgreiches Attentat alle Chancen auf ein Happy End endgültig zunichte macht …

Spätes Happy End

… oder so dachte man zumindest. Denn in der schönen neuen Welt sind verspätete Happy Ends auch 13 Jahre nach dem eigentlichen Kinostart noch immer möglich. Der Verleih Eros International hat inzwischen eine neue Version des Films veröffentlicht, in der die finalen Szenen mithilfe von KI überarbeitet wurden – und in der Kundan nun doch noch überleben darf! Gegen die neue Fassung sind nicht nur die Fans Sturm gelaufen – sondern auch die Stars und der Regisseur des Films selbst.

So hat Star Dhanush in den sozialen Medien geschrieben: „Dieses alternative Ende hat dem Film seine eigentliche Seele genommen, und die Verantwortlichen haben es trotz meines klaren Einspruchs einfach durchgezogen. KI-Veränderungen bedrohen die Integrität des Geschichtenerzählens und das Erbe des Kinos.

Das Publikum weiß oft selbst nicht, was es wirklich will

Mit KI lassen sich solche Fanwünsche – etwa nach dem Überleben einer beliebten Figur – in Zukunft sehr viel einfacher umsetzen. Aber wird das Kino damit wirklich besser? Ganz sicher nicht! Hätte man damals bei Testvorführungen von „Titanic“ abgefragt, ob Jack nicht lieber überleben soll, hätte das Publikum vermutlich mit überwältigender Mehrheit dafür gestimmt – einfach weil man die Figur so gern mag und nicht will, dass sie stirbt.

Das hätte Abermillionen von Taschentüchern eingespart – aber vermutlich wäre „Titanic“ dann auch nicht zum bis dahin erfolgreichsten Film aller Zeiten samt elf Oscars avanciert. Statt eines Meisterwerks wäre da vermutlich nur Kitsch bei herausgekommen. Aber dank KI ist dafür ja immer noch Zeit!

Apropos KI im Kino: Vergangene Woche in Cannes habe ich da bereits mein blaues Wunder erlebt:

Ich habe den ersten komplett KI-generierten Actionfilm gesehen: Müssen wir uns wirklich Sorgen um die Zukunft des Kinos machen?

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