Heute im TV: Ein spannender, intensiver Psycho-Thriller mit einem "John Wick"-Star unter unmenschlichem Druck
Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Oliver Kube ist seit den 1990ern als Journalist/Kritiker in Sachen Film, TV, Musik, Literatur & Technik tätig. Für FILMSTARTS schreibt er seit 2018.

Am späteren Dienstagabend könnt ihr einen Reißer mit Starbesetzung von einem angesehenen Regisseur schauen. Ob sich das Einschalten nach FILMSTARTS-Meinung lohnt, lest ihr hier. Oder ihr schaut einfach mal in den Trailer rein und entscheidet dann.

Seit ihrem Oscargewinn mit dem Drama „Monster’s Ball“ lief es mit Ausnahme des Auftritts in „John Wick: Kapitel 3“ und der Rolle als Mutanten-Superheldin in der „X-Men“-Reihe nicht gerade rosig für Halle Berry. Die meisten ihrer Filme scheiterten am Box-Office und/oder wurden von der Kritik abgestraft. Einer davon – „The Call - Leg nicht auf!“ von Regisseur Brad Anderson („Der Maschinist“) – läuft am Abend im TV:

Tele 5 zeigt „The Call - Leg nicht auf!“ am heutigen 16. Juni 2026 um 22.00 Uhr. Eine Wiederholung folgt am 17. Juni um 23.55 Uhr. Zudem steht der Film nach Ende der ersten Ausstrahlung bis zum 17. Juli als Gratis-Stream in der Mediathek des Senders zur Verfügung. Wer all diese Termine verpasst und bereit ist, ein paar Euro zu investieren, kann auch auf Blu-ray und DVD* oder Video-on-Demand ausweichen:

Spannung trotz Unglaubwürdigkeit

Brad Anderson hat sich dank Kinofilmen wie „Session 9“ und speziell „Der Maschinist“ mit Superstar Christian Bale eine treue Fangemeinde erarbeitet. Auch im Serienfach liefert der Amerikaner seit der Jahrtausendwende nahezu durchgehend erstklassige Arbeit ab. Die von ihm verantworteten Episoden von Hits wie „The Wire“, „Boardwalk Empire“, „The Killing“, „Fringe“ oder „The Shield“ zählen zu den besten dieser längst zu modernen Klassikern avancierten Shows. Zuletzt inszenierte der Mann aus Connecticut vor allem für die Sci-Fi-Serie „Infiltration“ und den Netflix-Titel „Nur für dein Leben“.

2013 setzte Anderson mit „The Call - Leg nicht auf!“ ein Drehbuch von „Hypnotic“-Autor Richard D'Ovidio ins Bild. Der resultierende Psycho-Thriller ist nicht gerade originell und recht vorhersehbar, da man die Handlungselemente alle schon mal irgendwo gesehen hat. Trotzdem gelingt es dem Regisseur mit Hilfe einer effektvollen und temporeichen Inszenierung noch das Maximum an Spannung herauszuholen. So analysiert es unser Autor Carsten Baumgardt in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik.

The Call - Leg nicht auf!
The Call - Leg nicht auf!
Starttermin 11. Juli 2013 | 1 Std. 35 Min.
Von Brad Anderson
Mit Halle Berry, Abigail Breslin, Morris Chestnut
Pressekritiken
2,3
User-Wertung
3,6
Filmstarts
2,5

Dass dabei letztlich dennoch nur 2,5 von 5 möglichen Sternen herausspringen, liegt am Skript. Wirklich Spaß an dem Film können eigentlich nur solche Zuschauer*innen haben, die es mit der Plausibilität nicht besonders genau nehmen. Denn die allzu an den Haaren herbeigezogene und zu sehr auf Zufällen basierende Prämisse von „The Call“ steht auf arg wackeligen Beinen. Und auch das Verhalten der Figuren auf beiden Seiten der Gut/Böse-Schlucht wird speziell im letzten Drittel der Laufzeit immer wüster und unglaubwürdiger. Unser Autor beschreibt dies so: „Die Motivation des Killers stellt sich als albern, belang- und substanzlos heraus, wobei zu allem Überfluss auch noch alles, was dazu vorher gesagt wurde, plötzlich nicht mehr zählt und zugunsten einer fragwürdigen Schlusswendung geopfert wird, mit der die niedrigsten Instinkte des Publikums befriedigt werden sollen.“

Zumindest die beiden Hauptdarstellerinnen überzeugen. Halle Berry ist als aufgrund ihrer Verantwortung für das Leben eines anderen Menschen unter enormem Druck stehende Protagonistin eine perfekte Sympathieträgerin. Auch mit „Little Miss Sunshine“-Star Abigail Breslin als ebenso mutigem wie verzweifeltem Entführungsopfer lässt sich erstklassig mitleiden. Der den Bösewicht gebende Michael Eklund („Hard Powder“) ist ebenfalls nicht schlecht. Trotz der Eindimensionalität seiner Figur strahlt er mit Wahnsinn und Unberechenbarkeit glaubhaft eine permanente Bedrohung und Gefahr aus. Falls ihr also Fans eines der drei Stars seid, könnte sich das Einschalten lohnen. Ansonsten kann man den Film mal sehen, ein Muss ist er aber nicht.

"The Call": Das ist die Story

Jordan Turner (Halle Berry) ist eine Topkraft in der Telefonzentrale der Polizei von Los Angeles, wo sämtliche Notrufe entgegengenommen werden. Privat scheint in ihrer Beziehung zum Streifencop Paul Philipps (Morris Chestnut aus „Boyz N The Hood“) ebenfalls alles bestens zu laufen. Doch dann gerät Jordans heile Welt eines Tages komplett aus den Fugen. Denn durch einen Flüchtigkeitsfehler verschuldet sie den Tod eines Mädchens (Evie Thompson, „Boyhood“), das zu Hause überfallen und anschließend entführt wurde.

Im Anschluss an dieses Erlebnis verfällt Jordan in massive Selbstzweifel. Aus Angst, dass Ähnliches noch einmal passieren könnte, gibt sie ihre Position auf und wird stattdessen Ausbilderin. Als dann aber die Anfängerin Brooke (Jenna Lamia, „Resident Alien“) mit einem Notruf überfordert ist, muss Jordan kurzerhand für sie übernehmen. So bekommt sie es erneut mit dem brutalen Kidnapper und Mörder (Michael Eklund) von damals zu tun. Der hat dieses Mal die Teenagerin Casey (Abigail Breslin) in seine Gewalt gebracht und in den Kofferraum seines Wagens gesperrt. Über ein verstecktes Mobiltelefon hält Casey heimlich Kontakt zur Notrufzentrale...

Für ihre Rolle in „John Wick: Kapitel 3“ musste Halle Berry übrigens körperlich mächtig einstecken. Was passierte, lest ihr im folgenden Artikel von FILMSTARTS-Redakteur Michael Bendix:

"Ich wollte ihn nicht enttäuschen": "John Wick"-Star brach sich drei Rippen, um Keanu Reeves zu beeindrucken

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