Charles Bronson zählte zweifellos zu den großen Hollywood-Stars seiner Zeit – mit seinen markanten Gesichtszügen, seinem wortkargen Auftreten und seinem Image als kompromissloser Einzelgänger wurde er zu einer der prägendsten Ikonen des Action- und Western-Genres.
Nachdem er bereits seit Anfang der 1950er-Jahre vor der Kamera stand, machten ihn Filme wie der Kriegsfilm-Klassiker „Das dreckige Dutzend“ (1967), Sergio Leones Italo-Western-Meilenstein „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) und natürlich die 1974 gestartete „Ein Mann sieht rot“-Reihe weltberühmt. Obwohl Bronson sogar kurzzeitig der bestbezahlte Schauspieler der Welt war, galt er privat allerdings als extrem verschlossen – und so existieren nur wenige Interviews mit dem 2003 verstorbenen „Gesprengte Ketten“-Darsteller.
Einer hatte aber tatsächlich die Gelegenheit, gleich mehrmals mit Charles Bronson zu sprechen und daraus ein ausführliches Porträt zu erstellen: Roger Ebert, der wahrscheinlich bekannteste Filmjournalist der Welt. Das Ergebnis lässt sich noch immer auf der Website des 2013 verstorbenen Kritiker-Papstes nachlesen.
Charles Bronson bedrohte einen Kritiker – wegen eines Verrisses
Eine Stelle ist dabei besonders interessant – denn unter anderem dreht sich der Artikel auch um Bronsons Verhältnis zur Zunft der Filmkritiker*innen, das, gelinde gesagt, nicht sonderlich positiv war. Der in Pennsylvania geborene Mime hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er rein gar nichts auf die (längst nicht immer wohlwollenden) Urteile der Fachpresse gab und für ihn einzig und allein der Erfolg an den Kinokassen sowie die Meinung des zahlenden Publikums zählte. Ganz kalt ließ es ihn aber offensichtlich nicht, wenn seine Filme verrissen wurden.
Denn kurz vor einem der Interviews hatte das Time Magazine eine Negativkritik zum Action-Thriller „Ein Mann geht über Leichen“ (1973) veröffentlicht, Bronsons dritter Zusammenarbeit mit Regisseur Michael Winner, mit dem er ein Jahr später auch „Ein Mann sieht rot“ drehen sollte. Sinngemäß schrieb Kritiker Jay Cocks, „The Stone Killer“ (so der Originaltitel) sei nicht mehr als einfach nur ein weiterer „Charles-Bronson-Michael-Winner-Film“. Bronsons erzürnter Kommentar dazu:
„Zuerst war es ein Roman, dann wurde daraus ein Drehbuch. Ein Kameramann war [an dem Film] beteiligt und viele andere Leute. Wenn er sich am Ende zwei Personen herauspickt, dann wird es persönlich. Und das macht mich wütend. Auf die eine oder andere Weise werde ich diesen Mann früher oder später kriegen. Nicht körperlich – aber ich werde ihn kriegen.“
Roger Ebert hielt Charles Bronson für gefährlich
Was das genau bedeuten sollte, ließ Bronson offen – trotzdem ließ sich der letzte Satz nur als offene Drohung lesen. „An Charles Bronson gibt es etwas Verstörendes“, schrieb Ebert in seinem Porträt somit auch. Lee Marvin, Robert Mitchum, Clint Eastwood – die ebenfalls dafür bekannt waren, zwiespältige, mitunter brutale Charaktere zu verkörpern –, sie alle wirkten in seinen Augen privat harmlos. Doch Bronson nicht – er scheine auch im wirklichen Leben potenziell gewalttätig, so Ebert.
Ob Bronson den Kritiker ernsthaft bedrohen wollte oder lediglich seinem harten Ruf gerecht werden wollte, bleibt offen. Gerade weil er sich öffentlich so selten erklärte und Interviews weitgehend mied, verschwammen bei ihm die Grenzen zwischen Leinwandfigur und Privatperson wie bei kaum einem anderen Hollywood-Star seiner Generation. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum Charles Bronson bis heute für viele eine so faszinierende Figur geblieben ist.
Übrigens hatte Clint Eastwood mit dem „Ein Mann sieht rot“-Franchise gewaltige Probleme. Warum, lest ihr im nachfolgenden Artikel:
Mit dieser kontroversen Kult-Reihe wollte selbst "Dirty Harry"-Star Clint Eastwood nichts zu tun habenUnsere Seite bietet dir täglich die neuesten Nachrichten über Kino, Serien und Fernsehen. Füge FILMSTARTS bei Google als bevorzugte Quelle hinzu, um unsere Artikel dort häufiger angezeigt zu bekommen, wenn du nach einem bestimmten Thema suchst – so bleibst du immer auf dem Laufenden.