Oscar-Preisträger Al Pacino (ausgezeichnet ausgerechnet für „Der Duft der Frauen“) zählt seit Jahrzehnten zu den gefragtesten und profiliertesten Schauspielern der Traumfabrik. Eine seiner künstlerisch erfolgreichsten Karrierephasen erlebte er Anfang bis Mitte der 1970er-Jahre. Innerhalb von nur drei Jahren drehte der mittlerweile 87-Jährige mit den ersten beiden „Pate“-Teilen, „Serpico“ und „Hundstage“ vier Klassiker der Kinogeschichte. Die zwei Filme über die italienische Mafiafamilie Corleone zählen bis heute zweifelsfrei zu den besten Filmen aller Zeiten.
Doch für Pacino zählt weder der mächtige Don Vito Corleone noch der legendäre Undercover-Ermittler Frank Serpico zu seinen Lieblingsrollen. Stattdessen fühlt sich die Schauspielikone am meisten mit der Hauptfigur aus Sydney Pollacks wenig bekanntem Rennsport-Liebesdrama „Bobby Deerfield“ (1977) verbunden. Der Grund dafür ist die gewaltige Erfolgswelle, auf der Pacino damals ritt – und die ihm mental gehörig zusetzte.
Das ist "Bobby Deerfield"
Der auf dem Roman „Der Himmel kennt keine Günstlinge“ von „Im Westen nichts Neues“-Autor Erich Maria Remarque basierende „Bobby Deerfield“ war Pacinos erster Film seit „Hundstage“ zwei Jahre zuvor. Er spielt darin den tollkühnen, titelgebenden Auto-Rennfahrer, der von Sieg zu Sieg fährt. Doch nach dem tragischen Unfalltod eines Kollegen bekommt Deerfield den Gedanken an die eigene Endlichkeit nicht mehr los. Erst durch den Kontakt mit einer unheilbar kranken Frau (Marthe Keller), in die sich der verschlossene Perfektionist und Kontrollfreak unsterblich verliebt, findet er zu sich selbst.
In einem Interview mit dem Playboy erklärte Pacino, dass er sich damals sehr gut in den Protagonisten hineinversetzen konnte. „Es war eine persönliche Reise in das Innere eines einsamen und depressiven Menschen. Ich habe mich ihm sehr verbunden gefühlt“, so der Schauspieler. Pacino gab zwar selbstkritisch an, mit seiner schauspielerischen Leistung bis heute nicht besonders glücklich zu sein.
Doch er erkannte in der Geschichte Deerfields Parallelen zu seinem eigenen Leben. Denn auch der Darsteller hatte sich laut eigener Aussage Mitte der 1970er-Jahre (nach zwei Oscar-Nominierungen für „Der Pate“ und „Der Pate 2“) leer und ausgebrannt gefühlt. „Ich hatte mich von einer Welt entfernt, die ich kannte. Ich fühlte mich völlig isoliert.“
Trotz des berühmten Hauptdarstellers und Starregisseur Pollack („Die drei Tage des Condor“) geriet „Bobby Deerfield“ zum Kassenflop. Auch bei vielen Kritiker*innen kam der u.a. in der Schweiz und Italien gedrehte Film alles andere als gut an (Rotten-Tomatoes-Kritiker-Score: 29 Prozent). Dennoch hat „Bobby Deerfield“ über die Jahre eine Art Kultstatus unter Cineasten erreicht, von denen viele das feinfühlige Spiel der Darsteller und die außergewöhnliche Bildsprache von Kameramann Henri Decaë („Der Clan der Sizilianer“) schätzen.
Heiß und innig geliebt oder leidenschaftlich verachtet wurde zum Erscheinungszeitpunkt ebenso der Serienkiller-Thriller „Cruising“ mit Pacino in der Hauptrolle. Der in der schwulen SM-Szene New Yorks angesiedelte Film gilt jedoch längst einhellig als einflussreicher, enorm mutiger Klassiker – der dennoch erst kürzlich seinen deutschen Blu-ray-Einstand feierte:
Er erntete Hass seitens der Kritik und löste sogar Streiks aus – jetzt erscheint der berühmte Skandalfilm mit Al Pacino erstmals auf Blu-ray*Bei dem Link handelt es sich um einen sogenannte Affiliate-Link. Beim Kauf über diesen Link oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.