Insgesamt zwölf Mal ist es in der fast 100 Jahre umfassenden Geschichte der Oscars vorgekommen, dass ein Schauspieler beziehungsweise eine Schauspielerin bei derselben Verleihung gleich zwei Nominierungen erhielt – jeweils eine als Haupt- und eine als Nebendarsteller*in.
Al Pacino konnte so im Jahr 1993 auf gleich zwei Statuen hoffen (während er für „Glengarry Glen Ross“ nominiert war, erhielt er die begehrte Goldstatue für seine Hauptrolle in „Der Duft der Frauen“), und auch Stars wie Emma Thompson, Julianne Moore, Jamie Foxx oder Cate Blanchett zählen zu den Doppel-Nominierten. Zuletzt ist dieses Kunststück im Jahr 2020 Scarlett Johansson gelungen (sie war für „Marriage Story“ und „Jojo Rabbit“ nominiert), die allerdings in beiden Kategorien leer ausging.
All diesen Fällen ist gemein, dass die genannten Schauspieler*innen stets für zwei verschiedene Filme nominiert waren. Doch im Jahr 1945 kam es zu einer bis heute einzigartigen Kuriosität: Barry Fitzgerald erhielt gleich zwei Oscar-Nominierungen für ein und dieselbe Rolle!
Zwei Nominierungen für dieselbe Rolle? So kam es dazu!
„Der Weg zum Glück“ ist heute etwas in Vergessenheit geraten – vor 81 Jahren war das tragikomische Musical aber der große Abräumer bei den Academy Awards. Insgesamt war der Film für zehn Oscars nominiert, wobei er sieben davon gewann. In der Königskategorie „Bester Film“ setzte er sich gegen Klassiker wie „Frau ohne Gewissen“ oder „Das Haus der Lady Alquist“ durch, während Regisseur Leo McCarey berühmte Kollegen wie Alfred Hitchcock („Das Rettungsboot“) und Otto Preminger („Laura“) ausstach.
Am sichersten war der Oscar aber Barry Fitzgerald – denn der war für seine Darstellung des katholischen Priesters Fitzgibbon nicht nur als Haupt-, sondern auch als Nebendarsteller nominiert! Während sein Co-Star Bing Crosby in der Hauptdarsteller-Kategorie gewann, setzte sich Fitzgerald schließlich bei den Nebendarstellern durch.
Dass er überhaupt in beiden Kategorien nominiert war, lag an einer damaligen Regelung der Academy: Die Mitglieder konnten unabhängig voneinander für Haupt- und Nebendarsteller abstimmen. Da Fitzgerald in beiden Kategorien genügend Stimmen erhielt, wurde er kurzerhand gleich zweimal vorgeschlagen – ein bis heute einmaliger Vorgang, der sogar eine Regeländerung nach sich zog. Seitdem kann eine schauspielerische Leistung nur noch in einer einzigen Darstellerkategorie nominiert werden.
Das ist "Der Weg zum Glück"
Im Mittelpunkt von „Going My Way“, so der englische Originaltitel des Films, steht der junge Priester Chuck O'Malley (Bing Crosby), der in eine finanziell angeschlagene New Yorker Gemeinde versetzt wird. Dort gerät er immer wieder mit dem älteren Father Fitzgibbon (Barry Fitzgerald) aneinander, dessen traditionelle Vorstellungen mit O'Malleys unkonventionellen Methoden kollidieren. Trotz ihrer Differenzen setzen sich die beiden schließlich gemeinsam für den Erhalt ihrer Gemeinde ein.
Wenn ihr den Film sehen wollt, habt ihr in Deutschland leider kein Glück. Wie bei so vielen klassischen Hollywood-Filmen existiert von „Der Weg zum Glück“ keine DVD- oder Blu-ray-Veröffentlichung, und auch im Streaming ist das Werk nicht erhältlich.
Um eine andere Oscar-Anomalie dreht sich übrigens der nachfolgende Artikel:
Es ist in der Oscar-Geschichte nur ein einziges Mal vorgekommen: Dieser Regisseur wurde für gleich drei Filme im selben Jahr nominiert!