Clint Eastwood, 96, über Gangsta-Rap: "Ich sehe darin keinerlei Wert. Das Einzige, was diese Musik bewirkt, ist, dass sie die schlechtesten Seiten der Menschen anspricht"

Clint Eastwood ist ein großer Musik-Fan – er hat sogar selbst Musikalben aufgenommen und die Soundtracks zu einigen seiner Filme komponiert! Doch mit Gangsta-Rap kann er wenig anfangen – wobei die Sache noch etwas komplizierter ist...

Warner Bros.

Clint Eastwood liebt Musik. Diese Leidenschaft zieht sich quer durch seine Filmografie: In „Honkytonk Man“ (1982) verkörperte er einen an Tuberkulose erkrankten Country-Sänger. 1988 drehte er „Bird“, ein Biopic über den Saxofonisten Charlie Parker (gespielt von Forest Whitaker), darüber hinaus produzierte er eine Dokumentation über Jazz-Legende Thelonious Monk. Mit „Jersey Boys“ adaptierte Eastwood im Jahr 2014 schließlich das gleichnamige Broadway-Musical über den Aufstieg der Popgruppe The Four Seasons.

Was viele Fans zudem gar nicht wissen: Eastwood hat auch selbst Musik gemacht – bereits 1963 veröffentlichte er das Country-Album „Rawhide's Clint Eastwood Sings Cowboy Favorites“, nachdem er durch die Westernserie „Tausend Meilen Staub“ (Originaltitel: „Rawhide“) bekannt geworden war. Später komponierte er mehrfach die Musik für seine eigenen Filme (darunter „Mystic River“ und „Million Dollar Baby“) und gründete mit Malpaso Records sogar ein eigenes Plattenlabel für Soundtracks.

Clint Eastwood sieht in Gangsta-Rap "keinerlei Wert"

In diesem Jahr ist Eastwood stolze 96 Jahre alt geworden – vor diesem Hintegrund erstaunt es wohl die wenigsten, dass seinen musikalischen Vorlieben gewisse Grenzen gesetzt sind. Der Oscar-Preisträger mag Jazz, Swing, Country, klassische amerikanische Crooner à la Frank Sinatra – doch von allzu moderner oder experimenteller Musik hält er sich fern. Schon in den 1990er-Jahren, da hatte er die 60 bereits deutlich überschritten, stellte der gebürtige Kalifornier unmissverständlich klar, was er von Gangsta-Rap hielt.

Im Interview mit Psychology Today nach seiner Meinung über das damals boomende HipHop-Subgenre gefragt, entgegnete Eastwood: „Achso, dieser Ice-T? Ich sehe darin keinerlei Wert. Das Einzige, was diese Musik bewirkt, ist, dass sie die schlechtesten Seiten der Menschen anspricht“.

Eastwood bezog sich damit auf den Vorwurf, dass Gangsta-Rap Gewalt verherrliche und insbesondere Hass auf die Polizei schüre. Künstler wie Body Count (der Band des von Eastwood genannten Ice-T) oder auch die Rap-Gruppe N.W.A. („Fuck Tha Police“) machten in ihren Songs keinen Hehl aus ihrer Wut auf die Staatsgewalt. Während konservative Stimmen darin verrohendes Potenzial ausmachten, verstanden die Musiker ihre Texte als Protestform sowie als Ausdruck von Erfahrungen mit Rassismus und Polizeigewalt.

Ist die Gewalt in "Dirty Harry" wirklich legitimer als die im Gangsta-Rap?

Nun waren allerdings auch Eastwoods Filme nicht immer zimperlich, was Gewaltausübung angeht – gerade die berühmte „Dirty Harry“-Reihe. Diesen Umstand griff auch der Interviewer auf: „Glauben Sie, dass die Gewalt, die in vielen Ihrer Filme vorkommt, eher gerechtfertigt ist als die Gewalt, die im Gangsta-Rap propagiert oder verherrlicht wird?“, wurde Eastwood gefragt – der wenig überraschend mit „Ja“ antwortete.

„Strafverfolgungsbehörden als den Bösewicht der Gesellschaft darzustellen, fällt mir schwer zu akzeptieren“, führte Eastwood aus, der von 1986 bis 1988 als republikanischer Bürgermeister der kalifornischen Kleinstadt Carmel-by-the-Sea amtierte. „Natürlich gibt es überall Missstände. Aber zu behaupten, sie seien die Ursache sämtlicher Probleme der Gesellschaft, geht mir zu weit.“

Nachdem der Interviewer ein weiteres Mal nachhakte, ob die Perspektive des Gangsta-Rap angesichts realer Erfahrungen mit Polizeigewalt nicht ebenso legitim sei wie die seiner eigenen Filme, lenkte Eastwood zumindest leicht ein:

„Ich glaube, ich verstehe, worauf Sie hinauswollen. Jeder entwickelt seine eigene Haltung zur Polizei aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen. […] So etwas kann in allen Lebensbereichen passieren. Ich kann das nachvollziehen. Bevor ich bekannt wurde, hatte ich selbst einige unschöne Begegnungen mit der Polizei. […] Vielleicht passiert das im Ghetto häufiger? Davon bin ich überzeugt“.

Eastwoods Wortwahl mag heute nicht mehr zeitgemäß sein, doch immerhin scheint das Gespräch bei ihm einen gedanklichen Prozess angestoßen zu haben. Dass er deshalb anschließend angefangen hätte, Body Count oder N.W.A. zu hören, ist allerdings trotzdem eher unwahrscheinlich...

Wenn ihr wissen wollt, was der „Erbarmungslos“-Schöpfer über das heutige Hollywood zu sagen hat, dann lest direkt im folgenden Artikel weiter:

Clint Eastwood, 96, über das moderne Hollywood: "Wir leben in einer Schleimer-Generation, alle laufen auf Eierschalen"
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.
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