"Ein Mann sieht rot"-Ikone Charles Bronson (†81): "Wir machen keine Filme für die Kritiker, denn die bezahlen keinen Eintritt"

Ein Blick, ein Revolver – und schon war klar, was als Nächstes passiert. Charles Bronson war eine Action-Ikone. Doch ausgerechnet sein größter Hit brachte ihm die heftigsten Verrisse ein. Bronsons Antwort darauf ist bis heute legendär.

Charles Bronson wurde mit „Ein Mann sieht rot“ zur Ikone des Rachekinos. Als Paul Kersey macht er in dem Thriller Jagd auf Kriminelle, nachdem seine Frau ermordet und seine Tochter brutal überfallen wurde. Der Film traf 1974 einen Nerv beim Publikum – und löste bei den Kritikern eine heftige Gegenreaktion aus.

Ein Mann sieht rot
Ein Mann sieht rot
Starttermin 1. November 1974 | 1 Std. 34 Min.
Von Michael Winner
Mit Charles Bronson, Hope Lange, Vincent Gardenia
Pressekritiken
3,8
User-Wertung
3,6
Filmstarts
3,5

„Death Wish“ (so der Originaltitel) machte Bronson endgültig zum großen Star in Hollywood. Was den Film bis heute so interessant macht, ist der Graben zwischen Publikum und Kritik. Während Zuschauer in den Kinos teilweise jubelten, wenn Bronsons Figur einen Verbrecher zur Strecke brachte, wurde der Film von Kritikern als gefährliche und geschmacklose Selbstjustizfantasie angegriffen. Sogar Western-Legende Clint Eastwood wollte mit dem Film nichts zu tun haben:

Mit dieser kontroversen Kult-Reihe wollte selbst "Dirty Harry"-Star Clint Eastwood nichts zu tun haben

Charles Bronson hatte für die Verrisse eine ziemlich klare Antwort

Besonders deutlich fiel das Urteil von Charles Champlin aus, dem damaligen Filmkritiker der Los Angeles Times. Er bezeichnete „Ein Mann sieht rot“ als „verachtenswert“ und warf dem Film vor, mit brutalen Emotionen gegen die Vernunft zu arbeiten. Gleichzeitig erkannte er allerdings, dass der Film beim Publikum erfolgreich sein würde. Bronson bekam die Kritik mit – und machte keinen Versuch, sie diplomatisch zu entschärfen.

Stattdessen lieferte er eine Antwort, die gerade deshalb so gut zu seinem Image als wortkarger Actionstar passte: „Wir machen keine Filme für die Kritiker, denn die bezahlen keinen Eintritt.“ Das war mehr als nur ein flapsiger Spruch. Bronson stellte damit klar, welche Reaktion für ihn bei einem Kinofilm letztlich entscheidend war: die des zahlenden Publikums. Und das hatte bei „Ein Mann sieht rot“ offenbar eine andere Meinung als große Teile der Presse.

Der Erfolg des Films gab ihm zumindest an den Kinokassen recht. „Ein Mann sieht rot“ wurde 1974 zu einem großen Kassenschlager und machte Bronson auch in den USA zum Star. Anschließend folgten vier Fortsetzungen, die es teilweise schwer bei der FSK hatten. So ist der zweite Teil bis heute in seiner Uncut-Fassung indiziert. Was aber NICHT bedeutet, dass er verboten ist! Grüße gehen raus an Dr. Boll und den Filmclub von Elon Musk.

Nach verweigerter FSK-Freigabe: Elon Musk veröffentlicht Uwe Bolls neuen Film im Internet

Bronson war selbst von seinem eigenen Ruhm überrascht

Dabei sah der Schauspieler seine plötzliche Popularität durchaus mit einer gewissen Gelassenheit. Als er 1974 auf seine besondere Ausstrahlung angesprochen wurde, wollte er von einer angeblichen „Mystik“ nichts wissen. Er erklärte lediglich, dass er den Erfolg genieße, solange er anhält – und im Grunde noch immer dasselbe mache wie 20 Jahre zuvor (via Los Angeles Times).

Auch Regisseur Michael Winner, der mehrfach mit Bronson arbeitete, sah in ihm mehr als den harten Rächer. Für ihn lag ein Teil der Faszination gerade in der Kombination aus unterdrückter Wut und einer unerwarteten Zärtlichkeit. Bronsons Karriere war ohnehin ein ungewöhnlicher Spätstart. Als Charles Buchinsky in Pennsylvania geboren, wuchs er als eines von 15 Kindern auf und arbeitete bereits als Jugendlicher in den Kohleminen. Nach seinem Militärdienst fand er über das Theater zum Film und wurde zunächst vor allem mit markanten Nebenrollen besetzt.

Am Ende blieb ausgerechnet jener Film, der von Kritikern so heftig angegriffen wurde, einer seiner größten Erfolge. Und Bronsons lakonische Antwort auf die Verrisse entwickelte sich fast zu einem eigenen Stück Filmgeschichte. Bronson hatte übrigens auch Ärger mit Kritikerpapst Roger Ebert (†70), der den Schauspieler für gefährlich hielt. Was genau dahintersteckte, erfahrt ihr im folgenden FILMSTARTS-Artikel:

Vor 53 Jahren bedrohte "Ein Mann sieht rot"-Star Charles Bronson einen Filmkritiker: "Ich werde diesen Mann früher oder später kriegen"

*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren