Nach einigen Startterminverschiebungen drohte „The End Of Oak Street“ lange Zeit, zwischen den Box-Office-Giganten „Die Odyssee“ und „Spider-Man 4: Brand New Day“ aufgerieben zu werden. Aber dann sickerte einige Tage vor dem Kinostart nach und nach durch, was für ein Hammerfilm David Robert Mitchell hier gelungen ist – quasi die Dino-Blockbuster-Antwort auf ambitionierte, nach analoger Filmkunst aussehenden Kassenhits wie „Weapons“ oder „Blood & Sinners“.
Die Eheleute Denise (Anne Hathaway) und Greg (Ewan McGregor) haben Stress mit ihrem Nachbarn – speziell, nachdem dieser einen 100 Kilogramm schweren Kackhaufen in seinem Garten entdeckt hat und nun die Nachbarskinder verdächtigt. Aber offenbar steckt ein viel größeres Mysterium dahinter. In einer stürmischen Nacht fallen Strom und Wasser aus: Das gesamte Viertel wurde in die Urzeit versetzt! Nun müssen sich die Eheleute und ihre zwei Kids gegen angriffslustige Apex-Prädatoren verteidigen …
Auch wir sind begeistert (→ hier geht’s zur offiziellen FILMSTARTS-Kritik) und haben uns deshalb auch nicht die Chance nehmen lassen, mit David Robert Mitchell („Under The Silver Lake“) per Zoom-Call ein wenig ausgiebiger über seinen „The End Of Oak Street“ zu quatschen …
Warner Bros.
FILMSTARTS: Lass uns mit einer gemeinen Frage einsteigen. Welcher Film hat dich bei der Arbeit an „The End Of Oak Street“ am stärksten beeinflusst: „Der weiße Hai“, „E.T. – Der Außerirdische“ oder „Jurassic Park“?
David Robert Mitchell: Oh, vermutlich „Der weiße Hai“.
FILMSTARTS: Meine Kritik zum Film startet mit der Feststellung: „Jeder Dino zählt!“ Meinem Gefühl nach setzen die meisten Blockbuster inzwischen vor allem auf Quantität – aber bei dir bekommt jede Spezies ihre eigenen kleinen Momente. War das ein konkretes Ziel von dir?
David Robert Mitchell: Ja, mir ging es einfach darum, dass sich jede Sequenz besonders anfühlt – und dass vieles für das Publikum möglichst unerwartet kommt. Ich möchte, dass die Leute überrascht werden, sei es durch ein Mysterium, etwas Unheimliches oder etwas Lustiges.
FILMSTARTS: Apropos humorvoll: In einer meiner Lieblingsszenen unterläufst du das klassische Klischee der Schafsherde, die in einem besonders kritischen Moment die Straße versperrt, indem hier plötzlich massenhaft Schildkröten-Dinos auf dem Asphalt rumtrödeln. Wie bist du darauf gekommen: Gab es erst die Idee mit der Schaf-Anspielung – und du hast dir den passenden Dinosaurier dafür herausgesucht? Oder andersherum?
David Robert Mitchell: Es ging wirklich vor allem darum, einen Weg zu finden, etwas Unerwartetes daraus zu machen. Aber du hast recht, genau das mit den Schafen war die Anspielung. Beim Schreiben habe ich einfach Unmengen an Referenzmaterial durchforstet und bin dabei auf ein paar Bilder von diesen Dinos gestoßen. Ich dachte mir nur: „Wahnsinn, die sind fantastisch – die muss ich genau an dieser Stelle einbauen.“ So ist die Sequenz entstanden. Die Idee mit dieser kleinen tierischen Straßensperre fand ich einfach witzig.
FILMSTARTS: … und warst du selbst überrascht, dass das Studio bei der ebenfalls sehr amüsant eingebauten Idee mit den kopulierenden Dinos nicht irgendwann eingeschritten ist?
David Robert Mitchell: Das stand schon im allerersten Drehbuchentwurf und war eine der Ideen, die ich absolut geliebt habe. Ich bin wahnsinnig froh, dass die Szene es in den Film geschafft hat. Und ja, manchmal gibt es schon diesen Moment, in dem ich mir denke: Ich bin selbst überrascht, dass das Studio kein Veto eingelegt hat – aber ich bin super glücklich darüber. Es ist eine meiner Lieblingsszenen.
Warner Bros.
FILMSTARTS: Ein anderer großartiger Moment ist zugleich eines der ersten Anzeichen, dass in dieser Straße irgendwas nicht stimmt. Da findet der streitlustige Nachbar nämlich einen 100 Kilogramm schweren Kackhaufen in seinem Garten. Wie sehr hat das am Set gestunken – oder hat sich das Designteam etwas anderes einfallen lassen?
David Robert Mitchell: Nein, ich bin mir ziemlich sicher, dass das Ding gebaut wurde – vielleicht haben sie es noch mit irgendetwas beschichtet. Es war vermutlich einfach ein Material, das optisch danach aussah. Ja, es war definitiv eine Requisite. Ich weiß noch, wie ich mir das Teil angeschaut habe und Anmerkungen zur Beschaffenheit des Kackhaufens geben musste …
FILMSTARTS: … und wie oft lautete die Anweisung, es noch größer zu machen?
David Robert Mitchell: Genau erinnere ich es nicht mehr, aber bestimmt ein paar Mal.
FILMSTARTS: „The End Of Oak Street“ hat ja keinen modernen Digitallook, sondern ist eher an den analogen Amblin-Vibe der Achtzigerjahre angelehnt. Wie viel schwerer war es deshalb, die Dinos möglichst glaubhaft in diese Umgebung einzubauen – und dann kommt ja auch noch IMAX dazu?
David Robert Mitchell: Ja, also zum Glück arbeite ich mit einem unglaublich talentierten Kameramann zusammen, Mike Gioulakis. Wir sind mit dem Ziel an die Sache herangegangen, dem Ganzen eine gewisse Wärme zu verleihen. Es ist zwar digital entstanden, aber wir wollten dem Look dieser Ära so nahe wie möglich kommen, und ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Das lag aber auch an der Arbeit unseres Szenenbildners – beim Setbau und allem anderen – sowie an Mikes Ausleuchtung.
Was IMAX angeht: Nein, das hat es nicht schwerer gemacht. Wir hatten einen klaren Plan, wo sich diese Sequenzen abspielen würden, und mussten einfach genau auf den Bildausschnitt achten, wenn das Format von 2,4:1 auf 1,9:1 aufging. Das brauchte etwas Vorbereitung, war für uns aber nicht sonderlich schwierig.
Warner Bros.
FILMSTARTS: Ich habe gelesen, dass du auf die Idee zu „The End Of Oak Street“ bei einem Spaziergang durch deine Nachbarschaft gekommen bist, als du dir plötzlich vorgestellt hast, wie da ein Dinosaurier eine der Mülltonnen durchwühlt. Aber in deinem Viertel sieht es ja wohl auch nicht aus wie 1982 – wie bist du also darauf gekommen, die Handlung in genau diesem Jahr anzusiedeln?
David Robert Mitchell: Nein, so sieht es bei mir natürlich nicht aus. Aber das mit den Achtzigerjahren ist vermutlich eine sehr persönliche Sache, weil ich zu dieser Zeit selbst ein Kind war. Als ich das Drehbuch schrieb, habe ich viel über meine eigene Kindheit und das Thema Familie nachgedacht. Es ist keineswegs autobiografisch, aber da stecken schon Erinnerungen drin, welche die Familie Platt geprägt haben. Die Handlung in diese Zeit zu verlegen, hatte für mich also eine besondere Bedeutung.
Gleichzeitig ging es mir aber auch um eine Anspielung auf Filme dieser Ära, in denen die Charakterentwicklung innerhalb von Familien extrem wichtig war. Es ging nicht nur um das Spektakel an sich, sondern darum, Figuren, die uns am Herzen liegen, mitten in dieses Spektakel zu werfen – damit es mehr Bedeutung bekommt und wir eine echte Bindung dazu aufbauen können.
FILMSTARTS: Dann passt ja meine Ein-Satz-Erklärung aus meiner Kritik zu „The End Of Oak Street“ ganz gut dazu: „Stell dir vor, Steven Spielberg hätte ‚Jurassic Park‘ nicht 1993, sondern stattdessen bereits 1982 anstelle von ‚E.T. – Der Außerirdische“ gedreht“ …
David Robert Mitchell: Das ist ein großes Kompliment!
Lange nur ein Geheimtipp – jetzt pünktlich zum Start auf Kinohit-Kurs
FILMSTARTS: Ambitionierte Originalfilme hatten lange einen schweren Stand an den Kinokassen – machen dich da Hits wie „Weapons“ oder „Blood & Sinners“ auch in Bezug auf „The End Of Oak Street“ zuversichtlicher?
David Robert Mitchell: Ja, absolut. Wann immer wirklich interessante, ambitionierte Originalfilme gut abschneiden und die Leute ins Kino locken, ist das fantastisch. Dass „The End Of Oak Street“ von Warner Bros. herausgebracht wird – einem Studio mit einer Historie darin, originelle Stoffe zu unterstützen, zu pushen und damit das Publikum richtig zu begeistern –, ist großartig. Von daher stimmt mich das auf jeden Fall sehr optimistisch.
FILMSTARTS: Es ist immer schwer, einen guten Titel zu finden. Aber wenn der Titel ein Straßenname ist, stehen einem ja wirklich alle Türen auf – ist es da nicht besonders schwer, sich am Ende auf einen Namen zu einigen? Wonach geht man da überhaupt – nach der Atmosphäre, die man anstrebt?
David Robert Mitchell: Ich würde gar nicht sagen, dass es schwer war. Wir haben einfach verschiedene Namen durchforstet und nach etwas gesucht, das den Film gut repräsentiert – etwas, das den Leuten auf einfache Weise ein Gefühl dafür gibt, worum es geht. Ich finde, der Name hat eine gewisse Schlichtheit, die typisch für die Vorstadt ist, und bringt es auf eine sehr effektive Weise auf den Punkt.
„The End Of Oak Street“ läuft ab dem 13. August 2026 in den deutschen Kinos – und während sich die anfänglichen Spekulationen am Ende nicht bestätigt haben, ist es vielleicht ja ganz spannend, noch mal reinzulesen, welche Theorien die ersten Ankündigungen zum Film damals alle ausgelöst haben:
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