ACHTUNG: Dieser Artikel enthält – logischerweise – Spoiler zum Ende von „The End Of Oak Street“!
Weil zunächst eine gewaltige Geheimniskrämerei um den Plot von „The End Of Oak Street“ betrieben wurde, haben Fans bereits gemutmaßt, es könnte sich bei dem Mystery-Projekt nach „10 Cloverfield Lane“ und „The Cloverfield Paradox“ um den nächsten „Cloverfield“-Teil handeln – schließlich ist „Cloverfield“-Mastermind J.J. Abrams auch hier mit seinem Studio Bad Robot als Produzent federführend.
Nach diesem Muster wäre der mysteriös klingende Titel „The End Of Oak Street“ dann vermutlich kurz vor Kinostart in „The End Of Cloverfield Street“ umbenannt worden. Aber Pustekuchen – selbst wenn hinter verschlossenen Türen womöglich mal über die Eingliederung in das „Cloverfield“-Universum nachgedacht wurde, entsprang die Idee zu „The End Of Oak Street“ dem Kopf von Regisseur David Robert Mitchell, als er eines Tages durch sein Viertel spazierte und sich vorstellte, wie es wohl wäre, wenn ein Dinosaurier die Mülltonnen seiner Nachbar*innen durchwühlt.
Ich habe mit David Robert Mitchell übrigens länger über den Film gesprochen – unter anderem natürlich auch über die kopulierenden Dinos. Das Interview könnt ihr hier nachlesen:
"Ich bin selbst überrascht, dass das Studio kein Veto eingelegt hat": Wir sprechen mit David Robert Mitchell über sein Dino-Meisterwerk "The End Of Oak Street"Aber zurück zum Ende des Films: Nachdem sie mitsamt ihrer Nachbarschaft in die Urzeit versetzt wurden, haben es Denise Platt (Anne Hathaway) sowie ihre Teenie-Kinder Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery) durch den Sprung in eine Zeitblase zurück ins Los Angeles des Jahres 1982 geschafft. Mit im Schlepptau haben sie Jeannette Christiansen (Jordan Alexa Davis), der sie bei ihrem Abenteuer zufällig begegnet sind und deren Eltern von Dinosauriern getötet wurden. Auch Denises Ehemann Greg (Ewan McGregor) wurde von einem T-Rex zunächst das Bein abgerissen, bevor der Urzeit-Gigant den Pizzaboten vollständig verschlungen hat.
Aber dann hat Denise eine Idee …
Der cleverste Midnight-Snack ever!
Das Quartett befindet sich nach seiner Rückkehr außerhalb des Bereichs, der in wenigen Minuten in Richtung Urzeit verschwinden wird. Der erste Instinkt ist natürlich, zurück in das Viertel zu eilen und sich selbst – sowie vor allem Greg – zu warnen. Aber Denise hat eine bessere Idee, von der sie selbst ihren Kindern zunächst nichts verrät (wobei es wohl eher darum geht, die Spannung fürs Publikum hochzuhalten). Sie telefoniert von einer Telefonzelle – und wartet dann einfach ab …
… und tatsächlich: Wenig später kommt Greg in seinem Pizzamobil angerast! Denise hat vom anschließend verspeisten Greg in der Vergangenheit erfahren, wie wichtig die Botenaufträge gerade für ihn sind, seitdem er vor einigen Wochen seinen Job verloren und seiner Familie bislang davon nichts verraten hat. Greg reist in dieser Timeline also gar nicht erst in die Vergangenheit – und ist damit gerettet.
Hätte Denise hingegen nicht einfach eine Pizza bestellt, sondern versucht, Greg am Telefon die ganze Situation zu erklären, wäre sie in der Kürze der Zeit sicherlich gescheitert. Später erfahren wir in einem Fernsehbeitrag zudem, dass Denise nach ihrem Ehemann offenbar noch weitere Bekannte mit einer Warnung angerufen hat, von denen sie wusste, dass sie in der Urzeit umkommen würden.
Der Twist in der allerletzten Szene
In der finalen Sequenz des Films befinden wir uns auf einer kleinen Grillparty anlässlich des einjährigen Jubiläums des trotz riesiger Forschungsteams noch immer unerklärlichen Zeitsprung-Vorfalls. Mit dabei ist auch Jeannette, die im Gegensatz zu Denise nicht angerufen hat, sondern sofort losgeeilt ist, um ihre Eltern vor der unfreiwilligen (und für sie tödlichen) Reise ins Dino-Zeitalter zu bewahren. Jetzt sehen wir: Sie war offensichtlich erfolgreich!
Aber wenn man auch nur einmal kurz blinzelt, fällt einem das wichtigste Detail dieser Szene womöglich gar nicht auf: Denise gibt es plötzlich doppelt! Einmal sitzt sie neben ihren Eltern und einmal trägt sie ein Tablett mit Essen in den Garten – offenbar hat Jeannette also nicht nur ihren Vater und ihre Mutter, sondern auch sich selbst gewarnt. Deshalb gibt es nun zwei Versionen von ihr – diejenige, die es aus der Urzeit zurückgeschafft hat, und diejenige, die überhaupt gar nicht erst in die Urzeit zurückgereist ist.
Vom rundum entspannten Feeling auf der Grillparty her würde man sagen: Nur ein Jahr später scheinen sich alle sehr gut auf die neue Situation eingestellt zu haben. Und es ist echt cool, dass ein so teurer Film wie „The End Of Oak Street“ sich noch traut, einen solch großen Twist einfach so nebenbei zu enthüllen, ohne es dem Publikum noch einmal superdeutlich zu erklären. In einer Netflix-Produktion wäre das wohl kaum möglich …
Neben dem meisterhaften Dino-Blockbuster „The End Of Oak Street“, den wir für den besten „Jurassic Park“ seit „Jurassic Park“ (→ hier geht’s zur ausführlichen Filmkritik) halten, gibt es übrigens auch noch die absolute Billo-Schrott-Version mit KI-Dinos für alle, die lieber totalen Trash als hohe Filmkunst sehen wollen:
"Jurassic Park" für Arme: Im ersten Trailer zu "Jurassic Rampage" terrorisieren KI-Dinos die Nachbarschaft