Nach "Die Odyssee" BRAUCHE ich diesen Film von Christopher Nolan

„Die Odyssee“ hat für FILMSTARTS-Redakteur Stefan Geisler nicht in allen Aspekten funktioniert. Eine Sache hat ihn dann aber doch restlos begeistert...

Ich habe im Verlauf der letzten Wochen auf FILMSTARTS schon öfter in Artikeln geschrieben, warum „Die Odyssee“ für mich zwar ein guter Film, aber kein Meisterwerk ist. Probleme im Tempo der Erzählung, die Verkürzung einiger Episoden der Heldenreise oder auch fragwürdige Besetzungen und verschenkte Stars – es gibt einige Dinge, die mir persönlich missfallen haben. Von einem Aspekt des Films bin ich aber schlichtweg begeistert – und diese zeigen mit ganz deutlich, dass sich Christopher Nolan als nächstes an einem Genre versuchen muss, dass er bisher sträflich missachtet hat.

Die Rede ist von Horror-Elementen, die für mich zu den absoluten besten Momenten der Irrfahrt gehören – und sowohl visuelle als auch auditive Höhepunkte bereithalten. Das durch Mark und Bein gehende Brüllen des schaurigen Zyklopen, ist für mich ähnlich schockierend gewesen wie Nikkis qualvoller Schrei am Telefon in „Obsession“. Die Schweine-Verwandlung im Haus der Zauberin Circe bringt Cronenberg-esken Body-Horror und eine faszinierend haptische Note in das Werk von Christopher Nolan – und gehört zu den besten Transformations-Szenen überhaupt. Da können selbst die großartigen Werwolf-Umwandlungen in „Das Tier“ oder „American Werewolf“ nicht mithalten.

Und dann sind da noch jene Szenen, die mit Klaustrophobie spielen. Nolan schafft es erstaunlich präzise, die Enge im Bauch des Trojanischen Pferdes einzufangen. Wie die Soldaten hier dicht an dicht zum Ausharren verdammt sind, während die einsetzende Flut bereits die unteren Männer verschlingt – das sind brutale, aber auch brillante Bilder, die mir im Kinosessel geradezu die Luft abgeschnürt haben. In dieser Intensität hat dieses Gefühl der Raumangst in den letzten Jahren nur Jordan Peeles „Nope“ widergegeben – in jener Szene, in der eine Menschengruppe durch den Darm des Aliens getrieben wird.

Kommt ein Horrorfilm von Christopher Nolan?

Und tatsächlich scheint meine Hoffnung nicht gänzlich unbegründet, dass Christopher Nolan tatsächlich einen Horrorfilm inszenieren könnte. Bereits 2024 erklärte der Regisseur, dass er große Lust hätte, sich an diesem Genre zu probieren. Bei einer Veranstaltung des British Film Institute ließ er verlauten: „Es ist eines der wenigen Genres, von denen die Studios viele Filme machen, und das sind Filme, die sehr viel Trostlosigkeit, sehr viel Abstraktion enthalten. Sie haben viele Eigenschaften, bei denen sich Hollywood eigentlich sehr sträubt, sie in seine Filme zu packen, aber das ist ein Genre, in dem es zulässig ist.“

Im Zuge der Promo-Tour zu „Die Odyssee“ schaute Nolan auch bei dem Youtuber Fred Asquith vorbei und wiederholte hier noch einmal, dass er durchaus Interesse daran hätte, einen echten Schocker zu inszenieren: „Ich würde es lieben, einen Horrorfilm zu drehen. Aber es geht immer um eine überzeugende Idee und die habe ich für mich [noch nicht] gefunden. Nur auf anderen Wegen: Auf seine Art ist ‚Oppenheimer‘ ein Horrorfilm, der Stoff ist ja sehr finster. Und es gibt Horror-Elemente, die in der Odyssee stecken, im Originaltext. Horror ist ein grundlegend filmisches Genre. Es ist sehr körperlich, eines, in dem man versucht, dem Publikum die Gefühlswelt der Figuren zu vermitteln. Und das ist die Art von Filmemachen, die mir gefällt.

Ob sich Christopher Nolan als nächstes einem Horrorfilm widmen wird, dürfte also maßgeblich davon abhängen, ob es eine Geschichte gibt, die ihn wirklich packt. Und zumindest aktuell scheint es so, dass er diese noch nicht gefunden hat.

Wusstet ihr eigentlich, dass Christopher Nolan bereits Jahre vor „Die Odyssee“ fast einen ähnlichen Stoff inszeniert hätte? Warum es letztlich nicht dazu kam, erfahrt ihr hier:

"Die Odyssee"-Regisseur Christopher Nolan sollte eigentlich "Troja" drehen – doch eine Entscheidung änderte seine gesamte Karriere
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
"Tanz der Teufel 2" und ein manisch-lachender Bruce Campbell haben Stefans Horror-Herz gestohlen. Seitdem kann er nicht mehr ohne: "Der Babadook", "Halloween" und "The Lords of Salem" - Horrorfilme gehören für Stefan einfach zu einem guten Filmabend.
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