Habt ihr schon einmal von Yannis Kokiasmenos gehört? Nein? Das wird euch der gebürtige Grieche sicherlich verzeihen – denn auch wenn er seit mittlerweile über 20 Jahren vor der Kamera steht, konnte er sich außerhalb seiner Heimat noch keinen großen Namen machen. Nichtsdestotrotz – oder besser gesagt: gerade deswegen – ist es auch so außergewöhnlich, dass er aktuell gleich mit zwei Filmen in den Programmen der deutschen Kinos vertreten ist.
Bei einem genauen Blick auf die beiden Werke wird das Ganze sogar noch besonderer, könnten die Filme doch unterschiedlicher kaum sein...
Pallas Film
Yannis Kokiasmenos in "Die Odyssee" und "Lebensansichten eines Huhns"
Viele von euch können sich wahrscheinlich gar nicht daran erinnern, dürften ihn allerdings vor kurzem schon mal gesehen haben. Schließlich ist Kokiasmenos Teil des Casts von „Die Odyssee“ – und Christopher Nolans gefeiertes Fantasy-Epos dürfte hinter „Spider-Man: Brand New Day“ wohl der weltweit meistgeschaute Kinofilm der vergangenen Wochen sein.
Den griechischen Schauspieler in dem nicht nur vor Superstars strotzenden, sondern auch mit reichlich Nebendarsteller*innen und Statist*innen gespickten Blockbuster ausfindig zu machen, ist dabei zugegebenermaßen aber auch gar nicht so leicht – zumal Yannis Kokiasmenos lediglich als „Old Man At Coastal Village“ gelistet ist.
Wer hingegen „Lebensansichten eines Huhns“ gesehen hat, dürfte Yannis Kokiasmenos nicht so schnell vergessen. Wobei das weniger an der Performance des Griechen liegt, sondern am Konzept des Films, in dem es ebenfalls um eine kleine Odyssee geht. Im Zentrum des von Kult-Regisseur György Pálfi („Taxidermia“) inszenierten Abenteuers ist allerdings eine Henne (!) auf Abwegen.
Diese wird von der Kamera dabei begleitet, als sie beschließt, das Leben in der Legebatterie hinter sich zu lassen – und schließlich die Flucht ergreift, um letztlich in dem ramponierten Restaurant unterzukommen, in dem Yannis Kokiasmenos die Kochlöffel schwingt – und es ebenfalls schon bald auf die Eier der Henne abgesehen hat.
Auf der einen Seite haben wir also einen 250 Millionen Dollar teuren Blockbuster, in dem sich einige der größten Hollywood-Stars der Gegenwart die Klinke in die Hand geben. Auf der anderen Seite eine skurril-feinsinnige, aus der Sicht eines Huhns (!) erzählte Beobachtungsstudie menschlichen Verhaltens, die amüsiert, stellenweise sogar mitreißt – und in der nicht nur keine Stars aufwarten, sondern die Menschen gar zur Nebenerscheinung werden. Das Verbindungsglied? Yannis Kokiasmenos, der damit unterstreicht, wie wunderbar und vielseitig die Kunst des Kinos doch sein kann.
„Die Odyssee“ schrieb übrigens Geschichte als der erste Film, der komplett in IMAX gedreht wurde – und eröffnete damit auch anderen Filmemachern neue Möglichkeiten. Der vor allem für das Historien-Action-Mammutwerk „RRR“ bekannte S.S. Rajamouli schickt sich bereits an, in Nolans Fußstapfen zu treten:
Nach "Die Odyssee": Jetzt wird auch das nächste Mega-Kino-Epos komplett mit IMAX-Kameras gedreht