Das Happy End war zum Greifen nah! Nachdem Kurierfahrer Bryan (Austin Abrams) am Ende von „Resident Evil“ vollends zum T-Virus-Monster mutiert ist und kurzen Prozess mit den Umbrella-Wissenschaftlern gemacht hat, ist der letzte Überlebende kurz davor, ihn mit dem hergestellten Gegenmittel zu heilen – nur um dann ebenfalls das Zeitliche zu segnen. Die erlösende Spritze fällt vom Gebäude und reißt jede Hoffnung für Bryan mit in den Abgrund. Der kann den sich nähernden Helikoptern der Nationalgarde nur noch wütend entgegen brüllen, während die Kamera an sein Auge heranzoomt und der Film endet.
Der recht abrupte Schluss und das schlimme Schicksal für Bryan stoßen dabei längst nicht bei allen Zuschauern und Zuschauerinnen auf Gegenliebe. Und man kann es ihnen nicht verübeln, haben wir doch zuvor 90 Minuten mit dem charmanten Typen von nebenan bei seiner albtraumhaften Odyssee mitgelitten, nach der er sich einen glücklichen Ausgang mehr als verdient hätte. Dennoch ist das Ende des neuen „Resident Evil“-Films gleich in mehrfacher Hinsicht ein Volltreffer!
Größere emotionale Wucht
Da wäre zum einen zunächst die naheliegende emotionale Komponente. Gerade weil wir Bryan so sehr in unser Herz schließen konnten, hat es natürlich eine umso größere Wirkung, wenn die Geschichte für ihn nicht gut ausgeht, noch einmal dadurch potenziert, dass in dieser Konsequenz wohl nur wenige damit gerechnet haben dürften. Verstärkt wird dieser Punch noch dadurch, dass Bryan sich letztlich doch darauf gefreut hat, eine Familie mit seiner Freundin Michelle zu gründen, und er ihr dazu noch eine rührende Botschaft auf seinem Handy hinterlassen hat.
Trotz aller spaßigen Absurdität, die den „Resident Evil“-Reboot durchzieht und auch im blutigen Showdown-Exzess zum Tragen kommt, macht Regisseur Zach Cregger hier greifbar, dass der Ausbruch der Zombieseuche im Franchise vor allem persönliche Einzeltragödien mit sich gebracht hat. Und in diesem Zusammenhang hat die letzte Szene besonders für Fans der „Resident Evil“-Spiele spannende Implikationen.
Die Entstehung eines "Resident Evil"-Endgegners
Denn im Grunde sehen wir hier nicht die Geschichte eines klassischen „Resident Evil“-Helden, sondern vielmehr die Origin-Story eines grotesk mutierten Bossgegners, der sich aus einem NPC (also einem nicht-spielbaren Charakter) in der „Resi“-Welt entwickelt hat (nicht ohne Grund entschied man sich mit Bryan für einen absoluten Normalo als Protagonist). Der dürfte fortan in Raccoon City sein Unwesen treiben (bevor die Stadt dem Erdboden gleichgemacht wird) und könnte so womöglich zu einem harten Gegner von Franchise-Hauptfiguren wie Leon oder Claire werden.
Die könnten vorher dann gar auf Bryans Aufnahme für Michelle stoßen, um das Ganze – ganz videospieltypisch – aufzubauen und ihnen einen kleinen Einblick in Bryans Schicksal zu geben. Tatsächlich hat ja Zach Cregger auch verlauten lassen, dass sein Film trotz der Verlagerung in die Jetztzeit quasi am Rande von „Resident Evil 2“ und „Resident Evil 3“ spielen könnte, in der Raccoon City von der Zombie-Seuche mehr und mehr überrollt wird und unter anderem Leon und Claire in der Stadt ums Überleben kämpfen.
Zu all dem passt auch, dass der grausam entstellte Bryan mit seinen Auswüchsen und den vielen Augen am deutlichsten vom typischen Design der größeren Monster aus den „Resident Evil“-Games inspiriert ist.
So demonstriert Zach Cregger also auch am Ende recht clever sein Gespür für den „Resident Evil“-Kosmos, auch wenn er ihm mit viel Humor seinen ganz eigenen Stempel aufdrückt. Sowohl in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik als auch bei der sonstigen Fachpresse kam das erstaunlich gut an – und genau das dürfte jetzt zum großen Erfolg beitragen, der dem Horror-Streifen bereits prognostiziert wird:
16 Jahre hielt dieser "Resident Evil"-Rekord - jetzt wird ihn der neue Horrorfilm pulverisieren