Ein Fest nicht nur für Videospiel-Fans: Darum ist "Resident Evil" für mich der beste Horror-Blockbuster 2026
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Ich war voller Vorurteile: Ich hasse endloses Geballer, mag kein Splatter und keine Videospielverfilmungen. Und doch habe ich mir Zach Creggers neuen „Resident Evil“ angeschaut – und es nicht bereut. Denn der Film ist so ganz anders als erwartet.

Von Björn Schneider

Ich hatte nicht wirklich viel Lust darauf, mir den Neustart der „Resident Evil“-Reihe anzusehen. Denn die Voraussetzungen waren nicht die besten: Immerhin konnte ich mit Videospiel-Adaptionen bis jetzt nie etwas anfangen. In den vergangenen zwei Dekaden habe ich mir so manch eine Verfilmung populärer Sci-Fi, Action- und Horror-Games angesehen – die meisten fand ich grauenvoll.

Von „Far Cry“ und „Doom“ über „Silent Hill: Revelation“ bis hin zum gefloppten ersten „Resident Evil“-Reboot „Welcome To Raccoon City“ von 2021. Für mich sind diese Werke austauschbare, seelenlose und sterbenslangweilige Fließband-Produktionen ohne jeglichen Charme. Als ich dann auch noch las, dass die Resident Evil“-Neuinterpretation angeblich megabrutale Splatter-Einlagen enthalten soll, war die Entscheidung bereits getroffen. Für mich stand fest: Nein, der neue „Resident Evil“ ist kein Film für mich. Ich stehe zwar auf Horror – aber reißerische Gore-Elemente, sinnentleertes Gemetzel und Blutorgien, die zum Selbstzweck verkommen, müssen nicht sein.

Vom Skeptiker zum Fan: Deshalb macht "Resident Evil" alles richtig

Und doch habe ich mir am Wochenende „Resident Evil“ angesehen. Warum? Weil mich die vorherigen Arbeiten von Regisseur Zach Cregger („Weapons“, „Barbarian“) so sehr beeindruckt hatten, dass ich unbedingt wissen wollte, ob er beim zweiten Live-Action-Reboot der kultigen Videospiel-Reihe seine Vision erfolgreich durchsetzen konnte. Ich schreibe es gleich vorweg: Der Kinobesuch war eine der besten Entscheidungen, die ich in diesem Monat bislang getroffen habe.

Für mich macht der 45-jährige Filmemacher hier alles richtig. Creggers Beitrag zur Reihe ist ein atemloser, extrem unterhaltsamer und, ja, ziemlich blutiger Survival-Horror-Action-Mix mit einem Hang zu entwaffnendem Loser-Humor und schrägen Slapstick-Einlagen. Doch genau diese Kombination aus augenzwinkerndem Witz und ultraspannendem Überlebenskampf in einer feindlichen, unheilvollen Welt macht den Film für mich zum bislang gelungensten Horror-Blockbuster des aktuellen Kinojahres. Er hat mir sogar besser gefallen als die beiden großen Indie-Horror-Überraschungshits in diesem Jahr, „Backrooms“ und „Obsession“.

Resident Evil
Resident Evil
Starttermin 17. September 2026 | 1 Std. 37 Min.
Von Zach Cregger
Mit Austin Abrams, Paul Walter Hauser, Zach Cherry
User-Wertung
3,7
Filmstarts
3,5
Vorführungen (521)

Und noch ein Satz zu den unerbittlichen Gewaltspitzen. Diese sind im „Resident Evil“ von 2026 definitiv vorhanden (trotz FSK-Freigabe ab 16). Zudem schrieb ich in diesem Beitrag bereits, dass ich generell kein Sympathisant übertriebener Ekel-Einlagen und sinnloser Provokationen durch diese Art von Darstellung bin. Es sei denn: Die Gewalt ist ein sinnvoller Teil der Dramaturgie und ordnet sich der Story unter. Creggers Film, der seine an David Cronenberg und John Carpenter angelehnten, stylishen Body-Horror-Szenen und visuellen Exzesse stimmig in die Handlung integriert und an unerwarteten Stellen abfeuert, schafft genau das.

Puristen und Körperhorror-Liebhaber werden sich an den tollen praktischen Effekten, den Masken, Prothesen und Animatronics nicht statt sehen können. Ich konnte es nicht! Auch wenn zur Wahrheit gehört: Komplett konnte Cregger nicht auf Special Effects aus dem Computer verzichten.

Humorvoller Survival-Horror statt CGI-Trostlosigkeit

Creggers Vision ist ein drastischer Gegenentwurf zur Ästhetik früherer „Resident Evil“-Adaptionen der Paul-W.S.-Anderson-Ära. Ein übertriebenes CGI-Effekte-Gewitter, das allgegenwärtige Gefühl von Künstlichkeit, endloses Geballer, stilisierte Martial-Arts-Einlagen und eine unbesiegbare Action-Amazonin (Milla Jovovich als Alice) gibt es bei Cregger nicht. Stattdessen serviert uns seine Version einen sympathischen, unauffälligen Durchschnittstypen als Protagonisten, den wir trotz – oder gerade wegen – seiner Schusseligkeit schnell ins Herz schließen. Bryan ist kein strahlender, mutiger Actionheld oder Elitesoldat mit hohem Identifikationspotenzial, sondern „einer von uns“. Der unscheinbare Kurierfahrer und emotional instabile Mittzwanziger (von Austin Abrams großartig gespielt) ist für mich schon jetzt einer der besten, spannendsten Hauptcharaktere im Horror-Kino 2026.

Er stolpert von einer misslichen Lage in die nächste, kämpft gegen monströse Kreaturen, ist mit allem hemmungslos überfordert, flucht, weint und steht mehrmals kurz vorm Zusammenbruch. Sein Antrieb sind die (verzweifelten) Versuche, seiner Freundin Mailbox-Nachrichten zu hinterlassen, um ungeklärte Dinge noch geradezurücken. So einen – glaubwürdig gespielten – emotionalen Kern hat es in den früheren „Resident Evil“-Filmen niemals gegeben.

Wer sich vor dem Kinobesuch auf Zach Creggers Reboot einstimmen will, der hat – als Kunde von HBO Max – die Gelegenheit dazu. Fans können dort alle sieben vorherigen „Resident Evil“-Kinofilme seit kurzem streamen:

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Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.
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