In der nahen Zukunft hat sich die Gesellschaft einer als unfehlbar geltenden KI namens „die Methode“ untergeordnet, die den Menschen u. a. ein strenges Gesundheitsregiment vorschreibt. Auch die Justiz ist eng mit „der Methode“ verbunden. Aber dann droht ein Prozess, das ganze System in seinen Grundfesten zu erschüttern: Ein junger Mann wird wegen eines angeblichen Sexualmordes vor Gericht gestellt – und seine Schwester tut alles, um seine Unschuld zu beweisen. Nur würde das ja bedeuten, dass „die Methode“ doch nicht unfehlbar ist – und könnte die Gesellschaft eine solche Erkenntnis überhaupt verkraften …
Der mit Hannah Herzsprung, Damian Hardung, Alexander Fehling und Christian Friedel stargespickte „Corpus Delicti“, der auf dem gleichnamigen Erfolgsroman von Bestsellerautorin Julie Zeh basiert, startet am 1. Oktober 2026 in den deutschen Kinos.
Wer einen Film wie „Corpus Delicti“ schreibt und inszeniert, kommt natürlich nicht darum herum, sich in der Tiefe mit dem Genre und seinen Windungen zu beschäftigen. Deshalb haben wir Regisseurin Lena Stahl („Mein Sohn“) angefragt, ob sie uns zum Kinostart von „Corpus Delicti“ nicht exklusiv ihre Top-5-Thriller verraten möchte. Zu unserem Glück hat sie nicht nur zugestimmt, sondern sich auch noch die extra Mühe gemacht, zu jeder ihrer Empfehlungen einen kurzen Text zu schreiben.
Privat
Die Top 5 Thriller aller Zeiten (in beliebiger Reihenfolge)
Ich war schon immer ein großer Fan von Thrillern und aller Subgenres, die es für dieses Filmgenre gibt. Der wahrscheinlich erste Film war „Vertigo“ (1958) von Hitchcock, den ich sehr jung gesehen habe. Für „Corpus Delicti“ war der Cyber-Thriller „Blade Runner 2049“ (2017) von Denis Villeneuve eine wichtige Referenz. Aber auch Michael Manns „Heat“ (1995) ist einer meiner Lieblingsfilme. Es gibt aber auch eine ganze Reihe fantastischer Thriller von Regisseurinnen, die mich beeindruckt, beeinflusst und fasziniert haben, und die ich hier gern vorstellen möchte, weil es in meinen Augen immer noch – gerade im Genre-Bereich – mehr von Frauen inszenierte Filme geben könnte.
„Point Break“ (Kathryn Bigelow, 1991)
Der Actionthriller „Point Break“ ist ein absoluter Klassiker für mich, von Thriller-Königin Kathryn Bigelow. Die Neuverfilmung von 2015 kommt bei weitem nicht an das Original heran. Bigelow, die für einen weiteren Thriller – „The Hurt Locker“ von 2008 – als erste Frau einen Oscar für Regie erhalten hat, hat Filmgeschichte geschrieben. Nicht zuletzt, weil sie hier eine vollkommen neue Art der Kameraführung für die Verfolgungsszenen entwickelt und angewendet hat.
„In the Cut“ (Jane Campion, 2003)
Dieser Erotikthriller von Regie-Legende Jane Campion schaffte es, Meg Ryan vollkommen neu und gegen ihr Image der lustigen netten Blonden zu besetzen, für das sie zum Star geworden war. Die Komplexität der Charaktere, die ungewöhnliche Spannung der Dramaturgie und die geradezu poetische Bildsprache im Kontrast zu der Brutalität des Plots hat mich begeistert. Erwähnenswert finde ich ebenfalls, dass Nicole Kidman hier neben Laurie Parker als Produzentin fungiert und es damit einen Dreiklang aus weiblicher Regie, Hauptdarstellerin und Produzentinnen gibt.
„American Psycho“ (Mary Harron, 2000)
Dieser Film schockierte damals ebenso wie schon die Romanvorlage von Bret Easton Ellis. Die sadistische Brutalität der narzisstischen Hauptfigur (genial verkörpert von Christian Bale) wird gepaart mit schwarzem Humor und einer bestechenden Kameraästhetik. Die Welt der New Yorker Investmentbanker der 80er Jahre, in der Konsum, äußere Schönheit und grenzenloser Reichtum über allen menschlichen Werten wie Empathie oder Liebe zu stehen scheinen, ist genial eingefangen und bildet den maximalen Gegensatz zu der Charakterstudie des realen Serienmörders Ed Gein.
„Winter‘s Bone“ (Debra Granik, 2010)
Dieser Independentfilm, der Jennifer Lawrence über Nacht zum Star gemacht hat, ist auf den ersten Blick kein klassischer Thriller. Der Film, der authentische Schauplätze und viele Laiendarsteller verbindet, mutet geradezu dokumentarisch an, was dem Genrefilm eigentlich nicht entspricht. Dennoch ist dieser Film ebenso gnadenlos wie spannend, seine Heldin setzt alles aufs Spiel. Interessanterweise fungieren auch hier wieder drei Frauen in den Hauptkategorien: Produktion, Regie, Protagonistin.
„Revenge“ (Coralie Fargeat, 2018)
Coralie Fargeat wurde spätestens für „The Substance“ (2024) als Regisseurin bekannt. Ihr erster Film „Revenge“ sollte aufgrund der dargestellten Gewalt erst einmal nicht realisiert werden. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um einen „Rape and Revenge“ Thriller, den ich handwerklich herausragend finde. Ich wollte diesen Film auch deshalb hier mit aufnehmen, da Coralie Fargeat für mich nicht nur eine konsequente Genre-Regisseurin ist, sondern auch eine sehr wichtige Persönlichkeit im fortdauernden Kampf um Gleichberechtigung im Regie-Beruf überhaupt.