Vor 56 Jahren unterschrieb er den Vertrag als James Bond – wenig später bekam er 50.000 Dollar, um die Rolle doch nicht zu spielen!
von Michael Bendix
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1970 wurde der Nachfolger für Einmal-Bond George Lazenby gesucht. Die Wahl fiel auf einen aus „Psycho“ und „Spartacus“ bekannten Schauspieler – der sich allerdings nur kurz über seine Rolle freuen konnte!

MGM

Viele denken bei dem Namen James Bond noch immer zuallererst an Sean Connery. Der 2020 verstorbene Schotte ist nicht nur der Ur-007, er gilt vielen Fans bis heute als die beste Verkörperung des Spions mit der Lizenz zum Töten. In insgesamt sieben Filmen hat Connery die ikonische Figur verkörpert, darunter Klassiker wie „Goldfinger“ oder „Feuerball“.

Wie bereits in einem anderen Artikel berichtet, hat Connery allerdings stets mit seiner Paraderolle gehadert. Er wollte nicht auf James Bond festgelegt werden, war erschöpft von den langwierigen Dreharbeiten und dem enormen Medienrummel, und schließlich zerstritt er sich auch mit den Produzenten – und warf nach „Man lebt nur zweimal“ (1967) das Handtuch.

Als Nachfolger wurde bekanntlich George Lazenby engagiert. Doch obwohl niemand Geringeres als Star-Regisseur Christopher Nolan ein bekennender Fan des Agenten-Thrillers ist, wurde „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969) zur Enttäuschung: Zwar spielte der Film seine Produktionskosten problemlos wieder ein, doch die Einnahmen blieben deutlich hinter denen der vorangegangenen Bond-Abenteuer zurück. Seit „James Bond 007 jagt Dr. No“ (1962) hatte kein Teil der Reihe so wenig Geld eingespielt. Auch bei der Kritik kam der Film nicht sonderlich gut an, wobei vor allem Lazenby als Nachfolger des beliebten Sean Connery einen schweren Stand hatte.

James Bond 007 - Im Geheimdienst Ihrer Majestät
James Bond 007 - Im Geheimdienst Ihrer Majestät
Starttermin 19. Dezember 1969 | 2 Std. 20 Min.
Von Peter Hunt
Mit George Lazenby, Diana Rigg, Telly Savalas
Pressekritiken
3,8
User-Wertung
3,7
Filmstarts
4,5
Im Stream

Dieser Schauspieler sollte Sean Connery und George Lazenby nachfolgen ...

Die Entscheidung, wie es mit James Bond weitergehen sollte, nahm Lazenby dem Studio ab: Bereits vor dem Kinostart von „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ lehnte der heute 87-Jährige einen lukrativen Vertrag für weitere Bond-Filme ab, weil er der Meinung war, dass die Figur in den 1970er-Jahren aus der Mode kommen würde. Die Rolle war also wieder vakant – und ging wenig später an einen Schauspieler namens John Gavin.

Während „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ für Lazenby tatsächlich die erste Filmrolle überhaupt darstellte – zuvor hatte er lediglich als Model gearbeitet und in Werbespots mitgewirkt –, handelte es sich bei Gavin bereits um einen vergleichsweise erfahrenen Schauspieler. Er stand bereits seit 1956 vor der Kamera, spielte an der Seite von Liselotte Pulver die Hauptrolle in Douglas Sirks Weltkriegs-Melodram „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ und war darüber hinaus in Klassikern wie „Psycho“ und „Spartacus“ zu sehen. Rein äußerlich passte Gavin durchaus zu James Bond, wie ihr auf dem folgenden Bild sehen könnt:

John Gavin als Gaius Iulius Caesar im Monumentalfilm Warner Bros.
John Gavin als Gaius Iulius Caesar im Monumentalfilm "Spartacus".

... und wurde dafür bezahlt, von seinem Vertrag zurückzutreten!

Im Dezember 1970 unterschrieb der Mime, der im Laufe seiner Karriere auch als Präsident der Schauspielergewerkschaft sowie als US-Botschafter in Mexiko tätig war, seinen Vertrag. Doch wenig später kam auch schon die Ernüchterung. Denn unerwartet erklärte sich Sean Connery bereit, noch einmal in den berühmten Smoking zu schlüpfen – eine Gelegenheit, die sich das Studio auf keinen Fall entgehen lassen wollte, schließlich kam die Rückkehr des Publikumslieblings einem Erfolgsversprechen gleich.

Dafür war man bereit, tief in die Tasche zu greifen: Connery erhielt für „Diamantenfieber“ die damalige Rekordgage von 1,25 Millionen US-Dollar sowie eine Gewinnbeteiligung von 12,5 Prozent. Gavin wiederum wurde als 007 entlassen und erhielt eine Abfindung von 50.000 Dollar.

So ging es mit James Bond weiter

Tatsächlich spielte „Diamantenfieber“ mehr als das Doppelte seines direkten Vorgängers ein. John Gavin wurde dafür, dass er rein gar nichts tun musste, ordentlich entlohnt – musste aber den Verlust der Rolle verkraften, die seine Karriere hätte definieren können. Connery beließ es (vorerst) bei einem einmaligen Bond-Comeback und wurde 1973 durch Roger Moore ersetzt, der dem Doppelnull-Agenten in insgesamt sieben offiziellen Filmen sein Gesicht leihen sollte – mehr als jeder andere 007-Darsteller.

Im Jahr 1983 ließ sich Connery übrigens dazu überreden, im Alter von mittlerweile 53 Jahren noch einmal James Bond zu spielen – für „Sag niemals nie“, ein inoffizielles Remake von „Feuerball“, das außerhalb der regulären Bond-Reihe entstand und direkt mit dem ebenfalls 1983 veröffentlichten Roger-Moore-Bond „Octopussy“ konkurrierte.

Aus heutiger Sicht ist es übrigens erstaunlich, wie viele Entscheidungen rund um James Bond damals in relativ kurzer Zeit getroffen werden konnten – schließlich warten wir nun bereits seit fünf Jahren auf die Bekanntgabe eines Nachfolgers von Daniel Craig! Wer aktuell als Favorit gilt, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

Diese 6 Stars konkurrieren wohl um James Bond – ausgerechnet der Unbekannteste gilt plötzlich als Favorit
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.
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