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    Heath Ledger als Vorbild für "Joker"? So hat Joaquin Phoenix seinen DC-Schurken angelegt
    Von Jan Felix Wuttig — 02.09.2019 um 18:00

    Dass Todd Philips' „Joker“ anders wird als vorherige Comic-Adaptionen mit dem Psycho-Clown, war seit dem ersten Trailer abzusehen. Jetzt hat sich Joaquin Phoenix dazu geäußert, inwiefern er dem Erbe von Heath Ledger & Co. Rechnung trägt.

    2019 Warner Bros. Entertainment Inc.

    Heath Ledgers Performance als Joker in Christopher NolansThe Dark Knight“ gilt vielen als eine der beeindruckendsten Schauspielleistungen im Hollywood-Kino der letzten 20 Jahre. Nicht zuletzt dank Ledgers Darstellung fand DCs „Batman“-Franchise nach den schrillen Tönen der Joel-Schumacher-Ära („Batman & Robin“) ein größeres Publikum. Heath Ledgers Joker war der Beweis, dass auch ein geschminkter Comic-Bösewicht auf authentische Art erschütternd unheimlich sein kann. Wer allerdings hofft, dass Joaquin Phoenix sich in Todd Philips' „Joker“ an Heath Ledgers Stil anlehnen wird, wird enttäuscht sein: Der Schauspieler machte nun klar, dass er sich in seiner Verkörperung der Rolle von keinen früheren Inkarnationen hat beeinflussen lassen.

    Ich habe mich auf keine früheren Versionen der Figur bezogen“, sagte er bei der Weltpremiere des Films auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. „Es fühlte sich einfach wie unsere eigene Schöpfung an.“ Abgrenzen wollte sich Phoenix laut eigener Aussage insbesondere dadurch, dass er den Joker zu einer pathologisch nicht zu beurteilenden Figur macht: „Ich wollte die Freiheit, etwas zu erschaffen, das nicht identifizierbar ist. Es geht hier um eine fiktionale Figur. Ich wollte nicht, dass ein Psychiater sich hinsetzen und identifizieren kann, was für eine Person er ist.

    Todd Philips wollte keine "Joker"-Schlafanzüge verkaufen

    Die bisherigen Trailer des Films haben bereits angedeutet, dass Phoenix‘ Performance sich nicht vor Heath Ledgers Joker oder einer anderen früheren Version verstecken muss. Keine Verneigung vor zurückliegenden Teilen der Batman-Reihe, kein Bezug zu irgendeinem Stoff aus dem Comic-Kanon, ein Comic-Film als psychologische Studie für Erwachsene: Das war und ist noch immer der Anspruch von Regisseur Todd Philipps. Erst kürzlich ließ er durchblicken, wie schwierig es dabei war, die Produktionschefs bei Warner Bros. von seiner düsteren, nicht jugendfreien Vision zu überzeugen:

    Es dauerte ein Jahr ab der Fertigstellung des Skripts, die neuen Leute von der Vision zu überzeugen. Es gab E-Mails nach dem Motto ‚Dir ist schon klar, dass wir Joker-Schlafanzüge bei Target verkaufen‘. […] Damals verfluchte ich sie jeden Tag in meinem Kopf.

    Einfach auf den nächsten warten?

    Dass sein neuer Ansatz viele Fans auch enttäuschen könnte, scheint ihm ebenfalls klar zu sein – und er hat auch gleich einen tollen Tipp: einfach auf den nächsten Joker warten. „Das wird nicht der letzte Joker-Film aller Zeiten werden. Vielleicht wird es der letzte für Joaquin und mich, aber irgendjemand anderes wird schon vorbeikommen und einen neuen machen, genau wie bei Spider-Man. Also wenn euch der hier nicht gefällt, keine Sorge – man wird ihn schon irgendwann neu erfinden.

    Das werden wir uns zu Herzen nehmen – denn wir haben Todd Philips' „Joker“ bereits gesehen und halten ihn, Joaquin Phoenix‘ brillanter Performance zum Trotz, für eine kolossal verpasste Chance.

    FILMSTARTS-Kritik zu „Joker“

    „Joker“ startet am 10. Oktober 2019 in den deutschen Kinos.

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