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    Venom in "Avengers 5"? Spider-Man in "Morbius"? Wir erklären euch den Marvel-Sony-Disney-Deal
    Von Björn Becher — 17.01.2020 um 20:01

    Der erste Trailer zu „Morbius“ sorgte für viel Aufsehen. Verantwortlich dafür waren unter anderem ein Cameo am Ende und ein überdeutlicher Hinweis auf Spider-Man. Gehört der Sony-Film nun zu Disneys MCU? Nicht ganz, denn der Deal ist kompliziert.

    Sony Pictures / Walt Disney

    Im August 2019 schockte es die Fans, als die Runde machte, dass Sony und Disney ihre Zusammenarbeit in Sachen Spider-Man beenden und der von Tom Holland gespielte Superheld daher nicht mehr im MCU auftreten kann. Einen guten Monat später gab es die Kehrtwende. Beide Parteien kehrten an den Verhandlungstisch zurück. Ein neuer Deal wurde geschlossen – und der hat eine inhaltliche Komponente, die nun bei „Morbius“ zu sehen ist.

    Im ersten Trailer des Films tritt am Ende Michael Keaton auf. Auch wenn kein Name der Figur fällt, gibt es deutliche Anzeichen, dass es sich um Adrian Toomes alias Vulture, den Bösewicht aus „Spider-Man: Homecoming“, handelt. An anderer Stelle des Films wird zudem „Spider-Man“ im Bildhintergrund als „Mörder“ bezeichnet – auch wenn dabei nicht der korrekte Spider-Man-Anzug genutzt wurde, ist das eine direkte Anspielung auf das Ende von „Spider-Man: Far From Home“.

    Sony Pictures
    Szene aus dem "Morbius"-Trailer. Der falsche Spider-Man-Look, aber klare "Murder"-Anspielung.

    Doch trotzdem bedeutet dies nicht, dass „Morbius“ nun zum MCU gehört. Um das zu verstehen, müssen wir einen Blick auf das werfen, was über den neuen Sony-Disney-Deal bekannt ist.

    Der genaue Inhalt des Deals ist zwar geheim, doch Marvel-Boss Kevin Feige bestätigte, dass Sony sich das Recht erhandelt hat, Hollands Spider-Man im eigenen Universum zu nutzen. So erklärte Feige, dass Spider-Man als erster Marvel-Held in der Lage sei, „zwischen Kino-Universen zu wechseln“.

    Zwei Universen, ein wechselnder Held

    Aus dieser kurzen Aussage kann man sehr viel herausziehen – vor allem:

    1. Es gibt weiterhin zwei voneinander unabhängige Universen, denn Feige nutzt den Plural:

    •  das bekannte MCU mit all den Avengers.
    •  Sonys eigenes Universum, das mit „Venom“ gestartet wurde und zu dem nun auch „Morbius“ mit Jared Leto gehört.

    2. Tom Hollands Spider-Man kann in beiden Universen auftreten:

    •  weiter im MCU wie bisher schon
    •  aber nun auch ohne Einfluss von Kevin Feige in den Sony-Filmen.

    Verteilte Rechte

    Wichtig ist daneben aber auch noch zu wissen, wie ganz allgemein die Rechte zwischen Disney und Sony aufgeteilt sind. Sony hat ausdrücklich nur die Rechte an Spider-Man und den Figuren, die in direktem Zusammenhang mit ihm stehen. Dies umfasst auch Bösewichtfiguren, die Teil des Spider-Man-Pakets sind, weil sie comic-historisch mit diesem verknüpft sind.

    Die Rechte an Vulture liegen zum Beispiel bei Sony, weil die Figur ihren ersten Comic-Auftritt 1963 bei Spider-Man hatte. Deswegen wurde sie auch in einem Spidey-Kinofilm genutzt. Sony darf diese Figur aber nun auch zum Beispiel in „Morbius“ ausdrücklich und auch ohne Zustimmung von Marvel weiter nutzen.

    Gleichzeitig kann Sony aber nicht ohne Zustimmung von Marvel/Disney andere Figuren einsetzen, nur weil sie einmal in einem Sony-Film aufgetreten sind – zum Beispiel Nick Fury, der in „Far From Home“ eine prominente Rolle hat. Dieser ist für Sony tabu.

    Ein dritter Spider-Man-Solofilm mit Tom Holland unterliegt wohl weiter der kompletten Kontrolle von Kevin Feige und Marvel. 

    So sieht unserer Meinung nach die Zukunft aus

    Wir sind ziemlich sicher: Alles, was in den Sony-Filmen wie „Venom“, „Venom 2“ und „Morbius“ passiert, spielt im MCU überhaupt keine Rolle. Die Existenz dieser Figuren wird nie thematisiert, Disney sowie Kevin Feige werden so tun, als gäbe es diese Filme überhaupt nicht. Sie sind nicht Teil des MCU.

    Bei Sony wird man sich dagegen um Hinweise auf das große und erfolgreiche MCU bemühen. Den Kampf gegen Thanos darf man zwar nicht expliziert thematisieren, man könnte aber Andeutungen darauf einbauen. Und alles, was in den „Spider-Man“-Solofilmen passiert, wird im Sony-Helden-Universum auch direkt eine Rolle spielen. Diese Filme gehören schließlich Sony, sie gehören zum Sony-Universum genauso wie zum MCU.

    Walt Disney / Sony / Webedia GmbH

    Es ist also aktuell nicht denkbar, dass Morbius oder Venom in einem MCU-Film wie „Avengers 5“ plötzlich mitmischen, anders herum ist dagegen davon auszugehen, dass Tom Hollands Spider-Man bald seinen Sony-Kollegen seine Aufwartung macht – vielleicht schon in „Morbius“, spätestens aber in „Venom 2“.

    Sony hat damit endlich erreicht, was „Spider-Man“-Produzentin Amy Pascal uns bereits zum Start von „Spider-Man: Homecoming“ in einem Interview verraten hat, das danach samt Feiges erstaunter Reaktion über ihre Aussagen weltweit viral ging. Pascal verriet uns damals, dass „Venom“ und Co. in „einer Welt spielen, die wir gerade für Peter Parker erschaffen“, und zwar ausdrücklich Tom Hollands Peter Parker.

    Diese Welt gibt es nun, auch wenn die komplizierten und späten Vertragsverhandlungen für kleine Widersprüche in dieser Welt sorgen (so dürfte man in „Venom“ eigentlich nicht mehr ganz so erstaunt über die Existenz außerirdischen Lebens sein).

    „Morbius“ kommt am 30. Juli 2020 in die Kinos. Ein möglicher Auftritt von Tom Holland dürfte aber ähnlich wie der von Michael Keaton und auch ein in der Gerüchteküche kursierender J.K. Simmons als J. Jonah Jameson eher klein sein. Schließlich gab es die Einigung zwischen Sony und Disney, die das möglich macht, erst, als „Morbius“ schon gedreht wurde. So könnte der Keaton-Auftritt im Trailer zum Beispiel aus einer kurzen Szene am Ende oder sogar aus dem Abspann stammen.

    Einen Eindruck von Jared Leto als Vampir in „Morbius“ könnt ihr euch mit dem Trailer verschaffen:

     

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