The Tourist
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion The Tourist

2,5


Von Christoph Petersen

Nachdem er im Februar 2007 seinen Oscar für das Stasi-Drama „Das Leben der Anderen" in Empfang genommen hatte, unterschrieb Florian Henckel von Donnersmarck nicht nur bei einer US-amerikanischen Talentagentur, sondern zog auch gleich mit seiner Familie in einen wohlhabenden, direkt an Beverly Hills angrenzenden Distrikt von Los Angeles. Der deutsche Regisseur war der Mann der Stunde – eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis er seinen ersten Job in der Traumfabrik antreten würde. Doch ein Film mit Nicolas Cage sowie der Verschwörungsthriller „The 28th Amendment" mit Tom Cruise kamen nicht so recht in Fahrt und auf das vollfinanzierte Sequel „New Moon - Biss zur Mittagsstunde" hatte von Donnersmarck keine Lust. Auch den Hitchcock'schen Thriller „The Tourist" hatte er zunächst abgelehnt, als noch Sam Worthington die Titelrolle spielen sollte, erst nach dem Hinzukommen von Johnny Depp sprang von Donnersmarck doch noch an Bord. Und so hat es nun geschlagene dreieinhalb Jahre gedauert, bis das Hollywood-Debüt des deutschen Regie-Exports endlich in die Kinos kommt. Doch die spannende Frage ist natürlich eine andere: Hat sich das lange Warten gelohnt? Die ernüchternde Antwort: Eher nicht.

Der unscheinbare Amerikaner Frank (Johnny Depp) bereist Europa, um sich von einem persönlichen Schicksalsschlag abzulenken. Im Schnellzug von Paris nach Venedig macht er die Bekanntschaft der attraktiven Elise (Angelina Jolie). Eigentlich würde sich der Mathelehrer nie trauen, eine solche Frau auch nur anzusprechen, aber die unbekannte Schöne flirtet ihn offensiv an. In Venedig landet Frank unversehens in Elises Luxussuite. Doch nach einem ersten Kuss und einer Nacht auf dem Sofa ist Elise am kommenden Morgen verschwunden. Stattdessen stehen plötzlich die Schergen des sadistischen Milliardärs Ivan Demidov (Steven Berkoff) in der Tür, die den aus dem Badezimmerfenster flüchtenden Frank quer über die Dächer von Venedig verfolgen. Nach Aufeinandertreffen mit russischen Killern und korrupten Polizisten wird dem unbedarften Urlauber aus Wisconsin schnell klar, dass er hier offenbar zwischen die Fronten eines besonders perfiden Katz-und-Maus-Spiels geraten ist...

Schon die Handlung von „Anthony Zimmer", dem französischen Thriller mit Sophie Marceau und Yvan Attal, auf dem nun das „The Tourist"-Drehbuch von Julian Fellowes (Oscar für „Gosford Park") und Christopher McQuarrie (Oscar für „Die üblichen Verdächtigen") basiert, ergab auf den zweiten Blick - wenn man die elegante Oberfläche einmal bei Seite ließ – nicht allzu viel Sinn. Und Florian Henckel von Donnersmarck macht sich auch gar nicht erst die Mühe, die Logiklöcher des Originals zu stopfen. Schließlich haben sich auch große Genrevorbilder von „Über den Dächern von Nizza" bis „Charade" nur bedingt um den inneren Zusammenhalt des Plots geschert. Stattdessen haben diese Klassiker ihr Publikum mit einer eleganten Inszenierung und charmanten Darstellern gekonnt von etwaigen Schlaglöchern in der Story abgelenkt. Ohne zu brillieren, tragen nun zwar die Superstars Angelina Jolie und Johnny Depp ihren Teil zu diesem 100 Millionen Dollar teuren Ablenkungsmanöver bei, dafür aber versagt von Donnersmarck kläglich, wenn es darum geht, seiner schwelgerischen Inszenierung die notwenige Leichtigkeit und Eleganz zu verleihen.

Von Donnersmarck hat in den vergangenen Jahren immer wieder betont, dass er auch in Amerika kein Projekt annehmen werde, bei dem die künstlerische Hoheit nicht vollständig bei ihm verbliebe. Und tatsächlich gemahnt „The Tourist" mit Ausnahme des Hauptdarstellerduos selten an einen typischen Hollywood-Blockbuster. Es gibt kaum einmal schnelle Schnitte und auch sonstige Post-Production-Spielereien sucht man weitestgehend vergeblich. Stattdessen wirkt der Film ziemlich europäisch: klare Einstellungen, wenige Kamerafahrten, kaum Schnickschnack. Nur schlägt dieser bedächtige Stil hier schnell von „ambitioniert" in „langweilig" um. Es gibt nicht nur keine genialen Regieeinfälle „Marke Hitchcock", sondern überhaupt keine Szenen, die nach dem Abspann noch länger in Erinnerung blieben. „Das Leben der Anderen" hatte ein grandioses Drehbuch und noch grandiosere Darsteller. Da war es kein Problem, dass sich die Regie vornehm zurückhielt. Bei „The Tourist" hätte hingegen alles getan werden müssen, um mit einer eleganten-verspielten Inszenierung vom instabilen Story-Konstrukt abzulenken, womit die Regie eine ähnliche Funktion wie die Assistentinnen bei einem Zaubertrick von David Copperfield eingenommen hätte. Von Donnersmarck, eher Autorenfilmer als Kinoillusionist, ist hier schlicht der falsche Mann für den falschen Job.

Im Gegensatz dazu füllt Angelina Jolie („Der fremde Sohn", „Salt") die riesigen Fußstapfen von Grace Kelly & Co. überraschend gut aus. Mal schnippisch, mal unnahbar, verleiht sie der ebenso undurchsichtigen wie schönen Elise eine Aura, welche an die großen Leinwanddiven der Goldenen Hollywoodära durchaus herankommt. Johnny Depp („Fluch der Karibik", „Alice im Wunderland") orientiert sich hingegen nicht etwa am umwerfend-weltmännischen Charme eines Cary Grant, sondern zieht seine übliche, leicht schräge Art auch in „The Tourist" durch, selbst wenn er sich im Vergleich zu seinen Auftritten in den Filmen von Tim Burton („Edward mit den Scherenhänden", „Sweeney Todd") doch gewaltig zurücknimmt. Das funktioniert in den humorvollen Szenen ganz gut, wirkt ansonsten aber auch mal deplatziert. Die Nebendarsteller fallen bei dieser geballten Starpower kaum noch ins Gewicht: Steven Berkoff („44 Inch Chest") spielt einen eindimensional-sadistischen Bösewicht, wie man ihn seit den Zeiten des Kalten Krieges kaum noch auf der Leinwand gesehen hat. Paul Bettany („A Beautiful Mind") wird als Polizist der britischen Wirtschaftspolizei außer seinem beruflichen Ehrgeiz keine weitere Charaktereigenschaft zugestanden. Und Rufus Sewell („Die Säulen der Erde") läuft als ominöser Englishman immer mal wieder durch Bild, bis er dann im Finale endlich auch mal etwas sagen darf.

Fazit: Es fällt schwer, sich ein Folgeprojekt zu „Das Leben der Anderen" vorzustellen, das weniger zu den Qualitäten von Florian Henckel von Donnersmarck gepasst hätte als „The Tourist". Was bleibt, ist ein mäßig origineller Thriller mit zwei souverän aufspielenden Stars, die das Ruder zumindest noch ein Stück weit rumreißen.

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