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    The Birthday
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    The Birthday
    Von Jan Görner
    Egal ob „Psycho" oder „Shining" - Hotels haben eine langlebige düstere Tradition im Kino. Als von Fremden bevölkerte Heimstätten sind sie Sinnbild und Symbol einer ruhelosen Gesellschaft, oft genug auch ein rechtsfreies Labyrinth, in dem sich hinter jeder Tür Geschichten verbergen. Und manchmal sind diese Storys einfach irre - wie bei Eugenio Miras Horrorfilm „The Birthday". Dass die Sets für die herrenlose Absteige hier in einem verlassenen Krankenhaus (samt hauseigener Geistergeschichten) entstanden, dürfte der Legendenbildung dabei nur zusätzlich Vorschub leisten.
    Baltimore, November 1987: Noch bevor diese Nacht vorbei ist, wird sich Norman Forrester (Corey Feldman) wünschen, dass er einfach im Bett geblieben wäre. Dass er in einem heruntergekommenen Hotel seinen Schwiegervater in spe (Jack Taylor) kennen lernen soll, erfüllt den zerknirschten jungen Mann mit blanker Angst. Als sich seine Freundin Alison (Erica Prior) ihm gegenüber seltsam distanziert verhält, schiebt Norman dies zunächst auf den Umstand, dass sie sich durch die ausgedehnte Europa-Reise der jungen Frau fremd geworden sind. Allmählich jedoch beginnt er zu begreifen, dass in diesem Hotel nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Schließlich trifft Norman auf den aufgebrachten Kellner Theodore (Richard Felix), der ihn aufklärt, dass die Geburtstagsfeier zu Ehren von Alisons Vater von einer Kultgemeinschaft genutzt werden soll, um die Geburt ihres Gottes herbeizuführen. Dies hätte nicht weniger als den Weltuntergang zur Folge.

    „The Birthday", die erste abendfüllende Regiearbeit des Spaniers Eugenio Mira, liegt in mehreren Schnittversionen vor. Dieser Besprechung liegt der 97-Minuten-Cut zugrunde, der in Deutschland als „ungeschnitten" vertrieben wird. Mira erzählt seine Geschichte in dieser Fassung fast vollständig in Echtzeit, nur wenige Schnitte durchbrechen das strenge Schema. Diese allerdings verleihen dem Werk mehr Verve und verbessern entscheidend das Timing, da sonst drohender Leerlauf dadurch vermieden wird. Dass Mira selbst ein Filmfreak ist, wird an der Detailversessenheit seiner Arbeit deutlich. Verweise und Anspielungen finden sich fast in jeder Einstellung. Neben einem spürbaren Einfluss von David Lynch („Blue Velvet") oder David Cronenberg („Naked Lunch"), fühlt man sich beizeiten auch an das heruntergekommene Hotel als Sinnbild des Zusammenbruchs in „Barton Fink" oder an das Finale vonBrian De Palmas „Carrie" erinnert. Auch die Werke des Autors H.P. Lovecraft haben unübersehbare Spuren im Drehbuch hinterlassen. Der Jungregisseur ist deutlich noch auf der Suche nach einem eigenständigen Stil und es gelingt ihm nicht immer überzeugend, den Wildwuchs an Referenzen zu bändigen. So fehlt der Geschichte insgesamt ein wenig eine sinnstiftende Struktur zu geben, der Spaß wird dadurch jedoch nur unwesentlich gemindert.

    Mit jeder Minute, die verstreicht, steuert „The Birthday" auf die Katastrophe zu. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist Corey Feldmans („Stand By Me", „Die Goonies") Norman, der im Zentrum der Eskalation und nahezu jeder einzelnen der oft ungewöhnlich langen Einstellungen steht. Immer wieder findet die Kamera zu ihm zurück, selbst wenn kurzzeitig eine andere Figur in den Fokus gerät, wird prompt zu Feldman zurückgeschwenkt. Diese Konzentration auf den Hauptdarsteller ist natürlich teilweise dem Echtzeit-Konzept geschuldet, aber auch der Versuch von dem zumindest für eine kleine Produktion überdurchschnittlich bekannten Namen Corey Feldman zu profitieren, spielt eindeutig eine Rolle. Die Fixierung auf eine Figur führt natürlich unweigerlich dazu, dass der Film als Ganzes mit der Leistung seines Hauptdarstellers steht oder fällt.

    Wo sich Feldman die Inspiration für seine Rolle geholt hat, ist relativ offensichtlich. In seiner von Neurosen und nervösen Ticks geprägten Darstellung ist neben Jerry Lewis (bei dem sich bereits Tim Roth in „Four Rooms" bediente) auch ein klarer Einschlag von Woody Allen spürbar. Aber auch Al Pacinos Leistung in Sidney Lumets „Hundstage" oder Nicolas Cages Rolle in „Peggy Sue hat geheiratet" gehören in die Ahnengalerie von Norman Forrester. Und so versprüht dieser den Esprit eines biederen Jedermanns, fast so wie Clark Kent ohne Superman. Dass die Pferde dabei mehr als einmal mit dem Schauspieler durchzugehen drohen, fällt angesichts der surrealen Erzählwelt, in der sich „The Birthday" bewegt, kaum ins Gewicht. Dieser Film ist eine One-Man-Show und Feldman ihr unbestrittener Star.

    Im Staccato-Finale dann dreht Eugenio Mira richtig auf und erreicht einen audiovisuell denkwürdigen Schlusspunkt. Die an Unentschlossenheit grenzende Experimentierfreude des Films konvergiert am Ende damit in einer eindrucksvollen Sequenz, die das Werk insgesamt deutlich aufwertet. So ist „The Birthday" alles in allem eine spaßig-groteske Genre-Perle mit einem alles beherrschenden Hauptdarsteller, gedreht von einem etwas zu verspielten Regisseur mit unbestreitbar gutem Auge.
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